Lebensdaten
1873 bis 1957
Geburtsort
Düsseldorf
Sterbeort
Tübingen. (evangelisch)
Beruf/Funktion
Nationalökonom ; Konjunkturtheoretiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118752057 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Spiethoff, Arthur August Caspar
  • Spiethoff, Arthur August Kaspar
  • Spiethoff, Arthur
  • mehr

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Zitierweise

Spiethoff, Arthur, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752057.html [15.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich, Verl., volkswirtsch. Schriftst. in D., stand in Kontakt mit Elisabeth Förster-Nietzsche;
    M Hildegard Schellenberg;
    B Bodo (1875–1948), Dr. med., 1911 ao., 1923 o. öff. Prof. f. Dermatol. in Jena, Vorstand d. Univ.hautklinik ebd. (s. Rhdb.; BLÄ; Personenlex. Drittes Reich);
    1919 Margarete, T d. N. N. Daberkow, GKR, u. d. Agathe Schulz;
    S Hiltfried (1920–41 ⚔).

  • Leben

    S. besuchte Gymnasien in Berlin und Mühlhausen (Thür.) und studierte 1893–99 Staatswissenschaften an der Friedrich Wilhelms-Univ. Berlin und wurde dort Assistent von →Gustav Schmoller (1838–1917). Nach seiner Promotion 1905 habilitierte er sich 1907 und wurde im folgenden Jahr als o. Professor an die Dt. Univ. in Prag berufen. Dort entstanden zentrale wissenschaftliche Arbeiten zu seinem bekanntesten Schwerpunkt, der Erforschung der Wechsellagen der kapitalistischen Wirtschaft, darunter drei große Abhandlungen über den Kapital- und Geldmarkt. Nach dem Tod Schmollers wurde S. Mitherausgeber von „Schmollers Jahrbuch“, in dem er speziell zu den Wirtschaftskrisen publizierte.

    Nachdem S. Berufungen nach Gießen (1913) und Göttingen (1918) abgelehnt hatte, folgte er 1918 dem Ruf als Professor der Wirtschaftlichen Staatswissenschaften an die Univ. Bonn und kehrte damit in seine rhein. Heimat zurück. Er arbeitete v. a. mit Herbert v. Beckerath (1886–1966) (seit 1924) und Joseph Schumpeter (1883–1950) (seit 1925) zusammen; die drei verhalfen der Bonner Nationalökonomie zu internationalem Ruhm. S. selbst bezeichnete diese Jahre als „die|glücklichsten und inhaltsreichsten seiner Arbeit als akademischer Lehrer“ (Kamp, 1958). Sein berühmtestes Werk stellt der 1925 erstmals veröffentlichte Artikel „Krisen“ (in: Hdwb. d. Staatswiss., Bd. 4, 41925) dar. Es handelt sich um die erste Gesamtdarstellung der wirtschaftlichen Wechsellagen. In der Folge beeinflußte S. die Diskussionen über die Institutionalisierung der Konjunkturforschung in Deutschland; Wagemanns „theorieloser“ Konjunkturforschung stand er mit seiner „angewandten Konjunkturtheorie“ kritisch gegenüber. Neben dem Hauptthema „Konjunkturforschung“ finden sich in seinen Arbeiten ab 1925 zunehmend auch methodologische Überlegungen zum Zusammenhang von Wirtschaftstheorie und -geschichte. S., der zunächst durch die theoretischen Wurzeln der historischen Schule seines Mentors Schmoller geprägt wurde, folgte dessen Anschauungen in seinen Arbeiten nicht passiv, sondern versuchte, durch eine Synthese von abstrakter und empirischer Wirtschaftsforschung eine Brücke zwischen der traditionellen historischen und der aufstrebenden neoklassischen Theorie zu schlagen, welche er selbst mit dem auf Edgar Salin (1892–1974) zurückgehenden Begriff „anschauliche“ Theorie betitelte. Beckerath bezeichnete S. als „Vollender des Schmollerschen Vermächtnisses“ – „der Durchbruch aus der historisch und soziologisch erforschten Erfahrung zur Theorie, der Schmoller im ganzen versagt blieb, gelang ihm“ (Beckerath, 1957). Verbreitet ist seine noch nachwirkende Präzisierung des Wirtschaftsstilbegriffs durch fünf „Merkmale“, verkürzt: Wirtschaftsgeist, natürliche/technische Grundlagen, Wirtschaftsverfassung, Gesellschaftsverfassung, Dynamik, die im Vergleich zu Walter Euckens (1891–1950) Systembegriff den Zusammenhang von Wirtschaft und Kultur auf gegebenem Raum und in gegebener Epoche hervorhoben und die anschauliche Darstellung der Einbettung v. a. vormoderner Wirtschaften in den historisch-gesellschaftlichen Entwicklungsprozeß erlauben sollten (Schefold, 1994). S. war 1922–35 Mitherausgeber der „Bonner Staatswissenschaftlichen Untersuchungen“, amtierte als Dekan und gründete das „Institut für Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften“ 1928/29. 1932 ging Schumpeter nach Harvard und Beckerath emigrierte 1934, während S. den Nationalsozialismus zunächst unterstützte (Mitgl. NS Lehrerbund u. Bund nat.soz. Dt. Juristen). Sein internationales Ansehen erschien nach Beckerath um so bemerkenswerter, „als S. nach Temperament, Charakter und Geistesart keineswegs ein Kosmopolit war, sondern in seinem Fühlen und Streben ausgesprochen national ausgerichtet war“ (Beckerath, 1957, S. 577).

    1933 erhielt S. eine außerordentlich reichhaltige und internationale Festschrift („Der Stand und die nächste Zukunft der Konjunkturforschung“). Bis zu S.s Emeritierung 1939 folgten noch einige Publikationen, darunter auch ein Beitrag zur Festgabe zur hundertsten Wiederkehr von Schmollers Geburtstag 1938. Nach seinem Ruhestand zog sich S. mit seiner Frau nach Badenweiler zurück.

    In seinem letzten Lebensabschnitt in Tübingen widmete er sich noch einmal auf resümierende Weise seinen beiden Forschungsschwerpunkten: Mit seinem Beitrag in „Synopsis“ verfaßte er eine umfangreiche Begründung und Rechtfertigung seiner anschaulichen Theorie. Mit der erweiterten Neuveröffentlichung des „Krisen“-Artikels unter dem Titel „Die wirtschaftlichen Wechsellagen“ (2 Bde., 1955) knüpfte S. letztlich an seine „Vorleistung“ der Konjunkturforschung an und inkorporierte umfangreiches statistisches Material.

  • Auszeichnungen

    Ehrenpräs. d. American Economic Ass. (1953).

  • Werke

    u. a. Btrr. z. Analyse u. Theorie d. allg. Wirtsch.krisen, Diss. 1905, gedruckt nur T. II, Kap. 2, 1905;
    Österr. Finanzen u. d. Krieg. 1915 (mit F. Meisel);
    Die äußere Ordnung d. Kapital- u. Geldmarktes, in: Schmollers Jb. 33/2, 1909, S. 17–39, ebd. 33/3, 1909, S. 65–89 u. ebd. 33/4, 1909, S. 43–63;
    Die Krisenarten, ebd. 42/1, 1918, S. 223–66;
    Die Kreditkrise, ebd. 42/2, 1918, S. 149–92;
    Die Allg. Volkswirtsch.lehre als geschichtl. Theorie, Die Wirtschaftsstile, ebd. 56/6, 1932, S. 51–84;
    Art. „Krisen“ in: Hdwb. d. Staatswiss., IV, 41925, S. 8–91, japan. 1936, engl. in: Internat. Economic Papers No. 3, 1953;
    Anschaul. u. reine volkswirtschaftl. Theorie u. ihr Verhältnis zueinander, in: Synopsis, Alfred Weber 30. VII. 1868–30. VII. 1948, hg. v. E. Salin, 1948, S. 567–664.

  • Literatur

    H. v. Beckerath, in: Zs. f. d. ges Staatswiss. 113, 1957, S. 577 ff.;
    G. Clausing, in: Schmollers Jb. 78, 158, S. 257 ff.;
    ders., in: Zs. f. d. ges. Genossenschaftswesen 7, 1957, S. 89 ff.;
    V. Gioia, A. S., „teoria storica“ e analisi del ciclo, in: Nuova Economia e Storia 4, 1996, S. 347–74;
    M. E. Kamp, in: Alma Mater, Btrr. z. Gesch. d. Univ. Bonn, H. 8, 1958, S. 9;
    ders. u. F. H. Stamm, in: Bonner Gel., Btrr. z. Gesch. d. Wiss. in Bonn, Staatswiss., 1969, S. 26–44 (P);
    B. Kulla, Die Anfänge d. empir. Konjunkturforsch. in Dtld. 1925–1933, 1996;
    B. Schefold, Wirtschaftsstile, Bd. 1, Stud. z. Verhältnis v. Ök. u. Kultur, 1994;
    E. Salin, in: Staatslex.6;
    ders., in: Hdwb. d. Soz.wiss.

  • Portraits

    Bronzebüste (Bonn, Staatswiss. Seminar d. Univ.).

  • Autor/in

    Bertram Schefold
  • Empfohlene Zitierweise

    Schefold, Bertram, "Spiethoff, Arthur" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 696-697 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752057.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA