Lebensdaten
1931 bis 2000
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
bei Neuwied/Rhein
Beruf/Funktion
Justiziar ; Kulturmanager
Konfession
-
Normdaten
GND: 174044410 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Steinorth, Karl Otto
  • Jacob-Steinorth, Karl
  • Steinorth, Karl
  • mehr

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Zitierweise

Steinorth, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd174044410.html [20.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V wohl Arthur Jacob-Steinorth (1886–1958), aus Zwickau, Dr.-Ing. habil., studierte Naturwiss., bes. Chemie, Assistent an d. TH Dresden, seit 1919 in d. Düngemittelind. tätig, u. a. in d. landwirtsch. Versuchsstation d. Dt. Kalisyndikats, 1943–45 Prof. f. Sonderkapitel d. techn. Chemie an d. TH Dresden, Vf. d. Habil.schr. „Bodenkundliche Beiträge z. Chemie des Tons“, TH Dresden 1943, 1949–51 Prof. f. forstl. Bodenkde. u. chem. Forsttechnol. an d. Forstwirtschaftl. Fak. Eberswalde d. HU Berlin, seit 1952 in Castrop-Rauxel, Vf. v. „Die Chemie d. Düngemittel“, 1949, „Ill. Düngerfibel“, 1950, „Der Boden, Kurzes Lb. d. Bodenkde.“, 1944, 31953(s. Kürschner, Gel.-Kal. 1950; Th. Gerber, Persönlichkeiten aus Land- u. Forstwirtsch., Gartenbau u. Veterinärmed., 2004);
    M N. N.;
    Carla N. N.;
    T Charlotte, Dr. iur., am MPI for Comparative Public Law and Internat. Law in Heidelberg.

  • Leben

    S. absolvierte nach dem Abitur ein Studium der Rechtswissenschaften in Berlin, Freiburg (Br.) und Köln. 1954 wurde er zum Dr. iur. promoviert und studierte danach an der Cornell Law School in Ithaca N. Y. (Master of Laws). Wieder zurück in Deutschland, arbeitete er 1959/60 als Assistent von Gerhard Kegel (1912–2006) am Institut für internationales und ausländisches Privatrecht der Univ. Köln. Nach der 2. jur. Staatsprüfung war er 1961/62 Research Associate an der Univ. of California in Berkeley und in Boston (Mass., USA).

    1963 trat S. bei der Kodak AG, Stuttgart, als Leiter der neu geschaffenen Rechtsabteilung ein. Zu dieser Zeit nahm der amerik. Konzern eine weltweit führende Stellung auf dem Film- und Photosektor ein. Seit 1964 leitete S. zusätzlich die Presseabteilung und nahm Marketingaufgaben wahr. Als profunder Kenner des dt. und amerik. Wirtschaftsrechts war er u. a. mit Fragen des Kartellrechts und Problemen der Preisbindung befaßt. 1969 wurde S. Leiter der fusionierten Abteilung Recht und Öffentlichkeit und 1970 Mitglied der Geschäftsleitung. 1992 war er maßgeblich beteiligt bei der Übernahme der Fotochemischen Werke GmbH in Berlin-Köpenick aus Treuhandbesitz durch die Kodak AG, Stuttgart.

    S. verband seine Funktion als Leiter der Kodak-Öffentlichkeitsarbeit mit einem außergewöhnlichen Engagement für die kulturelle und historische Seite der Photographie. So gehörte er zu den Initiatoren des Kulturprogramms der Kodak und der Weltmesse des Bildes in Köln. Seit den 70er Jahren wurden im Rahmen des Begleitprogramms zur Photokina über 80 Ausstellungen gezeigt, darunter „Fotografie und Futurismus“ (1982) oder „Masters of Light“ (1990), eine Sammlung von Werken von Abe Frajndlich. Für das franz. Photofestival „Rencontres Internationales de la Photographie“ in Arles leistete er über das Kodak-Kulturprogramm bedeutende Unterstützung.

    S. trat als Autor, Co-Autor und Übersetzer mehrerer Bücher hervor und arbeitete mit an zahlreichen Ausstellungskatalogen v. a. zu Themen der Photogeschichte, der Photopädagogik und Werbephotographie. Darüber hinaus verfaßte er Tausende von Zeitschriftenartikeln, die meinungsbildend waren und dem Medium Photographie in Kunst und Kultur zu mehr Geltung verhalfen.

    Für die Stuttgarter Kalenderschau initiierte S. 1969 den bis heute bestehenden „Kodak Fotokalender-Preis“; im Rahmen der Stuttgarter Buchwochen wurde auf sein Betreiben hin der „Kodak Fotobuch Preis“ vergeben (1976–2004, seither als Dt. Fotobuchpreis weitergeführt). 1985 gehörte S. zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) und der Stadt Köln zu den Mitbegründern des „Deutschen Kamerapreises“.

    Ende 1998 trat S. in den Ruhestand, blieb dem Unternehmen aber bis zu seinem Tod als Mitglied des Aufsichtsrats (Kodak Wien) verbunden. 1968 wurde er als Vorstandsmitglied in die DGPh berufen, wurde 1984 deren Vizepräsident und war 1996 bis zu seinem Tod Präsident der Gesellschaft. S. war Mitglied in den wichtigsten Institutionen der dt. Photographieszene wie im Photoindustrie-Verband, wo er als langjähriger Vorsitzender des Rechtsausschusses und des Arbeitskreises Presse und Öffentlichkeitsarbeit für die gesamte Fotobranche richtungsweisende Entscheidungen traf. Durch sein Verhandlungsgeschick kam es nicht zu einem abrupten Ende der seinerzeit durch EWG-Recht notwendig gewordenen Aufgabe der Preisbindung. Auf seiner Initiative beruhte auch der Ende der 1990er Jahre begründete Deutsche Zeitungsleser-Photowettbewerb „Blende“ – bis heute Europas größter Wettbewerb für Amateurphotographen. Für seine Verdienste wurden ihm zahlreiche nationale und internationale Ehrungen zuteil.

    S., Initiator und Mentor für alle Belange der Photographie in Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Publizistik, schenkte 900 Bände seiner Photoliteratur schon zu Lebzeiten der Museumsbibliothek in Köln. Sein Nachlaß mit rund 15 000 bis 20 000 Bänden Fachliteratur und -zeitschriften wurde vom Deutschen Centrum für Photographie in Berlin erworben. Die Karl-Steinorth-Bibliothek der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin befindet sich im Aufbau.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Messeausschusses d. photokina, d. DGPh (1968), d. Ges. Dt. Lichtbildner (GDL) u. d. European Soc. for the Hist. of Photography; Ehrenmitgl. d. Verbands dt. Amateurphotographen-Vereine; Vorstandsmitgl. d. Graph. Club Stuttgart; korr. Berater d. Bunds Freischaffender Fotodesigner (BFF), d. Ges. f. Auslandsrecht, Cornell Law School Associate; Prof. (1966); stellv. Vors. d. Kuratoriums f. d. Dt. Kamerapreis (bis 1997); Hood-Medaille d. brit. Royal Photographic Soc. (1993).

  • Werke

    u. a. (Karl Jacob-S.), Der zweigleisige Vertrieb v. Markenwaren im dt. u. amerik. Recht, 1964;
    Pette mit d. Kamera, 1966, 21967;
    You Push the Button, We do the Rest 1988 (mit Colin Ford);
    Photographen d. 20er J., 1987 (P), 1989, Tb. 1990;
    Hg./ Mitvf.:
    Eine runde Welt, Aus d. Anfängen d. Schnappschussfotogr., 1988, Tb. 1990 (mit Colin Ford);
    60 J. Fotogr., 1991 (mit Berko Ferenc);
    75 J. Leica Fotogr., 1991 (mit L. F. Gruber u. U. Tilmans);
    Lewis Caroll, Photogrr., 1991 (mit Colin Ford);
    Gordon Parks, 40 J. Fotogr., 1993 (mit Th. Buchsteiner);
    Die Kamera als Zeuge, Fotogrr. 1905–1937, 1999 (mit A. Bannon, M. Fulton u. L. Hine);
    Zss.art.:
    Eva Besnyö, ein Leben f. d. Fotogr., in: Profi-Foto, GFW Photo-Publ., 1999, H. 5, S. 24–29;
    Germaine Krull, Avantgarde als Abenteuer, ebd., H. 6, S. 24–27;
    Lewis Carroll, Kinderfotogr. d. 19. Jh., ebd., 2000, H. 2, S. 24–27;
    Frühe J., Wolfgang Reisewitz, in: Photo-Technik internat., 1999, H. 6, S. 98–103;
    Toni Schneiders, fotogr. Kammermusik, in: Fotomagazin, 1999, 10, S. 32–37;
    Wunderkind d. Fotogr., DGPh Kulturpreisträger Jacques-Henri Lartigue, in: Photographie 24, 2000, H. 3, S. 76 ff.;
    Der Dichter mit d. Kamera, DGPh Kulturpreisträger Mario Giacomelli, ebd., H. 4, S. 74–77.

  • Literatur

    L e. wiss. Monogr. über S. fehlt bisher; F. L. Gruber (Hg.), Glanzlichter d. Photogr., 30 J. photokina Bilderschauen, Ausst.kat. Köln 1980;
    W. W., Der Vermittler, in: FAZ v. 17. 2. 2000;
    G. Koshofer, in: Zs. Mittelstandsgemeinschaft Foto Marketing 48, 2000, H. 3, S. 5 f. (P);
    J. Glasenapp, Die dt. Nachkriegsfotogr., e. Mentalitätsgesch. in Bildern, 2008.

  • Autor/in

    Heiner Henninges
  • Empfohlene Zitierweise

    Henninges, Heiner, "Steinorth, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 224-225 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd174044410.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA