• Leben

    Über A.s Leben ist nichts Sicheres verbürgt. Der älteren Annahme, daß er in Zwickau Schulmeister war, steht die neuere (Hahn) gegenüber, daß er mit dem in bescheidenen Umständen in Zwickau lebenden Goldschmied H. A., einem Schulkameraden des St. Roth, identisch und seit 1538 in der Bergstadt Marienberg im Erzgebirge als Probierer und Silberarbeiter tätig gewesen sei. In seinem lutherischen Schulstück „Der verlorene Sohn“ (Zwickau 1536) bringt A. die biblische Erzählung (wohl unter Anlehnung an W. Gnapheus' fünfaktiges lateinisches Drama „Acolastus“, 1529) in drei Akten von überzeugender Einfachheit und Treuherzigkeit. Die dritte, erheblich veränderte Ausgabe „Der ungeratene Sohn“ (1540) steht bereits unter dem Einfluß von H. Sachs' „Ungeraten sun“ (1536); die lehrhafte Tendenz ist verstärkt, die lutherische Gnadenlehre als Sinn des Ganzen herausgehoben. A.s Drama wirkte seinerseits auf die Stücke des H. Scharpfenecker (1544), N. Risleben (1586), L. Hollonius (1603) und J. Nendorf (1608) und über letzteres indirekt auf N. Locke (1619) und die englischen Komödianten. Das „Spiel von Tobias“ (Zwickau 1539) verzichtet auf Akt- und Szeneneinteilung; es ist P. Rebhun gewidmet und zeigt, daß gläubiges Gottvertrauen von Gott schließlich belohnt wird. Beim „Spiel vom barmherzigen Samariter“ (Zwickau 1545) verzichtete A. auf jede dramatische Abrundung, um die Fabel polemisch gegen den Katholizismus und im Sinne der lutherischen Gnadenlehre auslegen zu können. In diesen Dramen wie auch in A.s Spruchgedicht von der Martinsgans paart sich schmucklose, ja manchmal trockene Einfachheit mit einem gemütvollen Ausmalen des kleinbürgerlichen Lebens und unbeirrbarer lutherischer Gläubigkeit.

  • Werke

    Weitere W Die Burckhardts- u. Martini-Gans, hrsg. v. K. Goedeke, in: Weimar. Jb. 6, 1857, S. 35 bis 42;
    Dramen v. A. u. Voith, hrsg. v. H. Holstein, 1884 (vgl. dazu
    A. Leitzmann, in: Btrr. z. Gesch. d. dt. Sprache u. Lit. 40, 1915, S. 536-38);
    Spiel v. barmherzigen Samariter, hrsg. v. J. Bolte, in: Archiv f. d. Studium d. neueren Sprachen u. Literaturen 77, 1887, S. 303-28.

  • Literatur

    ADB I;
    H. Holstein, Das Drama v. verlornen Sohn, Progr. Geestemünde 1880;
    Goedeke II, 1886, S. 281, 358;
    A. Wick, Tobias in d. dramat. Lit. Dtld.s, 1899;
    B. Strauss, J. A. u. H. Sachs, in: ZDA 53, 1912, S. 303-08;
    F. Tetzner, H. A., in: Tetzner, Btr. z. sächs. Lit.-Gesch., in: NA f. Sächs. Gesch. 37, 1916, S. 31-36;
    K. Hahn, Biographisches v. P. Rebhun u. H. A., ebenda 43, 1922, S. 80-97;
    ders., H. A., in: Alt-Zwickau, Jg. 1922, Nr. 11, S. 41 f.;
    G. Müller, Dt. Dichtung v. d. Renaissance bis z. Ausgang d. Barock, 1927, S. 161 f.

  • Autor/in

    Hellmut Rosenfeld
  • Empfohlene Zitierweise

    Rosenfeld, Hellmut, "Ackermann, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 37 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119600641.html#ndbcontent

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  • Leben

    Ackermann: Hans A., Bürger von Zwickau, deutscher Dramatiker, angeregt durch Paul Rebhun. Sein "Verlorner Sohn" (1536; vgl. Goedeke) beruht zum Theil auf dem "Acolast" von Gnapheus und wurde von Scharpffenecker 1544 abgekürzt, von Johann Nendorff 1608 benutzt. Im "Tobias" will er den Ehestand preisen im Gegensatze zur katholischen Verherrlichung der Ehelosigkeit. Einfach, schmucklos, trocken, aber treuherzig und nicht ohne anschauliche und gemüthvolle Erfassung des wirklichen Lebens. — (Palm, Rebhun S. 186.)

  • Autor/in

    Scherer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Scherer, Wilhelm, "Ackermann, Hans" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 35 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119600641.html#adbcontent

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