Lebensdaten
erwähnt 1491
Geburtsort
Eger (Cheb, Böhmen)
Sterbeort
Bamberg
Beruf/Funktion
Drucker
Konfession
-
Normdaten
GND: 104103787 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sensenschmid, Johann
  • Sensenschmidt, Johann
  • Sensenschmidt, Johannes
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Zitierweise

Sensenschmid, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104103787.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Nickel Sengschmidt (Sainsensmid) (?) (erw. 1422, 1427 u. 1432), Bürger u. Hausbes. in E.;
    M N. N.;
    1) N. N. ( 1479), in Nürnberg, 2) Apollonia Pfeyl;
    S aus 2) Lorenz (Laurentius), 1478 an d. Univ. Leipzig immatrikuliert, führte nach S.s Tod d. Unternehmen gemeinsam mit Johann Pfeyl (s. u.) u. Heinrich Petzensteiner weiter, schied 1492 aus d. Unternehmen aus u. zog vermutl. nach E.;
    T (?) Katharina, 1486 Äbtissin d. Klosters d. hl. Klara in B.; Schwager Johann Pfeyl ( vor April 1523), Drucker, Mitarb. v. S. in B.

  • Leben

    Wann S. nach Nürnberg kam, läßt sich nicht sicher sagen. Wohl schon vor 1469 richtete er hier eine Offizin ein. Sein Gesellschafter in den frühen 1470er Jahren war der Nürnberger Patrizier und Handelsherr Heinrich Rummel ( 1476). Ein Rechtsstreit, der 1475 begann und von Rummels Witwe fortgeführt wurde, läßt vermuten, daß Rummels Tätigkeit auf den Vertrieb von Büchern beschränkt war. Vermutlich ebenfalls seit 1470 war Heinrich Kef(f)er ( n. 1473), ein früherer Mitarbeiter Gutenbergs, in der Offizin tätig. 1474 fand S. einen neuen Gesellschafter in Magister Andreas Frisner ( 1504) aus Wunsiedel, mit dem er vermutlich etwa 20 Drucke publizierte, bis 1478 auch diese Partnerschaft in einem Rechtsstreit endete. Im ersten Jahrzehnt seiner Druckertätigkeit brachte S. ein breites Angebot von überwiegend lat. Büchern auf den Markt, u. a. Werke der Kirchenväter, der Theologie und Homiletik, zwei lat. Bibeln und die fünfte dt. Bibel; zudem druckte er mehrere jur. Werke, darunter den Codex Justinianus.

    Ende 1479 oder Anfang 1480 übersiedelte S. nach Bamberg, wo er wohl – gemessen an der Konkurrenz zu den Pressen Kobergers und Creussners – günstigere Bedingungen vorfand als in Nürnberg. In der Bischofsstadt richtete S. die erste Offizin seit Pfisters kurzlebiger Presse der frühen 1460er Jahre ein und spezialisierte sich nunmehr auf die Herstellung von Liturgica; diese trugen ihm aufgrund ihrer Schönheit und sorgfältigen Ausführung das besondere Lob der Zeitgenossen ein. Dabei ging er offenbar dazu über, immer mehr auf feste Bestellung zu drucken, was|das unternehmerische Risiko verminderte. Für die der Bursfelder Kongregation angehörige Benediktinerabtei St. Michael druckte er 1481 sein erstes größeres Werk der Bamberger Zeit, das „Missale Benedictinum“ in 500 Exemplaren.

    Im folgenden Jahr begann S. eine Zusammenarbeit mit Heinrich Petzensteiner (nachgewiesen 1466–92); mit ihm publizierte er bis 1491 mehrere nennenswerte Werke, u. a. das „Breviarium Frisingense“ (2 Bde., v. 31.7.1482 u. 5.4.1483), zwei Breviarien in Folio- und Oktavformat für die Diözese Bamberg (beide 1484), Missalen für Speyer (1487) und Bamberg (zwei Ausgaben 1490 u. 1491), sowie ein Obsequiale für Freising (1481). In dem letztgenannten Werk fanden rotgedruckte Notenlinien erstmals bei S. Verwendung, seit 1485 gehörte der Notendruck zur Standardausstattung seiner Liturgica.

    1485, 1487 und wieder 1489 druckte S. für kirchliche Auftraggeber an Orten außerhalb Bambergs, wodurch der Buchdruck de facto in jenen Städten eingeführt wurde. 1485 finanzierte Bf. Heinrich v. Absperg den gesamten Transport der Presse nach Regensburg, wo das „Missale Ratisbonense“ entstand. In Freising erschien 1487 das „Missale Frisingense“, und in Dillingen, wo sich die Residenz des Bischofs von Augsburg befand, vollendete S. am 10.1.1489 das „Missale Augustanum“. Druckaufträge erhielt S. darüberhinaus aber auch von dem Speyerer Drucker/Verleger Peter Drach (der Mittlere, um 1430–1504); für diesen entstanden Missale für Olmütz (1488) und Prag (1489), die für den Absatz in Böhmen vorgesehen waren. Aufschluß über solche Bestellungen gibt ein neu aufgefundener Vertrag von 1490, in dem Sebald Schreyer (1446–1520), der Kirchenmeister der Nürnberger Pfarrkirche St. Sebald, 21 Pergamentdrucke des „Missale Bambergense“ bei S. bestellte.

  • Werke

    mehr als 110 Bücher, v. a. Großfoliobde., von denen d. eine Hälfte in Nürnberg, d. andere Hälfte in Bamberg erschien;
    seit 1470 jedoch auch Oktavformat;
    mehrere Kleindrucke aus d. Bamberger Zeit, u. a. Geleitbriefe, Schützenbriefe etc.;
    S.s Druckersignet, das zwei gekreuzte Sensen auf e. Schild zeigt, ist nach d. Signet d. Mainzer Offizin v. Fust u. Schöffer d. zweitälteste in d. Druckgesch.

  • Literatur

    O. Hase, Zum Ges.betrieb im Druckgewerbe, in: Archiv f. Gesch. d. dt. Buchhandels 10, 1886, S. 5–8;
    K. Siegl, J. S., e. berühmter Buchdrucker aus Eger, u. seine Werke, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Dt. in Böhmen 48, 1910, S. 38–53;
    A. Gümbel, Btrr. z. älteren Nürnberger Buchdruckergesch., in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Stadt Nürnberg 29, 1928, S. 299–334;
    F. Geldner, Hat Heinrich Keffer aus Mainz die B-36 gedruckt?, in: Gutenberg-Jb. 25, 1950, S. 100–10;
    ders., Das älteste Augsburger Messbuch wurde v. J. S. 1489 in Dillingen – nicht in Bamberg – gedruckt, in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens 2, 1960, S. 716 ff.;
    ders., Die Buchdruckerkunst im alten Bamberg 1458/59 bis 1519, 1964;
    ders., Die dt. Inkunabeldrucker, 1. Bd., 1968;
    Wieland Schmidt, J. S.s erste Bamberger Drucke, in: Kl. Schrr., Festgabe d. UB d. FU Berlin f. Wieland Schmidt z. 65. Geb.tag, 1969, S. 155–60;
    S. Corsten, Der Buchdr. im 15. Jh., Eine Bibliogr., 1988, S. 400 f. (Bamberger Zeit) u. S. 532 f. (Nürnberger Zeit);
    R. Herz, A newly discovered contract between J. S. and Sebald Schreyer, Church Master of St. Sebald in Nuremberg, dated March 1490 (in Vorbereitung);
    ders., in: LGB2;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    MGG;
    Stadtlex. Nürnberg;
    Nürnberger Künstlerlex.

  • Autor/in

    Randall Herz
  • Empfohlene Zitierweise

    Herz, Randall, "Sensenschmid, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 264-265 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104103787.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA