Lebensdaten
1905 bis 1987
Geburtsort
München
Sterbeort
Jettingen (Württemberg)
Beruf/Funktion
Rechtshistoriker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118612840 | OGND | VIAF: 108776504
Namensvarianten
  • Seidl, Erwin Oskar Friedrich
  • Seidl, Erwin
  • Seidl, Erwin Oskar Friedrich
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Seidl, Erwin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118612840.html [10.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Oskar (1872–1950), Landger.präs. in Amberg, S d. Franz Xaver (1845–92), aus Stadtamhof b. Regensburg, Dr. phil., Gymn.prof. in Regensburg, Dichter (s. Brümmer; A. Hinrichsen, Das lit. Dtld., 21891), u. d. Frieda Zorn (1851–1937);
    M Marie (1877–1958), T d. Anton Buchmann (1840–1912), Ing., u. d. Marie Stahl (1849–1877);
    München 1944 Dagmar (1916–67), T d. Bruno Wahlländer (1870–1950), Dr. med., prakt. Arzt in München, u. d. Alma Koppe (1883–1969);
    3 S Gunthard (* 1944), Staatsanwalt in Duisburg, Wolfgang (* 1946), Dr. med., Arzt in J., Arnulf (* 1951), Dipl.-Ing. in München.

  • Leben

    S. absolvierte nach dem Besuch eines humanistischen Gymnasiums in München hier 1924–28 das Studium der Rechtswissenschaft, wo er, umfassend altsprachlich gebildet, eine Neigung zur Rechtsgeschichte unter der Anleitung Leopold Wengers (1874–1953) fortentwickelte. Durch Wilhelm Spiegelberg (1870–1930) auch an die Ägyptologie herangeführt, erwarb sich S. die Grundlagen der vergleichenden Antiken Rechtsgeschichte. Das Studium bei Rudolf Müller-Erzbach (1874–1959) ließ ihn zu einem Anhänger der Interessenjurisprudenz werden. Nach dem 1. Staatsexamen 1928 wurde S. 1929 bei Wenger mit der Arbeit „Der Eid im ptolemäischen Recht“ promoviert. Dem Assessorexamen 1931 folgte die Habilitation 1932 in München. Nach Lehraufträgen und einem Forschungsaufenthalt in Ägypten (1935/36) wurde S. 1937 auf eine ao. Professur nach Greifswald berufen. Als Wehrpflichtiger der Wehrmacht angehörend, wurde er 1941 zum o. Professor in Greifswald ernannt, bevor er 1942 nach Erlangen wechselte. Politisch unbelastet, erwarb er sich nach Kriegsende Verdienste um die fränk. Fakultäten, indem er u. a. 1947/48 gleichzeitig die Dekanate in Erlangen und Würzburg versah und an beiden Orten lehrte. S. folgte 1958 einem Ruf nach Köln auf einen Lehrstuhl für Röm. und Bürgerliches Recht, wo er im selben Jahr ein Institut für Röm. Recht gründete. Nach seiner Emeritierung 1971 in Mittenwald lebend, wirkte S. seit 1973 als Honorarprofessor an der Univ. Innsbruck.

    S.s Hauptwerke behandeln neben dem röm. Recht die ägypt., ptolemäische und röm.-ägypt. Rechtsgeschichte; hier sind besonders seine „Ptolemäische Rechtsgeschichte“ (1947, 21962) sowie sein Spätwerk „Rechtsgeschichte Ägyptens als römischer Provinz“ (1973) zu nennen. S.s rechtshistorische Arbeiten sind durch die Übertragung der Interessenjurisprudenz auf die Antike Rechtsgeschichte und eine kritische Distanz zu der aus der Pandektistik erwachsenen Begrifflichkeit gekennzeichnet. So konzentrierte sich S. in der Darstellung des Privatrechts besonders auf die Interessenlagen und griff in seiner dogmatischen Arbeit auf das kausale Rechtsdenken Müller-Erzbachs zurück. Dies erlaubte ihm z. B., die Grundsätze der Gefahrtragung in antiken Rechten in Ausrichtung an der jeweiligen Gefahrenbeherrschung zu beschreiben. Daneben stellte S. den Entgeltgedanken heraus. So sah er das altägypt. Recht von einem materiell aufgefaßten „Prinzip der notwendigen Entgeltlichkeit“ des Erwerbs oder der Inanspruchnahme von Gütern beherrscht, das er auch im Keilschriftrecht, im altröm., griech. und german. Recht feststellte. Besondere Verbreitung erzielten seine seit 1949 mehrfach aufgelegten Einführungen „Römisches Privatrecht“ und „Römische Rechtsgeschichte und römisches Zivilprozeßrecht“. Anerkennung erwarb sich S. schließlich auch bei der Edition des Basilikenrepertoriums Patzes (Tipukeitos) sowie durch eine umfangreiche Forschungs-, Berichts- und Rezensententätigkeit auf dem Gebiet der jur. Papyruskunde.

  • Auszeichnungen

    korr. Mitgl. d. Associazione Italiana fra gli studiosi del processo civile (1950) u. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1963);
    Mitgl. d. Acc. Nazionale di Scienze, Lettere e Arti di Palermo (1971).

  • Werke

    Weitere W Der Eid im röm.-ägypt. Provinzialrecht, 1833/35;
    Demot. Urkk.lehre nach d. frühptolemäischen Texten, 1937;
    Einf. in d. ägypt. Rechtsgesch. bis z. Ende d. Neuen Reiches, 1939, 31957;
    Μ. Κριτοῦ τοῦ Πατζῆ Τιπούχειτος, Libros XXIV– LX, 1943–57 (mit St. Hörmann);
    Ägypt. Rechtsgesch. d. Saiten- u. Perserzeit, 1956, 21968;
    Bodennutzung u. Bodenpacht nach d. demot. Texten d. Ptolemäerzeit, 1973;
    W-Verz.:
    FS, 1975 (s. L), S. 242–49.

  • Quellen

    Qu Personalakten (Greifswald, Erlangen, Köln) Univ.archiv Köln, Zug. 571 Nr. 180; Zug. 382 Nr. 2075; Univ.archiv Erlangen-Nürnberg E1/1 Nr. 1 fol. 159 (Lebenslauf 1951).

  • Literatur

    Jb. d. Ludwig-Maximilians-Univ. München f. 1932/33, 1934, S. 21, 32 f.;
    E. Vogel u. G. Endriß, 200 J. Univ. Erlangen, 1943, S. 29;
    H. Hübner (Hg.), FS f. E. S. z. 70. Geb., 1975 (W-Verz., P);
    M. Amelotti, in: Studia et documenta historiae et iuris 53, 1987, S. 505 ff.;
    A. Kränzlein, in: ZSRGR 106, 1989, S. 766–73;
    J. Mélèze-Modrzejewski, in: Revue Historique du Droit Français et Étranger 65, 1987, 671;
    Th. Mayer-Maly, in: Alm. d. Österr. Ak. d. Wiss. 1987/88, 138. Jg., 1988, S. 199 u. 463–65 (P);
    Akad. Gedächtnisfeier f. Prof. Dr. E. S. 1905–1987 am 9. Dez. 1988, hg. v. Ver. z. Förderung d. Rechtswiss. (Köln),1989(P);
    A.Wendehorst,Gesch.d.Friedrich-Alexander-Univ. Erlangen-Nürnberg 1743–1993, 1993, S. 225 u. 228;
    Erlanger Professoren I;
    W. Litewski, Słownik encyklopedyczny prawa rzymskiego, 1998;
    G. Köbler, Dt. Rechtshistoriker, 2006.

  • Autor/in

    Martin Avenarius
  • Empfohlene Zitierweise

    Avenarius, Martin, "Seidl, Erwin" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 182-183 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118612840.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA