Lebensdaten
1816 bis 1893
Geburtsort
Potsdam
Sterbeort
Potsdam
Beruf/Funktion
Gartenkünstler in Potsdam
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 132206803 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sello, Ludwig Emil Walter
  • Sello, Emil
  • Sello, Ludwig Emil Walter

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Zitierweise

Sello, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd132206803.html [16.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Hermann (s. 2);
    Segeletz b. Westerhausen/Dosse 1849 Johanna (1831–92), T d. Eduard Kahlbau, Prediger in Segeletz;
    7 K u. a. Georg (1850–1926), Dr. iur., Archivrat am StA Magdeburg, 1889 Vorstand d. ghzgl. Haus- u. Zentralarchivs in Oldenburg, Geh. Archivrat, zahlr. Forsch. z. brandenburg. u. oldenburg. Gesch., gründete 1892 d. „Jb. f. d. Gesch. d. Hzgt. Oldenburg“ (s. Biogr. Hdb. Oldenburg; Leesch, Archivare; Brandenburg. Biogr. Lex.); Friedrich Sellow (s. 1).

  • Leben

    S. absolvierte 1833–35 die Gärtnerlehre in Sanssouci, bestand 1837 das Obergehilfenexamen und begab sich 1838–40 auf Wanderschaft, die ihn nach München, Rom, in die Schweiz, nach Belgien, Paris und London führte. 1843–60 war er als „Obergehilfe“ im Revier „Außerhalb Sanssouci“ tätig, 1854 erhielt er den Titel Hofgärtner. 1860–64 arbeitete er in dieser Funktion im Revier „Außerhalb Sanssouci“, danach war er bis zu seiner Pensionierung 1891 Hofgärtner am Neuen Palais, 1878–91 auch in Charlottenhof. 1865 besuchte er England ein zweites Mal, 1866 Gent und wiederum London, 1867 Paris. 1883 erhielt er den Titel Oberhofgärtner.

    S. war zunächst Schüler und Mitarbeiter von Peter Joseph Lenné (1789–1866). Danach arbeitete er 1864–88 ohne Zwischenschaltung eines Hofgartendirektors direkt unter Kronprinz Friedrich Wilhelm (1831–88) und seiner Gattin Victoria (1840–1901), die selbst die Skizzen zu Gartenentwürfen lieferte und allgemein die künstlerische Leitung innehatte. In der Ausführung orientierte sich S. am Gardenesque Style von John Claudius Loudon (1783–1843), den er noch persönlich kennengelernt hatte, und geriet damit in einen grundsätzlichen Gegensatz zu der bis zu dieser Zeit in Potsdam gewohnten Gartenkunst. Zusammen mit der Kronprinzessin versuchte er, die neuere engl. Richtung durchzusetzen, bei der nicht mehr an stilistischen Kriterien orientierte Entwürfe, sondern gärtnerischer Pflanzenreichtum und einfache geometrische Formen im Mittelpunkt standen. Die bisherige Gestaltung des Parterres am Neuen Palais in Sanssouci mit wenigen Gruppen und aufgereihten Orangenkübeln empfand Victoria als zu nüchtern. Auch ein Entwurf von Lenné und Gustav Meyer (1816–77) wurde abgelehnt. Das Parterre wurde durch Wege in kleinere Flächen unterteilt, die reich mit Beeten, Rabatten, Koniferenkegeln und Kübelgehölzen geschmückt waren. In Victorias heckenumschlossenem Rosengarten säumten Rosenhochstämme, -büsche und -girlanden die Wege. Teppichbeete, eine Brunnenplastik, Majolikavasen, Terrakottaschalen und vier Rosenlauben in den Ecken waren weitere Attraktionen. In anderen Sondergärten gab es musterhaft geplante Obst- und Gemüseanlagen sowie Spiel- und Turnplätze für die Prinzen.

    Bei seinen Arbeiten am Berliner Prinzessinnenpalais ersetzte S. erstmals einen vorhandenen Landschaftsgarten durch eine streng geometrische Anlage mit kreuzförmigen Wegen und kreisrunden Blumenbeeten. Nach demselben Schema wurden später die Gartenanlagen am Krongut Bornstedt (b. Potsdam, 1873–75) und an der Villa Liegnitz (in Sanssouci, 1877/78) umgestaltet. Darüber hinaus war S. für die Kronprinzessin in der Einführung und Akklimatisierung neuer Pflanzen erfolgreich tätig. Insbesondere wirkte er für die Bereicherung der Wald- und Wiesenvegetation durch Frühjahrsgeophyten, Primeln und Veilchen. Zuletzt arbeitete er an der Vollendung der Potsdamer Landesverschönerung. Nach dem frühen Tod Ks. Friedrichs 1888 erhielt er keine Aufträge mehr.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ges. f. Akklimatisation, Berlin.

  • Werke

    Schloßgarten Brühl, um 1843 (Mitarb.);
    Garten vor d. Neuen Kammern in Sanssouci, nach 1845 (Mitarb.);
    Parterre u. Privatgärten am Neuen Palais, Sanssouci, 1864–67;
    Terrassen an d. Orangerie Sanssouci, um 1865 (Mitarb.);
    Garten am Prinzessinnenpalais, Berlin, 1868;
    Umgestaltung d. Farmgartens Potsdam-Bornstedt, 1873–75;
    Parterre u. Lindenallee westl. der Communs, Sanssouci, 1874–79;
    Umgestaltung d. Gartens d. Villa Liegnitz, Sanssouci, 1877/78;
    Landschaftsverschönerung um Schloß Lindstedt, den Kahlenberg, Ruinenberg, auf d. Bornstedter Feld u. am Pfingstberg;
    Btrr. f. Zss.;
    Nachlaß:
    StA Oldenburg;
    Privatbes. Oldenburg.

  • Literatur

    Th. Nietner, Gärtner. Skizzenbuch, 1877–82, Tafel 1,4 u. 27;
    Th. Rümpler, Gartenbaulex., 1882;
    H. Günther u. S. Harksen, Peter Joseph Lenné, Kat. d. Zeichnungen, 1993;
    J. Wacker, Die Gartenanlagen vor d. Neuen Palais, in: Potsdamer Schlösser u. Gärten, 1993, S. 268–78;
    C. A. Wimmer, Victoria, the Empress gardener, or the anglo-prussian garden war, 1858–88, in: Garden History 26, 1998, S. 192–207;
    ders., Ksn. Friedrich u. d. Gartenkunst, in: Mitt. d. Studiengemeinschaft Sanssouci, 3, 1998, Nr. 2, S. 1–27;
    ders., Hermann u. E. S., in: Nichts gedeiht ohne Pflege, 2001, S. 235–51;
    Katrin Schröder, E. S.s „Ber. über d. Kronprinzl. Gärtnerei am Neuen Palais, 1868“, in: Jb. d. Stiftung Preuß. Schlösser u. Gärten 6, 2004, S. 1–35.

  • Portraits

    Öl/Lwd. v. Victoria v. Preußen, 1877, u. H. Schnee, postum (beide Privatbes.).

  • Autor/in

    Clemens Alexander Wimmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Wimmer, Clemens Alexander, "Sello, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 227-228 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132206803.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA