Lebensdaten
1767 – 1849
Geburtsort
Nürtingen (Württemberg)
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Bankier ; Maschinenfabrikant ; Gutsherr
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1020389583 | OGND | VIAF: 233271512
Namensvarianten
  • Süßkind, Johann Gottlieb Freiherr von
  • Süßkind, Gottlieb (bis 1821)
  • Süßkind, Gottlieb Freiherr von (seit 1821)
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Zitierweise

Süßkind, Gottlieb Freiherr von (seit 1821), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1020389583.html [05.10.2022].

CC0

  • Genealogie

    Aus schwäb. Fam., deren Stammreihe 1425 mit Michael, Bürger in Esslingen u. Lehnsträger d. Klosters Weiler, beginnt;
    V Gottlob Michael Theodor S. (1733–87, Konditor, Ratsmitgl. in N., S d. Christoph Ludwig (1688–1744, aus Heidenheim/Brenz, Pfarrer 1715–22 in Hausen/Zaber, 1722–25 in Waldenbuch u. 1725–44 in Stetten/Remstal, u. d. Regina Katharina Martini (1696–1777;
    M Rosina Dorothea (1732–1806), T d. Heinrich David Wagner, erster Collaborator an d. Lat. Schule in N., u. d. Christina Dorothea Tafel;
    Ur-Gvv Georg Michael Martini, Vogt in Güglingen u. Böblingen;
    Ov Johann Gottlieb Süskind (1734–72, Pfarrer in Neuenstadt/Kocher;
    7 Geschw bzw. Stief-Geschw (4 früh †);
    1) Augsburg 1797 1800 Johanna Euphrosine (1780–1863), s. P), T d. Georg Johann Bäumer, Kaufm. in Brenz (Württ.), u. d. Katharina Anna Leichtle, 2) 1804 1806 Maria Anna Sophia Jakobina (* 1780), T d. Johann Christian Preu, oettingen-wallerstein. GR in Wallerstein, u. d. Rosina Katharina Michl, 3) Augsburg 1806 Henriette Barbara Magdalena (1782–1814), T d. Paul v. Rad († 1796), Kaufm., Silberhändler, Steuermeister d.|Inneren Rats in A., u. d. Elisabeth Jakobina Liebert v. Liebenhofen (* 1755), 4) Augsburg 1814 Sophie Friederike (1795–1834), T d. Johann Kaspar Nikolaus Graberg, Gymn.lehrer, dann Kaufm. u. Gutsbes. in Erfurt, u. d. Euphrosine Ludowika Leichtlin;
    2 S aus 1) (1 früh †) Johann Albert (1803–87, Maria Elise v. Bösner, 1806–66, T d. Thomas Johann Heinrich v. Bösner, 1766–1845, reichsstädt. Syndikus in Regensburg, dann Polizeidir., Stadtkommissär, Landesdirektionsrat, Vorstand d. prot. Konsistoriums ebd., nach 1810 Kreisrat u. Reg.rat, 1825–28 Mitgl. in d. bayer. Kammer d. Abg.), auf Dennenlohe, bayer. Kammerherr, 1 T aus 1) (früh †), 2 S aus 3) Johann Gottlieb Benedikt (1808–27, Gottlob Lorenz Jakob (1809–96, ⚭ Paulina Freiin v. Varnbüler, 1822–41, T d. Ferdinand Friedrich Gottlob Frhr. Varnbüler v. u. zu Hemmingen, 1774–1830, württ. Gen.lt., s. ADB 39; Biogr. Hdb. Württ. LT), auf Bächingen u. Dennenlohe, 2 T aus 3) Elisabeth (1810–31, Wilhelm Heinrich Frhr. v. Schaezler, 1797–1887, auf Scherneck), Paulina Maria (1812–39, ⚭ Benedikt Frhr. v. Herman, 1804–42, auf Wain), 6 S aus 4) (5 früh †) Theodor Frhr. v. S.-Schwendi (1823–1905, württ. Frhr. 1851 u. Namensvermehrung 1901, ⚭ Karoline Amalie Freiin v. Woellwarth-Lauterburg, 1831–1912, T d. Karl Ludwig Frhr. v. Woellwarth-Lauterburg, 1800–67, württ. Rittmeister, s. Biogr. Hdb. Württ. LT), auf Schwendi, württ. Kammerherr, 2 T aus 4) Henriette (1815–1902, ⚭ Carl Frhr. Varnbüler v. u. zu Hemmingen, 1809–89, Rittergutsbes., 1864–70 württ. Außenmin. u. Reg.chef, 1873–81 MdR u. 1845–49 bzw. 1851–89 d. württ. Abg.kammer, s. ADB 39; NDB 17* u. 24*; Biogr. Hdb. Württ. LT), Amalie Wilhelmine (1817–1903, ⚭ Hermann Franz Friedrich Frhr. v. Holtz, 1813–57, württ. Kammerherr);
    Vt Friedrich Gottlieb v. Süskind (1767–1829, ev. Theol., Oberhofprediger, Konsistorialrat in Stuttgart, Prälat, Dir. d. württ. Studienrats, Prof. in Tü- bingen (s. ADB 37; BBKL XI);
    E Gottfried Hermann Theodor (1842–1902, Sophie Henriette v. Gonzenbach, 1848–1918, T d. Alfred August v. Gonzenbach, Kaufm., Bankpräs. in St. Gallen), Ing., Bes. d. Maschinenfabrik St. Georgen, Gründer d. Unionsbank in St. Gallen, Max (1853–1929, ⚭ Klara Picht, 1855–1923, T d. Holt Wilhelm Picht, Großkaufm. in Stettin), auf Schwendi, württ. Kammerherr, Richard (1854–1946, ⚭ Ilse v. Winterfeld, 1876–1951, T d. Hugo v. Winterfeld, 1836–98, preuß. Gen.major d. Inf., kommandierender Gen. d. Garde-Korps, Gen.adjutant d. Ks. Friedrich, s. BJ V, Tl.), auf Bächingen, preuß. Gen. d. Inf., Rudolf (1862–1919, ⚭ Hildegard Freiin v. Tessin, 1867–1939, T d. Otto Frhr. v. Tessin, 1824–80, auf Magenheim, u. d. Wilhelmine v. Vischer-Ihingen, 1834–93), württ. Forstmeister u. Kammerherr; Gvm d. 3. Ehefrau Benedikt Adam Frhr. v. Liebert (1731–1810, Reichsadel 1763, Frhr. 1770), auf Liebenhofen, Bankier in A., bayer. Finanzrat (s. Augsburger Stadtlex.).

  • Biographie

    S. trat 1792 nach 9Ýjähriger kaufmännischer Ausbildung in Neustadt/Rems und Stuttgart als Kontorist in die Wechselhandlung von Johann und Georg Walther v. Halder in Augsburg ein. 1796 erwarb er dort das Bürgerrecht, versteuerte ein Vermögen von 6000 fl. und stieg in der Folgezeit zum Gesellschafter des Bankhauses v. Halder auf. Anfang 1806 eröffnete S. am damals in Süddeutschland führenden Börsenplatz Augsburg mit einem Kapital von 100 000 fl. ein eigenes Bankhaus. Er verstand es, die durch fortgesetzte Kriege bestimmte politische Lage in Europa am Beginn des 19. Jh. für großangelegte Geldwechsel- und Darlehensgeschäfte sowie den spekulativen Handel mit Wechselbriefen und Staatspapieren zu nutzen, wobei er exorbitante Renditen erzielte: 1808 betrug der Überschuß 96 000 fl., 1814 190 000 fl. und 1824 296 000 fl. S. beschäftigte 1813 zwölf Angestellte und bezog ein Stadthaus gegenüber der Börse in unmittelbarer Nähe zum Rathaus. Bis 1825 erwirtschaftete er einen Reingewinn von 2,3 Mio. fl. und rückte in die Spitzengruppe der Augsburger Bankhäuser (v. Halder, v. Schaezler, v. Eichthal) auf.

    Neben den Geldgeschäften betrieb S. einen umfangreichen Getreidehandel nach Spanien, England und Frankreich, der allerdings 1832/33 erhebliche Verluste erlitt. 1835 zählte er mit einer Beteiligung von 500 000 fl. zu den Gründungsaktionären der Bayer. Hypotheken- und Wechsel-Bank in München. Anfang der 1820er Jahre übernahm er für 30 000 Pfund Sterling Anleihebonds der 1819 gegründeten Vereinigten Staaten von Kolumbien, die 1830 auf die Nachfolgestaaten Venezuela, Neugranada und Ecuador aufgeteilt wurden. Diese südamerik. Kapitalanlage belief sich 1849 bereits auf über 537 000 fl., darunter waren u. a. für 100 000 fl. mexikan. Bonds, für über 300 000 fl. Aktien der „Engl.Mexikan. Bergwerks-Association“ und für 82 000 fl. Aktien der „Pariser Central-Compagnie für Tranport und Verschiffung“.

    Die im Geldhandel erzielten Gewinne flossen zum Teil in industrielle Unternehmungen. In Wien besaß S. eine mechanische Werkstätte, die v. a. Spinnmaschinen produzierte. Seit 1830 stand sie unter der Leitung des St. Galler Associés David Specker und firmierte seither als „D. Specker’sche Maschinenfabrik am Tabor“. Ende 1849 brach in dem Betrieb, der über 350 Arbeiter beschäftigte, ein Brand aus, der einen Schaden von 350 000 fl. verursachte. Im Jahr darauf übernahm die „Österr. Staats-Eisenbahn-Gesellschafts-Maschinenfabrik“ die Anlagen für 120 000 fl. Als die 1828 vom St. Galler Kaufmann Michael Weniger (1763–1836) gegründete Maschinenfabrik St. Georgen 1841 ihre Zahlungen einstellte, übernahm S. als Hauptgläubiger den Betrieb mit 150 Arbeitern. Das auf die Produktion von Textilmaschinen, v. a. für die Seidenindustrie, spezialisierte Unternehmen erzielte 1856 mit 400 Arbeitern einen Umsatz von 800 000 Franken und blieb im Besitz der Familie.

    Einen Großteil seiner Erträge investierte S. in Grundbesitz. 1810/13 erwarb er das Landgut Bannacker bei Augsburg. 1820 kaufte er die Herrschaft Schwendi, 1821 die Herrschaft Bächingen, 1823 die Herrschaft Haunsheim und 1825 die Herrschaft Dennenlohe. 1838 belief sich der Wert seines Grund- und Hausbesitzes auf über 700 000 fl., in seinem Testament 1846 bezifferte S. seinen Gesamtbesitz auf 2,7 Mio. fl. – das größte Vermögen, das ein einzelner Unternehmer zwischen 1648 und 1870 in Bayer.-Schwaben erarbeitete. Das S.sche Bankhaus wurde nach S.s Tod im Juli 1850 aufgelöst.

  • Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

    A Mitgl. im Kollegium d. Gde.bevollmächtigten in Augsburg (1818);
    Assessor b. Augsburger Wechselappellationsger. (1821).

  • Quellen

    Schloßarchiv d. Frhr. v. S. in Dennenlohe; StadtA Augsburg.

  • Literatur

    J. A. Krauß, Rede b. d. Beerdigung d. am 21. Dec. 1849 selig entschlafenen Tit. Herrn J. G. Frhrn. v. S., Gutsbesitzers u. Banquiers in Augsburg, 1849;
    A. Haemmerle, Stammtafel d. Frhr. v. S., 1950, bes. S. 49–54, 61 f., 71–76, 95, 99, 121, 123, 125 u. 127;
    W. Zorn, Handels- u. Ind.gesch. Bayer.-Schwabens 1648–1870, 1961, bes. S. 119, 122, 131 f., 136, 148, 159 f., 218 f., 243 f. u. 249;
    P. Fassl, Konfession, Wirtsch. u. Pol., 1988, S. 71 u. 218;
    C. Metzger, Landsitze Augsburger Patrizier, 2005, S. 23, 62, 66, 86, 129 u. 168 (P);
    zur Fam.:
    GHdA 48, Frhrl. Häuser B V, 1970, S. 370–78;
    GHdA 131, Adelslex. XIV, 2003, S. 263 f.

  • Porträts

    Lith. v. M. Brandmüller, um 1820 (Staats- u. Stadtbibl. Augsburg), Abb. in: Metzger (s. L), S. 19;
    S. mit seiner ersten Gattin Johanna Euphrosine u. d. Sohn Albert, Öl/Kupfer;
    Miniatur, Öl/Elfenbein (beide Schloß Dennenlohe);
    Gem., Öl/Lwd. v. Cl. Zimmermann, 1823;
    Gem., Öl/Lwd. (beide Schloß Schwendi).

  • Autor/in

    Richard Winkler
  • Zitierweise

    Winkler, Richard, "Süßkind, Gottlieb Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 683-685 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1020389583.html#ndbcontent

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