Lebensdaten
1862 bis 1947
Geburtsort
Düsseldorf
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Sozialpolitikerin ; Schriftstellerin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118614479 | OGND | VIAF: 12297059
Namensvarianten
  • Simon, Henriette (eigentlich)
  • Simon, Helene
  • Simon, Henriette (eigentlich)
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Simon, Helene, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118614479.html [24.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Jacob (1822–1911), aus Lechenich b. Erftstadt, Kaufm., Bankier in D. u. Köln, S d. Hermann (1783–1866), aus Niederdrees b. Rheinbach, Kaufm. in D. (s. H. Bormann, Heimat an der Erft, Die Landjuden in d. Synagogengemeinden Gymnich, Friesheim u. Lechenich, 1992), u. d. Rachel Kaufmann (* 1789), aus Liblar b. Erftstadt;
    M Amalie (1830–1915), aus Köln, T d. Hermann Gompertz (* um 1794) u. d. Sara Cohen (* um 1801);
    9 Geschw u. a. Klara (1867–1952, Adolf Reichmann, 1859–1924, aus Fürth, Kaufm., Bankier); – ledig;
    N Frieda Fromm-Reichmann (1889–1957, 1926–42 Erich Fromm, 1900–80, Psychoanalytiker, Philos., Sozialpsychol., emigrierte 1934 über d. Schweiz in d. USA, s. BHdE II; ANB), Psychoanalytikerin, Psychotherapeutin, Mitgl. d. American Psychoanalytical Association (s. BHdE II; ANB), Grete Reichmann (1892–1973), Dr. mus. u. phil., Pianistin, emigrierte 1933 über Großbritannien n. Israel, Anna Jacobson (* 1898), Geigerin, emigrierte über Frankr. u. Großbritannien n. Israel.

  • Leben

    S. lebte seit 1874 mit ihren Eltern in Köln, seit 1895 studierte sie in London Nationalökonomie. Über eine Freundschaft mit den Sozialwissenschaftlern Sidney und Beatrice Webb wurde sie Mitglied in der reformsozialistischen Fabian Society. Seit 1897 studierte sie als Gasthörerin in Berlin bei Gustav Schmoller. Bis zu ihrer Emigration 1939 lebte S. meist in Berlin, 1920–29 in Schwelm bzw. Königsberg (Preußen). S. begann ihre breite schriftstellerische Tätigkeit in den Bereichen Sozialpolitik und Wohlfahrtspflege 1895 noch in London, wobei in Dutzenden Zeitschriftenartikeln zunächst die Themen Frauenarbeit und Fabrikinspektion im Mittelpunkt standen. Weitere Themen waren Kinderarbeit, Schulspeisung und Jugendrecht. Bedeutung erlangten ihre Biographien über Robert Owen (1905, 21925), William Godwin und Mary Wollstonecraft (1909) sowie Elisabeth Gnauck-Kühne (2 Bde., 1928/29). Durch Übersetzungen trug sie zur Verbreitung engl. sozialpolitischer Ideen im dt. Sprachraum bei. Sie übersetzte u. a. die einflußreiche Armutsstudie „The Prevention of Poverty“ (1911) von Sidney und Beatrice Webb (Das Problem d. Armut, 1912, 21929). Im 1. Weltkrieg engagierte sich S. im Nationalen Frauendienst und war 1915–18 Geschäftsführerin des Arbeitsausschusses der Kriegerwitwen- und -waisenfürsorge. Seit 1919 Mitglied der SPD, gehörte sie zur Gründergeneration der sozialdemokratischen Arbeiterwohlfahrt und galt bald als deren Theoretikerin, ohne jedoch in den Leitungsgremien vertreten zu sein. In der Weimarer Republik erweiterte sich ihr Themenspektrum um Artikel zur Entwicklung der verschiedenen Zweige der Wohlfahrtspflege, zur Arbeitslosigkeit und zur Debatte um die zwangsweise „Bewahrung“ von Fürsorgeklienten. In ihrer 1925 veröffentlichten Monographie über „Landwirtschaftliche Kinderarbeit“ publizierte sie ausführlich von der Reichsregierung bereits 1904 erhobene, jedoch nicht veröffentlichte statistische Materialien. S. arbeitete – mit Ausnahme der Jahre 1915–18 – als freie Schriftstellerin. Sie bekleidete keine öffentlichen Ämter, war jedoch in verschiedenen sozialpolitischen Vereinigungen aktiv, so seit 1907 im Ständigen Ausschuß zur Förderung der Arbeiterinnen-Interessen. Sie war seit 1911 Ausschußmitglied der Gesellschaft für Soziale Reform und 1912–33 Mitglied des Hauptausschusses des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge. Ihre letzte Veröffentlichung verfaßte sie 1932. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten lebte sie weiterhin, jedoch sehr zurückgezogen, in Berlin. Kurz vor Kriegsbeginn emigrierte S. nach London, wo sie 1947 starb.

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Heidelberg 1922).

  • Werke

    Mutterschaft u. geistige Arbeit, Eine psychol. u. soziol. Studie, 1901, 21908 (mit Adele Gerhard);
    Schule u. Brot, 1907, 21908;
    Aufgaben u. Ziele d. neuzeitl. Wohlfahrtspflege, 1922;
    Landwirtschaftl. Kinderarbeit, 1925.

  • Literatur

    W. Friedländer, H. S., Ein Leben f. soz. Gerechtigkeit, 1962 (W-Verz., P);
    S. Klöhn, H. S. (1862–1947), Dt. u. brit. Soz.reform u. Soz.gesetzgebung im Spiegel ihrer Schrr. u. ihr Wirken als Soz.politikerin im Ks.reich u. in d. Weimarer Rep., 1982 (W-Verz.);
    H. Pfaffenberger, in: M. Eggemann u. S. Hering (Hg.), Wegbereiterinnen d. mod. Soz.arb., 1999, S. 111–17 (P);
    BHdE I;
    J. Dick u. M. Sassenberg (Hg.), Jüd. Frauen im 19. u. 20. Jh., 1993, S. 347–49 (Qu, L, P);
    J. M. Fassmann, Jüdinnen in d. dt. Frauenbewegung 1865–1919, 1996;
    Juden in Berlin.

  • Autor/in

    Wolfgang Ayaß
  • Empfohlene Zitierweise

    Ayaß, Wolfgang, "Simon, Helene" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 433-434 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118614479.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA