Lebensdaten
1909 bis 1994
Geburtsort
Tellicherry (Kerala, Indien)
Sterbeort
Seefeld-Hechendorf/Pilsensee (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Germanist
Konfession
-
Normdaten
GND: 118764608 | OGND | VIAF: 7429170
Namensvarianten
  • Sengle, Friedrich
  • Zengle, Fridrih

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Zitierweise

Sengle, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118764608.html [22.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Paul (1870–1932), aus Kapfenburg (Kr. Neresheim), Missionar d. Basler Mission in Brit.-Indien, später Pfarrer, S d. Viktor (1829–1904), aus Reichenbach (Kr. Spaichingen), Salzsteueraufseher, u. d. Enna Katharina Maurer (1835–1908), aus Glashütte (Gde. Waldenbuch);
    M Johanna (1871–1935), aus Korntal b. Stuttgart, T d. Johann Georg Schmid (1823–1903), aus Oberhelfenswil (Kt. St. Gallen), Fabr., u. d. Enna Keller (1828–1913), aus Leutkirch (Oberschwaben);
    6 Geschw;
    Stuttgart 1933 Elfriede (1909–93), aus Haynau (Schlesien), T d. Karl Kurzitza (1862–1925) u. d. Elfriede Girbig (1875–1925);
    3 S Hermann (* 1936), Volker (* 1941), Berthold (* 1950), 1 T Gisela Haupt (* 1939).

  • Leben

    Auf väterlichen Wunsch absolvierte S. zunächst eine kostenfreie Theologenausbildung in Schöntal und Urach als Vorbereitung auf das Tübinger Stift, brach diese aber mit dem „Konkurs“ (Abitur) ab und studierte Deutsch, Englisch und Geschichte in Tübingen (1928/29), Berlin (1929–31, u. a. bei M. Herrmann u. F. Meinecke), Frankfurt/M. (1931) und wieder Tübingen (1931–33, u. a. bei P. Kluckhohn u. W. Schirmer). 1933 legte er in Tübingen sein 1. Lehramtsexamen ab und war danach als Lehrer tätig. 1936 in Tübingen bei Paul Kluckhohn (1886–1957) zum Dr. phil. promoviert, wurde S. 1937 dessen wiss. Assistent. Als Frontsoldat 1939–45 verfaßte er u. a. bei Lazarettaufenthalten und im Urlaub eine Studie über das dt. Geschichtsdrama, aufgrund derer er Ende 1942 in Tübingen habilitiert wurde. Von seiner zeitweiligen Nähe zum nationalsozialistischen Zeitgeist (Mitgl. d. NSDAP seit 1937) zeugt ein Aufsatz über Börne, von dem S. sich im Alter distanzierte (Baruch-Börne als Kritiker Dtld.s u. dt. Dichtung, in: Weltkampf 19, 1941, H. 3, S. 129–44). Seit 1945 war S. in Tübingen als Privatdozent, seit 1949 als apl. Professor tätig. 1951 ging er als ao. Professor nach Köln, erhielt 1952 eine o. Professur in Marburg und wechselte 1959 nach Heidelberg, 1965 nach München (em. 1978).

    Methodisch verstand sich S. in erster Linie als empirisch und strukturell arbeitender Literaturhistoriker, speziell als Vermittler von Sozial- und Dichtungsgeschichte, wobei er sich sowohl vom Positivismus als auch von marxistischen Indoktrinationen abgrenzte. Inhaltlich wandte er sich gegen die „traditionelle Diffamierung der Aufklärung und der Aufklärungstradition in Deutschland“, für ihn ein wesentlicher Grund für das „dt. Versagen“ nach 1933. Entsprechend kritisierte er den dt. Irrationalismus und die einseitige Bevorzugung pathetischer und tragischer Literatur, statt dessen plädierte S. für eine Aufwertung des „genus humile“ und des ironischen Stils sowie für eine Erweiterung des|Literaturbegriffs über die drei Gattungen hinaus auf die Lehr- und Zweckformen. Zudem trat er für die Einheit von Literaturgeschichte und -kritik ein (Antrittsrede, in: Jb. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. 1965, S. 58–61; Die lit. Formenlehre, Vorschläge z. ihrer Reform, 1967, 21969; Lit.gesch.schreibung ohne Schulungsauftrag, 1980).

    S.s Arbeitsschwerpunkt war die dt. Literatur von 1750 bis 1850. Mit seiner Biographie über „Wieland“ (1949) erneuerte er das diskreditierte Genre der Dichterbiographie und revidierte das traditionelle Klassikbild. Seine Arbeiten zu Goethe, v. a. seine Dissertation „Goethes Verhältnis zum Drama“ (1937), der Sammelband „Neues zu Goethe“ (1989) und „Das Genie und sein Fürst“ (1993), eine sozialgeschichtliche Teilbiographie über das kritischer gesehene Verhältnis zwischen Goethe und Hzg. Carl August, wurden Grundlagenwerke der Goetheforschung. Sein Hauptwerk ist die „Biedermeierzeit“ (3 Bde., 1971–80, Nachdr. 1999), in der S. die bis dahin als bloße Übergangsperiode klassifizierte dt. Literatur der Ära Metternich als eigenständige Epoche „im Spannungsfeld zwischen Restauration und Revolution“ interpretierte und ihre Originalität behauptete.

    S. war der bedeutendste Historiker unter den Neugermanisten nach 1945. Ungeachtet der Bemühung um Ausgewogenheit und Objektivität bekannte er sich stets zu wertender Subjektivität und setzte in schriftstellerischlesbarer Form scharfe Akzente. 1976 gehörte er zu den Mitbegründern des „Internationalen Archivs für Sozialgeschichte der dt. Literatur“ (Mithg. 1976–83). Zu seinen Schülern zählen u. a. Eva D. Becker, Günter Häntzschel, Jost Hermand, Georg Jäger, Roger Paulin und Manfred Windfuhr.

  • Auszeichnungen

    o. Mitgl. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1965) u. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1968);
    korr. Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1972).

  • Werke

    Weitere W Das dt. Gesch.drama, Gesch. e. lit. Mythos, 1952, 2. Aufl. u. d. T. Das hist. Drama in Dtld., 1969, Nachdr. 1974;
    Arbb. z. dt. Lit. 1750–1850, 1965;
    Nachlaßedd. v. Vorlesungen:
    Kontinuität u. Wandlung, 1999;
    Moderne dt. Lyrik, Von Nietzsche bis Enzensberger (1875–1975), 2001;
    Aufklärung u. Rokoko in d. dt. Lit., 2005;
    Mithg.:
    DVjS, 1956–61;
    Dt. Neudrr., Reihe 18. Jh., 1964–75;
    Bibliogr.:
    K.-H. Fallbacher, F.-S.-Bibliogr., 1984 (Typoskr. im Nachlaß);
    Nachlaß:
    Heinrich-Heine-Inst., Düsseldorf.

  • Literatur

    Zur Lit. d. Restaurationsepoche 1815–1848, FS F. S., hg. v. J. Hermand u. M. Windfuhr, 1970;
    Lit. in d. soz. Bewegung, FS F. S., hg. v. A. Martino u. a., 1977;
    H. E. Holthusen, Kontrapunkt. Denken, Zu F. S.s „Biedermeierzeit“, in: Merkur 37, 1983, S. 332–37;
    P. Stein, Zur Börne-Rezeption im Dritten Reich, F. S.s Btr. z. Judenforsch. u. sein Börne-Bild heute, in: Die Kunst, e. Tochter d. Zeit, hg. v. I. Rippmann u. a., 1988, S. 51–73;
    ders., S.s Heine, Eine Entgegnung, in: Heine-Jb. 1997, S. 186–93;
    W. Müller-Seidel, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1994, S. 259–65 (P);
    A. Henkel, in: Jb. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. 1995, S. 102–06;
    M. Windfuhr, Spannungen als autorspezif. Strukturzug, F. S.s Heinebild u. d. Stand d. Heinediskussion, in: Heine-Jb. 1995, S. 183–202;
    ders., Einf. in d. S.-Nachlaß, ebd., 1999, S. 242–45;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Internat. Germanistenlex. (W, L).

  • Autor/in

    Manfred Windfuhr
  • Empfohlene Zitierweise

    Windfuhr, Manfred, "Sengle, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 260-261 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118764608.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA