Lebensdaten
1831 bis 1884
Geburtsort
Längenfeld (Ötztal, Tirol)
Sterbeort
Neustift (Stubaital, Tirol)
Beruf/Funktion
katholischer Pfarrer ; Bergsteiger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119538431 | OGND | VIAF: 40190939
Namensvarianten
  • Senn, Franz Xaverius
  • Senn, Franz
  • Senn, Franz Xaverius

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Zitierweise

Senn, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119538431.html [08.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Josef;
    M Johanna Santner, beide Bes. e. bäuerl. Anwesens in Unterlängenfeld.

  • Leben

    Mit Unterstützung des Geistlichen Christian Falkner, der S.s Begabung erkannt hatte, konnte dieser das Innsbrucker Jesuitengymnasium besuchen. Seit 1851 studierte S. in München zunächst Philosophie, dann Theologie, beendete sein Studium in Brixen und wurde 1856 zum Priester geweiht. 1860 Kurat in Vent im Tiroler Ötztal, erkannte er rasch, daß der sehr geringe Lebensstandard der ansässigen Bevölkerung durch Förderung des Tourismus angehoben werden könnte. Dazu mußten in erster Linie die Zugangswege ausgebaut und Unterkünfte errichtet werden. S. fuhr nach Wien, um den Österr. Alpenverein (ÖAV) um finanzielle Unterstützung zu bitten, wurde jedoch mit 100 Gulden abgespeist. Als sich in München im Mai 1869 der Dt. Alpenverein (DAV) konstituierte, zählte S. zu den Gründungsmitgliedern. Da er den Bewohnern von Vent beim Aufbau einer rudimentären touristischen Infrastruktur mit privaten Mitteln half, geriet S. in immer höhere Verschuldung.

    So oft es seine Pflichten als Priester zuließen, erkundete er die Übergänge und Gipfel der Stubaier und Ötztaler Alpen. Er konnte bald auf eine große Zahl an Erstbesteigungen verweisen, wie etwa den Vorderen Brochkogel (1862), die Ramolkögel (1864), Fineil- und Hochvernagtspitze (1865), Hintere Schwärze (Erstbegehung Ostgrat 1868), Fluchtkogel (1869), Vernagtspitze, Weißseespitze und Spielkögel (alle 1870). In den Ötztaler Alpen baute S. einen heute noch begehbaren Weg zum ehem. Hochjochhospiz. Gemeinsam mit dem Bergsteiger und Förderer des Alpinismus Johann Stüdl (1839–1925), einem weiteren Gründungsmitglied des DAV, setzte sich S. zudem für eine einheitliche Bergführerordnung ein.|1872 zum Pfarrer befördert, verließ S. Vent und ging nach Nauders. Als eine Typhusepidemie und ein Großfeuer den Ort heimsuchten, stellte er den Bedürftigen sein zur Schuldentilgung gespartes Geld zur Verfügung. Wegen Zahlungsunfähigkeit wurde er schließlich zu einer Arreststrafe verurteilt. Gesundheitlich bereits stark angeschlagen, übernahm er 1881 das Pfarramt in Neustift, wo er 1884 an Tuberkulose starb. Mit seiner aufopfernden Haltung trug S. zur Unterstützung der notleidenden Bevölkerung bei. Zudem setzte er auch programmatische Akzente für das Wirken des DAV und ÖAV (Hüttenund Wegebau), die dessen Profil teilweise bis in die Gegenwart mitprägten. So etwa stellte S. sein Widum als alpinen Stützpunkt zur Verfügung, auch ließ er bereits um 1862 nahe der Kreuzspitze in 2929 m Seehöhe eine einfache Unterstandshütte („Bizzi-Hütte“) errichten, die später verfiel. 1869 entstand auf Anregung S.s das Hochjochhospiz und 1873 errichtete der DAV als seine erste Bergsteigerunterkunft das Gepatschhaus in den Ötztaler Alpen.

  • Auszeichnungen

    F.-S.-Weg in d. Stubaier Alpen;
    F.-S.-Hütte d. ÖAV-Sektion Innsbruck (errichtet 1885);
    Gedenktafel an d. z. Hotel umgebauten früheren Pfarrhaus in Vent;
    Gedenkstein an d. Kirche St. Georg in Neustift (Stubaital) (P).

  • Literatur

    L H. Gropp, F. S. u. Vent, in: Jb. d. ÖAV, 1969, S. 20–31 (P);
    J. Musshauser, Der Gletscherpfarrer, Ein F.-S.-Roman, 1969;
    H. Gasser, Erlebnis Ötztal, 1975, S. 25–34;
    L. Oberwalder, F. S., 1984 (P);
    G. Schirmer, Der Gletscherpfarrer v. Vent, in: Land d. Berge, H. 3, 1998, S. 56 f. (P);
    L. Oberwalder u. a., F. S., Alpinismuspionier u. Gründer d. Alpenver., 2004 (P);
    Personalbibliogr. hist. Persönlichkeiten d. Alpinismus, bearb. v. R. Kantezky, 1988 (W-Verz.);
    Tirol-Lex.;
    ÖBL;
    BBKL 24 (L).

  • Autor/in

    Gerhard Schirmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schirmer, Gerhard, "Senn, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 261-262 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119538431.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA