Lebensdaten
1928 bis 2005
Geburtsort
Gernsbach (Baden)
Sterbeort
Murnau/Staffelsee (Bayern)
Beruf/Funktion
Politikwissenschaftler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118751514 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sontheimer, Kurt

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Zitierweise

Sontheimer, Kurt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118751514.html [22.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans (1895–1957), aus Schwäb. Hall, Buchdrucker, später Buchhalter in G., S d. August (1862–1947), aus Hayingen (Schwäb. Alb), Seifensiedemeister, u. d. Pauline Scheuermann (1865–1934), aus Schwäb. Hall;
    M Maria (1896–1940), aus Puderbach b. Neuwied, Kindergärtnerin, T d. Friedrich Kuhs (1856–1919), Wanderprediger, Begründer v. freikirchl. ev. Gemeinden, u. d. Henriette Bocks (1852–1930), beide aus Mettmann (Rheinland);
    4 Geschw u. a. Heinrich (1922–94), Chemiker, Wassertechnol., o. Prof. f. Wasserchemie d. Univ. Karlsruhe, 1965–87 Leiter d. Forschungsstelle d. Dt. Ver. d. Gas- u. Wasserfachs am Engler-Bunte-Inst. (s. Internat. Nekr. 1994);
    1) Klagenfurt 1953 1974 Eva-Maria (* 1928), aus Klagenfurt, Dr. phil., Germanistin, Psychagogin in München, T d. Wilhelm Petrasch (1896–1945), aus Przemyśl, dann in Gmünd (Kärnten), u. d. Frederike N. N. (1899–1992), aus Strass (Steiermark), 2) Murnau um 1975 Doris Bumke (1931–87), aus Berlin, Sekr.;
    1 S aus 1) Michael (* 1955), Journ., Hist., Politol., Publ., 1979–83 Gründungsmitgl. d. „tageszeitung“, 1985–91 Redakteur bzw. Autor d. „Zeit“, 1992–94 Chefredakteur d. „tageszeitung“, seit 1995 Redakteur u. Korrespondent d. „Spiegel“ (s. L), 1 T aus 1) Ariane (* 1958), Soz.päd., Musiktherapeutin.

  • Leben

    S. studierte seit 1949 Geschichte, Soziologie und Jura an der Univ. Freiburg (Breisgau). Nach Studienaufenthalten in den USA (1952 MA Univ. of Kansas) und in Paris folgte 1953 die Promotion zum Dr. phil. in Erlangen bei dem Kultursoziologen und Politikwissenschaftler Arnold Bergstraesser (1896–1964). 1954–57 dessen Assistent am Seminar für Wissenschaftliche Politik der Univ. Freiburg, übernahm S. danach einen Forschungsauftrag des Münchner Instituts für Zeitgeschichte über „das antidemokratische Denken in der Weimarer Republik“. Hiermit habilitierte er sich 1959 in Freiburg. Nach Professuren an der pädagogischen Hochschule Osnabrück 1960–62 und am Otto Suhr-Institut der FU Berlin 1962–69 lehrte S. bis 1993 als Ordinarius für Politische Wissenschaft am Geschwister Scholl-Institut der Univ. München. Hier vertrat er v. a. den Bereich der Regierungslehre mit besonderer Berücksichtigung des dt. Regierungssystems und der vergleichenden Politikwissenschaft. Nach der Emeritierung 1994/95 folgte eine Gastdozentur am Alfred-Grosser-Lehrstuhl des Pariser Institut d'Études Politiques. Geprägt durch die religiösen Einflüsse seiner Jugend im Milieu der freikirchlichen Gemeinschaft seines Vaters, gehörte S. 1968–83 dem Präsidium des Dt. Ev. Kirchentages an (1975 Präs.). 1996–99 leitete er den Politischen Club der Ev. Akademie in Tutzing.

    Mit seinem Frühwerk „Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik“ (1962) trug S. maßgeblich zur Analyse des Rechtsintellektualismus in der Weimarer Republik bei. Mit zahlreichen Veröffentlichungen zur Entwicklung der politischen Kultur in Deutschland nahm er wesentlichen Einfluß auf den politischen Diskurs über die Grundlagen und möglichen Defizite der Demokratie der Bundesrepublik (v. a. zu den Themen „1968“ u. Wiedervereinigung). S.s heftiger Kritik an der Studentenbewegung von 1968 in „Elend unserer Intellektuellen“ (1976) und in anderen Schriften wurde in der Presse vorgeworfen, sie bewerte die Entwicklung der Bundesrepublik zu stark nach dem Muster der Erfahrungen in der Weimarer Republik.

    Als Lehrer in Kernbereichen seines Fachs wirkte S. v. a. durch seine „Grundzüge des politischen Systems der Bundesrepublik“ (1971, 112004, v. W. Bleek u. A. Gawrich neubearb. Aufl. 2007) und seine Darstellungen „Das politische System Großbritanniens“ (1972) und „Die DDR-Politik, Gesellschaft, Wirtschaft“ (mit W. Bleek, 1972, 51979). Wie die Schriften S.s oder sein politisches Engagement veranschaulichen (z. B. Wählerinitiative f. Willy Brandt mit Günter Grass), ist S. ein Vertreter des normativen und kulturwissenschaftlich konzipierten Verständnisses der Politikwissenschaft seines Freiburger Lehrers Arnold Bergstraesser. S. wurde als streitbarer Liberaler, als Kämpfer für die Verankerung der parlamentarischen Demokratie und ihres Pluralismus in Deutschland, charakterisiert. Sein moralisches Engagement wie auch zuletzt die Sorge vor neuerlichem Nationalismus in Deutschland waren das Leitmotiv seines publizistischen und wissenschaftlichen Wirkens.

  • Auszeichnungen

    Vors. d. Jury d. Wächterpreises d. Tagespresse (1980–2004); Ernst Robert Curtius-Preis f. Essayistik (1985); Ehrenpräs. d. British Conference Group of German Politics (1985–88); Dr. h. c. (Bradford 1988); Verdienstmedaille d. Landes Baden-Württ. (2000), Gr. BVK (2003); Mitgl. d. PEN d. Bundesrep. Dtld.

  • Werke

    Weitere W Pol. Wiss. u. Staatsrechtslehre, 1963;
    Hdb. d. pol. Systems d. Bundesrep. Dtld., 1977 (Hg. mit H.-H. Röhring);
    Die verunsicherte Rep., 1979;
    Der unbehagliche Bürger, 1980;
    Zeitenwende? Die Bundesrep. Dtld. zw. alter u. alternativer Pol., 1983;
    Dtlds. Pol. Kultur, 1990;
    Von Dtlds. Rep., 1991;
    Die Adenauer-Ära, Grundlegung d. Bundesrep., 1991, 42005;
    So war Dtld. nie, Anm. z. pol.|Kultur d. Bundesrep., 1999;
    Hannah Arendt, der Weg e. gr. Denkerin, 2005;
    wiss. Nachlaß:
    BA Koblenz, N 1577.

  • Literatur

    H. Heigert, Vergessene Bücher, in: SZ v. 24. 6. 1995;
    Versäumte Fragen, Dt. Historiker im Schatten d. NS, 2000;
    NZZ v. 17. 5. 2005;
    FAZ v. 17. 5. 2005;
    I. Fetscher, in: SZ v. 17. 5. 2005;
    W. Bleek, Pol.wiss. als öff. Beruf, Zum Tod v. K. S. (1928–2005), in: Pol. Vj.schr. 46, Nr. 2, Juni 2005;
    Munzinger;
    Mitt. v. Michael Sontheimer.

  • Autor/in

    Dieter Oberndörfer
  • Empfohlene Zitierweise

    Oberndörfer, Dieter, "Sontheimer, Kurt" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 585-586 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118751514.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA