Lebensdaten
1856 bis 1914
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Sankt Blasien (Schwarzwald)
Beruf/Funktion
Jurist ; Rechtsanwalt
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 12785066X | OGND | VIAF: 195040079
Namensvarianten
  • Simon, Herman Veit
  • Simon, Herman V.
  • Simon, Hermann Veit
  • mehr

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Zitierweise

Simon, Herman Veit, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12785066X.html [11.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus jüd. Fam. in Berlin;
    V Berthold ( 1901), Dir. d. Bank „Gebr. Veit & Cie.“ in Berlin, Mitgl. d. Kuratoriums d. Hochschule f. d. Wiss. d. Judentums, KR (s. BJ VI, Tl.);
    M Therese Schneider ( 1899);
    Gr-Om Moritz Veit (1808–64, jüd.), Dr. phil., Buchhändler, Schriftst., Pol., 1839–48 Gde.ältester d. jüd. Gde. in Berlin, 1853–64 Stadtverordneter ebd., 1850–52 u. 1859–61 Abg. d. Preuß. LT, 1855 Vors. d. Börsenver. d. Dt. Buchhändler (s. ADB 39; Biogr. Hdb. Frankfurter NV);
    1881 Hedwig Stettiner (1861–1943 Theresienstadt), aus B. (s. Theresienstädter Gedenkbuch, hg. v. Inst. Theresienstädter Initiative, 1995–2000);
    2 S (1 früh †) Heinrich (1883/84–1942 in Gestapohaft ermordet, ⚭ Irmgard Gabriel, * 1889,T d. Hermann v. Gabriel, 1852–97, Personaladel, Dr. iur., dt. Gen.konsul in Batavia, s. BJ IV, Tl.), Dr. iur., RA in Berlin, 2 T Eva (* vor 1887–1944 KZ Auschwitz), Obstgärtnerin, arbeitete mit auf d. Katharinenhof am Meseberger Weg b. Berlin, Käte Veit (eigtl. Katharina Theresa) (1887–1944 KZ Auschwitz), Obstgärtnerin, legte 1912/13 d. Katharinenhof an; Verwandte Salomon Veit (1751–1821), Bankier, 1809–22 erstes jüd. Mitgl. d. Berliner Stadtverordnetenvers. (s. H. Rachel u. P. Wallich, Berliner Großkaufleute u. Kapitalisten, III, 1967, S. 55 f.), Simon Veit (1754–1819, ⚭ Dorothea Mendelssohn, 1764–1839, Schriftst., Übers., s. NDB 23, 2] Friedrich v. Schlegel, 1772–1829, preuß. Adel 1815, Dichter, Phil., Sprachforscher, s. NDB 23), Bankier in B.; Schwager Richard Stettiner (1865–1927), Prof. f. Kunstwiss. in Hamburg, Konservator d. staatl. Kunstdenkmäler ebd. (s. Hamburg. Biogr. II), Schwägerin Martha Stettiner (* 1860, Ludwig Geiger, 1848–1919, Kultur- u. Lit.hist., Prof. in Berlin, Gründer u. Hg. d. Goethe-Jb., s. NDB VI; Internat. Germanistenlex.; L).

  • Leben

    S. absolvierte das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin (Abitur 1874). Anschließend studierte er in Heidelberg und Berlin Rechtswissenschaften (Referendar 1877; Dr. iur. Göttingen 1877; Assessor 1881), insbesondere bei dem Handelsrechtler Lewin Goldschmidt (1829–97). Durch seinen Vater und Hugo Keyßner (1827–1905) gewann S. Einblicke in die kaufmännische und handelsrechtl. Praxis. 1882–88 war S. Rechtsanwalt am Landgericht in Berlin, 1888–92 Direktor der „Internationalen Bank“, seit 1892 wieder Rechtsanwalt am Berliner Kammergericht. Veranlaßt durch die Aktienrechtsnovelle 1884 veröffentlichte er die erste Gesamtdarstellung der Rechnungslegung der Kapitalgesellschaften (Die Bilanzen d. Aktiengesellschaften u. d. Kommanditgesellschaften auf Aktien, 1886, 41910). Ergänzt wurde sein Hauptwerk 1892 durch „Die Staatseinkommensteuer der Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien, Berggewerkschaften, eingetragenen Genossenschaften u. Konsumvereine in Preussen nach d. Gesetz v. 24. Juni 1891“. Danach war S. jahrelang in der Verwaltung von Aktiengesellschaften tätig. Außerdem wirkte er als Berater an der Steuergesetzgebung 1913 mit. S.s Hauptwerk besticht auch heute noch durch die Sorgfalt im Detail und durch die eigenständige Sicht, mit der er die Probleme der Rechnungslegung ordnet und Einzelfragen beantwortet. S. sieht die Bilanz unter rechtlichen Gesichtspunkten als Instrument der Rechenschaft, Bilanz und Bilanzgewinn jedoch nicht als Werkzeug zur Unternehmensführung und innerbetrieblichen Kontrolle. Vorbildlich untersucht S. Fragen des Bilanzansatzes, wie schwebende Verbindlichkeiten oder Rechnungsabgrenzungsposten. Seine Eingrenzung, wann immaterielle Güter zu bilanzieren sind, gilt für die Einkommensbemessungsfunktion der Rechnungslegung heute als betriebswirtschaftlich richtig. In seiner Sicht der Bilanzbewertung (Anlagen zum Anschaffungspreis, Umlaufvermögen zum Einzelveräußerungspreis) kam S. der damaligen Praxis entgegen. Seine Begründung für diese Bewertung fand später durchweg Kritik, z. B. durch Eugen Schmalenbach (1873–1955) und dessen Schülerkreis, weil teilweise unrealisierte Gewinne ausgewiesen werden, deren Ausweis sowohl die Kontrolle der Betriebsgebarung als auch den Gläubigerschutz beeinträchtigt. S.s Beitrag zur Bilanzierung wurde meistens nur in seiner Lehre von den Wertansätzen im Umlage- und Umlaufvermögen gesehen und in starker Verkürzung seiner Ansichten einer sog. „statischen Bilanzauffassung“ zugeordnet, die nur auf die Vermögensübersicht, nicht aber auf die Ermittlung des maximal ausschüttbaren Betrages bzw. die Wirtschaftlichkeit der Unternehmensführung zielt. Hinzu tritt, daß er zwischen 1933 und 1945 selten und dann mit dem Zusatz „der Verfasser ist Jude“ zitiert wurde. S. war Repräsentant der jüd. Gemeinde Berlin und seit 1906 Vorsitzender des Kuratoriums der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, die er besonders förderte.

  • Auszeichnungen

    GJR (1913);
    Immerwährendes Ehrenmitgl. d. Hilfsver. f. jüd. Studierende (1913) u. d. Lehranstalt f. d. Wiss. d. Judentums (1915 posthum).

  • Werke

    Weitere W Über d. Haftung d. Erwerbers e. Einzelgeschäfts f. d. vor Erwerb desselben entstandenen Handlungsschulden, in: Zs. f. d. gesammte Handelsrecht 24, NF 9, 1879, S. 91–174 (Diss.);
    Reichsgesetz betr. d. Kommanditgesellschaften auf Aktien u. d. Akteingesellschaften, 1884, 41895 (mit H. Keyßner);
    Dt. Kolonial-Aktiengesellschaften, Rechtl. Erörterungen u. Vorschläge, ebd. 34, NF 19, 1888, S. 85–161;
    Zur Frage d. Klagbarkeit d. sog. Differenzgeschäfte, ebd. 41, NF 26, 1893, S. 455–500;
    Der Einfluß d. BGB auf d. Aktienrecht, ebd. 49 (NF 34), 1900, S. 1–28;
    Btrr. z. Beurtheilung d. Entwurfs e. Handelsgesetzbuchs, 1896 (mit H. Makower);
    Online-Ausg.:
    MPI f. europ. Rechtsgesch., Frankfurt/M. 2002;
    Die namenlosen Zinsscheine d. Orderpapiere, 1903;
    Betrachtungen über Bilanzen u. Geschäftsberr. d. Aktiengesellschaften aus Anlaß neuerer Vorgänge, 1903;
    Krit. Erörterungen aus d. Gebiete d. Handelsregisters u. d. rechtl. Organisation d. Aktiengesellschaften, 1914;
    Hg.:
    Vermischte Schrr. v. L[evin] Goldschmidt, weil. Prof. an d. Univ. Berlin, 1901, Neudr. 1978.

  • Literatur

    F. Goldmann, Das Kuratorium d. Lehranstalt, in: Ost u. West, Ill. Mschr. f. d. gesamte Judentum, 1907, H. 11, S. 683–88, bes. S. 684 f. (P);
    DJZ 19, Nr. 15, 1914, Sp. 981 f.;
    K. Lehmann, in: Zs. f. d. ges. Handelsrecht u. Konkursrecht 76, 1914, S. 322–24;
    A. J. Sußnitzki, in: Allg. Ztg. d. Judentums, 1915, Nr. 11;
    H. V. S., 1915 (mit Reden v. L. Baeck, M. Fuchs, H. Cohen, A. Seligsohn, H. Bresslau, Ludwig Geiger, I. Elbogen u. Victor Schneider, Privatdr., W-Verz., P);
    H. Cohen, Rede b. d. Trauerfeier f. H. V. S., in: 33. Ber. d. Lehranstalt f. d. Wiss. d. Judentums, 1915, S. 19–22;
    H. Pries, Die Bilanzlehre v. H. V. S., Diss. Tübingen 1946;
    Dieter Schneider, Betriebswirtsch.lehre, Bd. 4, Gesch. u. Methoden d. Wirtsch.wiss., 2001, S. 929–1010;
    DBJ I, Tl.

  • Autor/in

    Dieter Schneider
  • Empfohlene Zitierweise

    Schneider, Dieter, "Simon, Herman Veit" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 434-435 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12785066X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA