Lebensdaten
wohl 1376 bis 1428
Sterbeort
Preßburg
Beruf/Funktion
Königin von Böhmen ; römisch-deutsche Königin
Konfession
-
Normdaten
GND: 137989024 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sophia von Wittelsbach
  • Sophie von Bayern
  • Sophie Offney
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Zitierweise

Sophie von Wittelsbach, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137989024.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann II., Hzg. v. Bayern (um 1341–97), S d. Stephan II., Hzg. v. Bayern (um 1313/19–75, s. ADB 36; LexMA), u. d. Isabella v. Sizilien (um 1309–49);
    M Katharina ( 1391), T d. Meinhard VII., Gf. v. Görz (um 1325–85, s. NDB 16);
    B Ernst, Hzg. v. Bayern (1373–1438, s. NDB IV), Wilhelm III., Hzg. v. Bayern (1375–1435, s. ADB 42);
    1389 Wenzel (1361–1419, 1] Johanna von Bayern, 1386), seit 1363 als Wenzel IV. Kg. v. Böhmen, 1376–1400 röm.-dt. Kg. (s. ADB 41; LexMA), S d. Ks. Karl IV. (1316–78, s. NDB XI); kinderlos; Schwager Sigismund v. Luxemburg (1368–1437), seit 1387 Kg. v. Ungarn, seit 1410 röm.-dt. Kg., seit 1433 Ks. (s. NDB 24).

  • Leben

    Mit der Wahl seiner zweiten Ehefrau S. hatte sich Kg. Wenzel nach dem Tod Johannas von Bayern ( 1386) wiederum für eine Verbindung mit den Wittelsbachern entschieden. S. wurde 1400 in Prag zur böhm. Königin gekrönt. Ihre Krönung zur dt. Königin läßt sich quellenmäßig nicht belegen.

    Mit S.s Person verbunden ist die Überlieferung von der Wahrung ihres Beichtgeheimnisses durch Johannes von Nepomuk ( 1393). Die Hintergründe der Ermordung des ebfl. Generalvikars 1393 sind jedoch eher in der Auseinandersetzung zwischen Ebf. Johann v. Jenstein und Wenzel zu suchen, die ihren Höhepunkt erreichte, als der Erzbischof das königliche Projekt der Errichtung eines neuen Bistums in Westböhmen zum Scheitern brachte. Von einer Verwicklung S.s in diese Vorgänge wissen zeitgenössische Quellen nichts.

    Sicher belegt hingegen ist S.s Teilnahme an den Predigten des Jan Hus in der Prager Bethlehemskapelle. Nachdem 1410 über Hus der Kirchenbann verhängt worden war, setzte sie sich bei der Kurie – unter Hinweis auf die Gefahr eines Aufruhrs in der Bevölkerung – für die Aufhebung des Predigtverbotes ein. Nach seiner Ladung vor das Konstanzer Konzil 1414 hat S. Hus nicht mehr offiziell unterstützt. Chronikalische Nachrichten (Hans Ebran v. Wildenberg; Ulrich Füetrer) über Vorhaltungen ihres Bruders Ernst deuten aber darauf hin, daß sie der Reformbewegung verbunden blieb. Im Juli 1419 entlud sich der innerhalb der böhm. Gesellschaft angestaute Konfliktstoff im Sturm auf das Rathaus der Prager Neustadt. Dieses Ereignis und die Aufforderung des päpstlichen Nuntius Fernando von Lucca, sich binnen 30 Tagen gegen den Verdacht der Unterstützung von Ketzern zu verantworten, haben S. wohl veranlaßt, sich von der neuen Bewegung loszusagen und wieder der kath. Kirche zuzuwenden. Nach Wenzels Tod am 16. Aug. übernahm sie die Regentschaft und versuchte, einen Bürgerkrieg durch eine Landfriedenseinung zu vermeiden. Im Nov. mußte sie aus Prag fliehen und einen Waffenstillstand abschließen; im Dez. wurde sie von ihrem Schwager Sigmund abgesetzt. Dieser räumte ihr Preßburg als Witwensitz ein, kam seinen Zahlungsverpflichtungen jedoch nur unzureichend nach. Die Interventionen der Brüder vermochten S., die eine geschickte Verwalterin ihres Besitzes war, nicht zu helfen. Auch als ihre Testamentsvollstrecker konnten die bayer. Herzöge S.s Verfügungen nur in dem von Sigmund vorgegebenen Rahmen erfüllen.

  • Quellen

    Qu Bayer. HStA, Geh. Hausarchiv, Korr.akten 543; – F. M. Pelzel (Pelcl), Lebensgesch. d. Röm. u. Böhm. Kg. Wenceslaus 1, Urk.b., 1788, S. 119, Nr. 90, ebd. 2, Urk.b., 1790, S. 62 f., Nr. 168; F. Palacky, Documenta Mag. Ioannis Hus vitam, doctrinam, causam in Constantiensi concilio actam et controversias de religione in Bohemia annis 1403–1418 motas, 1869 (Neudr. 1966), S. 765; Regg. Imp. XI, Die Urkk. Ks. Sigmunds (1410–1437), 1 u. 2 (S. 471), bearb. v. W. Altmann, 1896/97 u. 1897/1900; Des Rr. Hans Ebran v. Wildenberg Chronik v. d. Fürsten aus Bayern, 1905, S. 145.

  • Literatur

    Th. Krzenck, S. v. W., e. Böhmenkgn. im SpätMA, in: Fürstinnen u. Städterinnen, Frauen im MA, hg. v. G. Beyreuther, B. Pätzold u. E. Uitz, 1993, S. 65–87 (grundlegend, mit Aufarb;
    d;
    tschech;
    L);
    F. Seibt (Hg.), Jan Hus (Vortrr. d. internat. Symposions in Bayreuth v. 22.-26. Sept. 1993), 1997;
    A. Fössel, Die Kgn. im ma. Reich, 2000, S. 39 f.

  • Autor/in

    Gabriele Schlütter-Schindler
  • Empfohlene Zitierweise

    Schlütter-Schindler, Gabriele, "Sophie von Wittelsbach" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 586 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137989024.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA