Lebensdaten
1902 - 1981
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Sacramento (Kalifornien, USA)
Beruf/Funktion
Genetiker ; Zoologe
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 132372754 | OGND | VIAF: 108534480
Namensvarianten
  • Stern, Curt
  • Stern, Kurt
  • Štern, K.
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Stern, Curt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd132372754.html [24.10.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Barned, aus Liverpool, Kaufm. f. Antiquitäten u. Dentalartikel in H. u. Berlin;
    M Anna Liebrecht, aus H., Lehrerin;
    1931 Evelyn (* 1903), aus Cincinnati (Ohio), 1942–45 Übers. b. „Manhattan Project“, 1958 Master in Social Welfare, T d. Adolph W. Sommerfield u. Selma N. N.; 3 T.

  • Leben

    S. besuchte das Realgymnasium in Berlin-Oberschöneweide, wo er 1918 das Kriegsabitur ablegte, um anschließend Zoologie in Berlin und München zu studieren. 1923 wurde er mit einer mikromorphologischen Arbeit über die Zellteilung eines Strahlentierchens, die er bei dem Protistologen Max Hartmann (1876–1962) am KWI für Biologie in Berlin-Dahlem anfertigte, zum Dr. phil. promoviert. 1923–32 war S. Assistent Richard Goldschmidts (1878–1958) am KWI, 1924–26 arbeitete er als Rockefeller-Stipendiat bei Thomas H. Morgan (1866–1945) an der Univ. New York, wo er sich mit der linearen Vererbung der Geschlechtschromosomen und Geschlechtsfaktoren bei der Taufliege befaßte. In Berlin verfolgte er diese Arbeiten weiter und habilitierte sich 1929 für Zoologie. Seit 1932 Gastprofessor in Cleveland (Ohio) und Pasadena (Kalifornien),|kehrte er nach der NS-Machtergreifung 1933 nicht mehr nach Deutschland zurück und nahm 1939 die US-Staatsbürgerschaft an. 1933 erhielt S. eine Stelle als Research Associate für Zoologie an der Univ. Rochester (New York), 1936 wurde er Assistant Professor, 1937 Associate Professor und 1941 Full Professor und Leiter des Department of Zoology und der Division of Biological Sciences. 1947 übernahm er eine Professur für Zoologie an der Univ. Berkeley, 1958 wurde er Professor für Genetik (em. 1970).

    S. war einer der führenden klassischen Genetiker der Zeit vor dem Aufstieg der Molekulargenetik. Als erster konnte er am Beispiel des Y-Chromosoms der Taufliege zeigen, daß Geschlechtschromosomen Informationen für definierte Erbanlagen tragen, die phänotypisch beschreibbar sind. Als einer der ersten legte er bei Drosophila genetische Beweise vor, daß das im Mikroskop zu beobachtende „crossing-over“ von Chromosomen ein cytologischer Prozeß ist, der sowohl bei der Reduktionsteilung in Keimzellen (Meiose) als auch bei der normalen Teilung von Körperzellen (Mitose) auftreten kann. Damit war ein wichtiger Mechanismus der genetischen Rekombination gefunden und zudem die lineare Anordnung von Erbanlagen auf dem Chromosom bewiesen. Mit seinen „Principles of Human Genetics“ (1947, ³1973, dt. 1955) legte S. ein bis heute zitiertes Standardlehrbuch vor. Während der Entwicklung der Atombombe in den USA untersuchte er die Wirkung niedriger Strahlendosen und konnte zeigen, daß auch sehr niedrige Dosen Mutationen im Erbgut auslösen können. Diese Ergebnisse wurden zunächst geheimgehalten und erst nach dem Krieg publiziert.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Nat. Ac. of Sciences d. USA (1948), d. American Philosophical Soc. (1954), d. American Ac. of Arts and Sciences (1959) u. d. Leopoldina (1965);
    Präs. d. Genetic Soc. of America (1950), d. American Soc. of Human Genetics (1957) u. d. American Soc. of Zoologists (1962);
    Mitgl. d. Advisory Committee for Biology and Medicine d. Atomic Energy Commission (1950–55);
    Dr. h. c. (McGill Univ. 1958;
    Univ. München 1972);
    Kimber Genetics Award d. Nat. Ac. of Sciences d. USA (1963);
    Mendel-Silbermedaille d. tschechoslowak. Ak. d. Wiss. (1965);
    Fred Lyman Adair Award d. American Gynecological Soc. (1967);
    Allan Award d. American Soc. of Human Genetics (1974);
    Mendel-Medaille d. Leopoldina (1975).

  • Werke

    Weitere W The Mutants of the Extreme Left End of the Second Chromosome of Drosophila melanogaster, in: Genetics 11, 1926, S. 503–30;
    Somatic Crossing Over and Segregation in Drosophila melanogaster, ebd. 25, 1936, S. 625–730;
    The Influence of Chronic Irradiation with Gammarays at Low Dosages on the Mutation Rate in Drosophila , ebd. 33, 1948, S. 75–95 (mit E. Caspari);
    Multiple Allelie, 1930;
    Faktorenkopplung u. Faktorenaustausch, 1933;
    A Cytogenetic Demonstration of Crossing-over between X- and Y-Chromosomes in the Male of Drosophila melanogaster, in: Proceedings of the Nat. Ac. of Sciences 22, 1936, S. 649–54 (mit D. Doan);
    Problem of Complete Y-Linkage, in: American Journal of Human Genetics 9, 1957, S. 147–66;
    The Origin of Genetics, 1966 (mit E. Sherwood);
    Genetic Mosaics and Other Essays, 1968;
    Grundlagen d. menschl. Erblehre, 1955, ²1966;
    Grundlagen d. Humangenetik, 1968;
    Hg.:
    Genetics (1947–1951);
    wiss. Nachlaß:
    American Philosophical Soc. (Philadelphia, Pennsylvania).

  • Literatur

    C. S., A Geneticists Journey, in: Chromosomes and Cancer, hg. v. J. German, 1974, S. XIII–XXV (P);
    J. C. Lucchesi, in: Genetics 103, 1983, S. 1–4;
    J. V. Neel, in: Annual Review Genetics 17, 1983, S. 1–11 (P);
    ders., in: Biographical Memoirs of the Nat. Ac. of Sciences 56, 1987, S. 442–73;
    L. Jaenicke, C. S., Wegbereiter d. Kombinationsgenetik b. Fliege u. Mensch, in: Biospektrum 12, 2006, S. 452–55 (P), erneut in: ders., Profile d. Biochemie, 2007, S. 305–13 (P);
    R. Rürup u. M. Schüring, Schicksale u. Karrieren, Gedenkbuch f. d. v. d. Nat.sozialisten aus d. KWG vertriebenen Forscherinnen u. Forscher, 2008;
    BHdE II;
    DSB 18, Suppl.;
    Complete DSB (W, L);
    ANB.

  • Autor/in

    Michael Teuber
  • Empfohlene Zitierweise

    Teuber, Michael, "Stern, Curt" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 273-274 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132372754.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA