Lebensdaten
1885 bis 1944
Geburtsort
Berent (Westpreußen)
Sterbeort
Ghetto Theresienstadt
Beruf/Funktion
Neurologe ; Musikschriftsteller ; Intendant ; Regisseur ; Chorleiter ; Kulturpolitiker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117402362 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Singer, Kurt Bernhard

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Zitierweise

Singer, Kurt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd117402362.html [24.10.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Moritz Leopold (1854–1900), aus Losoncz (Ungarn), Dr. phil., Rabbiner in Koblenz; M Ulla Friederike Rosenthal ( 1938); B Alfred Jakob (1884–1943 KZ Auschwitz), Dr. med., Hans Ferdinand (* 1895), Schw Erna Nitke (1887–1964), emigrierte in d. USA; – 1) 1929 Gertrud Horwitz (1885–1957, 2] Werner Kass), emigrierte in d. Schweiz, 2) Margret (Margarethe) Pfahl (Ochs-Pfahl, Pfahl-Wallerstein) (1897-n. 1950, 2] Lothar Wallerstein, 1882–1949, aus Prag, Dr. med., Dirigent, Opernregisseur u. -dir., 1909 Prof., s. Jb. d. Wiener Ges., 1929; Teichl; New Grove2), aus Berlin, Sängerin u. a. an d. Dt. Oper in Berlin (s. Wi. 1935; Kutsch-Riemens, Gr. Sängerlex.); 1 S aus 1) Hans Joachim (1921–79), Chemiker, emigrierte in d. Schweiz, Assistent an d. Humboldt-Univ. in Berlin, 1961 Dir. f. Arbeit d. Buna-Werke in Schkopau b. Merseburg, 1969 Gen.dir., o. Prof. f. Technol. d. Elaste an d. TH Leuna-Merseburg, 1967–69 Vors. d. Chem. Ges. d. DDR (s. BHdE I; Biogr. Hdb. SBZ/DDR), 2 T aus 1) Margot Wachsmann-S. (* 1918), Physiotherapeutin, emigrierte 1938 in d. Schweiz, 1940 n. Palästina, jetzt in Haifa, Anne(liese) Goldenberg (1917–77), emigrierte 1933 in d. Schweiz, Ende 1945 in Wien, Fremdsprachenkorrespondentin; E Hans Goldenberg (* 1946), Dr. phil., Prof. f. Med. Chemie an d. Univ. Wien, Georg Goldenberg (* 1949), Dr. med., Chefarzt d. Neuropsychol. Abt. am Krankenhaus in München-Bogenhausen (beide s. Kürschner, Gel.-Kal. 2009).

  • Leben

    S. besuchte das Gymnasium in Koblenz; vermutlich erhielt er am dortigen Konservatorium auch eine musikalische Ausbildung. Nach dem Abitur studierte er in Berlin Medizin (Promotion 1908) und setzte daneben seine musikalischen Studien bei Paul Grünberg (Violine), Max Friedländer (Musikgeschichte) und Siegfried Ochs (Chorgesang und Dirigieren) fort. Nachdem er eine Zeitlang als Nervenarzt praktiziert hatte, nahm er 1910 eine Tätigkeit als Musikkritiker auf. S. arbeitete u. a. für den „Vorwärts“ und verfaßte Schriften zur Musikgeschichte und -theorie sowie über Berufskrankheiten von Musikern. 1913 gründete er den Berliner Ärztechor (später Kurt Singerscher Chor). Seit 1923 Lehrbeauftragter an der Staatl. akad. Hochschule für Musik in Berlin, gab er Kurse über die Belastungen und Krankheiten von Musikern und leitete eine ärztliche Beratungsstelle. 1927 wurde er stellv. Intendant der Städt. Oper Berlin-Charlottenburg und 1930–31 deren Intendant. Außerdem übernahm er dort sowie an der Berliner Staatsoper Regiearbeiten; darüber hinaus wirkte er als Stadtverordneter der SPD.

    Angeblich aus finanziellen Gründen erfolgte 1932 seine Entlassung aus der Stellung an der Berliner Musikhochschule. Nachdem 1933 zahlreiche Musiker und Musikerinnen jüd. Herkunft ihre Arbeit verloren hatten, setzte sich S. zusammen u. a. mit dem Regisseur Kurt Baumann (1907–83) für die Gründung des Kulturbundes Deutscher Juden (später Jüd. Kulturbund) ein. Zunächst in Berlin, später dann reichsweit Vorsitzender und künstlerischer Leiter dieser Organisation, übernahm er administrative Aufgaben und trat in Veranstaltungen des Jüd. Kulturbundes in Berlin und anderen Städten als Chor- und Orchesterleiter sowie als Opernregisseur auf. Sein Interesse galt insbesondere der Berliner Kulturbundoper, wo er Opern bzw. Operetten von Mozart, Beethoven, Saint-Saëns, Verdi, Tschaikowsky, Nicolai, Johann Strauss und Offenbach inszenierte, sowie der Aufführung der Oratorien Händels. Während einer Reise im Herbst 1938 in die USA suchte S. nach Möglichkeiten, den Jüd. Kulturbund vollständig in die USA zu transferieren. Nach den Novemberpogromen 1938 kehrte er nach Europa zurück, wurde aber davor gewarnt, nach Deutschland einzureisen. Er blieb in Amsterdam, wo er als Musikschriftsteller und -lehrer arbeitete. Seine Bemühungen, ein Visum für die USA und dort eine Stellung an einer Universität zu erlangen, schlugen fehl. Nach der Besetzung der Niederlande durch die dt. Wehrmacht arbeitete er für die jüd. Selbstverwaltung in Amsterdam und leitete 1941–42 noch einen Chor. Im April 1943 wurde S. verhaftet, im KZ Westerbork inhaftiert und dann in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort arbeitete er noch eine Zeitlang als Musikkritiker und setzte sich für die Aufführung von Händels Oratorien ein, bis er in diesem Ghetto starb. S.s Studie über „Die Berufskrankheiten der Musiker, Systematische Darstellung ihrer Ursachen, Symptome und Behandlungsmethoden“ (1926, 21960, engl. 1932) fand weite Verbreitung. Systematisch waren darin die Erfahrungen verarbeitet, die S. seit 1923 in der Beratungsstelle der Staatl. akad. Hochschule für Musik in Berlin zu Problemen der physischen und psychischen Belastung von Musikern gesammelt hatte. – 2002 wurde an der Univ. der Künste Berlin und der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin das Kurt-Singer-Institut für Musikergesundheit nach ihm benannt.

  • Quellen

    Qu K. S.-Archiv im Archiv d. Ak. d. Künste, Berlin; Personenakten im ehem. BDC (Bundesarchiv, Berlin); K. S. Collection (Leo Baeck Inst., New York); Genealogie Fam. Singer (StadtA Koblenz); – Mitt. v. Michal Peleg, Hans Goldenberg u. Renate Grütter.

  • Werke

    Weitere W u. a. Zur Klinik d. Lungen-Carcinome, Diss. Leipzig, 1908; Richard Wagner, Bll. z. Erkenntnis seiner Kunst u. seiner Werke, 1913; Bruckners Chormusik, 1924; Vom Wesen d. Musik, Psycholog. Studie, 1924; Heilwirkung d. Musik, Btr. z. musikal. Empfindungslehre, 1927; Musik u. Charakter, Gedanken z. Gegenwartskrise d. Musik, Eine Streitschr., 1929; Siegfried Ochs, d. Begründer d. Philharmon. Chors, 1933; – Btrr. in: Allg. Musikztg.; Rhein. Musik- u. Theaterztg.; Merker; Musik; Vorwärts; Monatsbll. u. Alm., hg. v. Kulturbund Dt. Juden.

  • Literatur

    H. J. P. Bergmeier, E. J. Eisler u. R. Lotz (Hg.), Vorbei . . . , Dok. jüd. Musiklebens in Berlin 1933–1938, o. J. (P); H.-H. Thill, Lb. jüd. Koblenzer u. ihre Schicksale, 1987; Ch. Fischer-Defoy, Kunst, Macht, Politik, 1988; D. Meyer zu Heringdorf, Das Charlottenburger Opernhaus v. 1912 bis 1961, Diss. FU Berlin, 1988; Geschlossene Vorstellung, Der Jüd. Kulturbund in Dtld. 1933–1941, 1992; E. Geisel, H. M. Broder, Premiere u. Pogrom, Der Jüd. Kulturbund 1933–1941, 1992, S. 194–99 (P); M. Kuna, Musik an d. Grenze d. Lebens, Musikerinnen u. Musiker aus böhm. Ländern in nat.soz. Konzentrationslagern u. Gefängnissen, 1993, 21998; Gedenkbuch Berlins d. jüd. Opfer d. NS, 1995; S. Stompor, Jüd. Musik- u. Theaterleben unter d. NS-Staat, 2001 (P); Riemann; BHdE II; MGG2; Kosch, Theater-Lex.; F. K. Prieberg, Hdb. dt. Musiker 1933–1945, 2004 (CD-ROM); Lex. verfolgter Musiker u. Musikerinnen d. NS-Zeit, 2005 (Internetseite d. Univ. Hamburg); Kulturlex. Drittes Reich; Juden in Berlin.

  • Autor

    Sophie Fetthauer
  • Empfohlene Zitierweise

    Fetthauer, Sophie, "Singer, Kurt" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 461-463 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117402362.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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