Lebensdaten
um 1489 oder 1490 bis um 1548
Beruf/Funktion
Meistersinger in Augsburg
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 123613280 | OGND | VIAF: 23053751
Namensvarianten
  • Düler, Raphael
  • Dullner, Raphael
  • Tulner, Raphael
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Quellen(nachweise)

Zitierweise

Duller, Raphael, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123613280.html [25.01.2021].

CC0

  • Genealogie

    Der Name kommt in Augsburg sonst nicht vor. Die Angabe Kolmars als Heimat (ADB) beruht auf Irrtum. Angesichts enger Verbindung z. den Nürnberger Meistersingern kommt Nürnberg als D.s Geburtsstadt in Frage. In den Nürnberger Meisterbüchern 1363-1484 werden mehrere Klingenschmiede namens Tulner, Tuldner, Tuldenner u. Tuller genannt, im Ehebuch v. St. Sebald 1528 ein Seiler Hans Dulner; der Goldschmied Paulus Tüller ist 1584-96 „Genannter des Großen Rates“. Der Name dieser Sippe ist wahrsch. v. Tullnau b. Nürnberg abzuleiten, Katharina ( n. 1588).

  • Leben

    D. ist wahrscheinlich als Handwerksgeselle vor 1521 nach Augsburg gekommen und hat wohl 1524 in eine Werkstatt hineingeheiratet, da er 1524-47 als Messerschmied in den Augsburger Steuerbüchern geführt wird. 1534 ist er unter den Neugründern der Augsburger Meistersingerschule, die erstmals 1449 erwähnt ist. Der Augsburger Humanismus, der in Konrad Peutingers „Sodalitas Augustana“ um 1500 einen Mittelpunkt fand, gewann offensichtlich auch auf die Meistersingerschule Einfluß, heißt es doch bei der Neugründung 1534, es sei nur noch „Poeterei und heidnische Dichtung geübt“ und der Meistersang „mit heidnischen poetischen Historien vermenget“ worden. Als 1534 die Reformation in Augsburg den Sieg errang, kehrte die neugegründete Meistersingerschule wieder zur geistlichen Dichtung und zum sonntäglichen Singen in der Kirche zurück. Wahrscheinlich war dabei das Nürnberger Vorbild maßgebend und D. der Initiator. Nach Nürnberger Vorbild werden auch später zwölf Augsburger Meister als Muster der Schule genannt; der Homer-Übersetzer Johann Spreng feiert D. 1575 als ersten und bedeutendsten unter ihnen: „Der eist mit fug/was Raphael Thuller genannt/der fürnembst auf der schuel erkannt“. Zwei seiner Melodien blieben im Bereich des Nürnberger Meistersangs noch lange lebendig; Hans Sachs dichtete seit 1537 22 Meisterlieder zu D.s „kröntem Ton“ und eines zu seinem „überkröntem Tone“, und auch in A. Puschmanns Breslauer Singebuch (1584), in Heibergers Steirer Liederbuch (1590), in der Kolmarer Liederhandschrift (1591) und noch in Georg Hagers 12. und 13. Liederbuch (nach 1600) finden wir D.s Töne. Der 43 Reimzeilen zählende „überkrönte Ton“ (in Codex germanicus Monacensis 4999, bl. 7 f. fälschlich als gekrönter Ton) ist melodisch geschmeidiger als der 22 Reimzeilen zählende, auch „neuer Ton“ genannte „krönte Ton“. Beide Töne zeigen die Neigung der Meistersinger des 16. Jahrhunderts zum Reprisenbar noch nicht, sondern sind in Kanzonenform gehalten.

    Für D.s Töne sind nur Texte anderer Dichter überliefert; von D.s eignen Texten ist wenig erhalten. Ein Flugblattgedicht „in der Flammenweis, darin man Herzog Ernst singet“ von 1521 (Ph. Wackernagel, Deutsches Kirchenlied III, 1868, Nummer 491) feiert Luther als Überwinder des Ablaßhandels; die Schlußformel „spricht Raphael, der Dichter“ setzt frühere Gedichte voraus. Lutherischen Kampfgeist atmet das Lied „Wider das gottlose Papsttum“ als den Antichrist, gedichtet in der Rohrweise des Pfalz von Straßburg (Dresdner Handschrift M 8, aus Nürnberg, bl. 365v-367r). J. Wickrams Abschrift eines Sachsschen Liederbuches (1549) bringt ein Gedicht D.s im „verborgenen Ton“ des Nürnbergers Fritz Zorn (Codex germanicus Monacensis 4998, bl. 53r-54r), das an 1. Samuel 16 lutherische Gläubigkeit zeigt und doch auch die beengende Fessel, die dem lutherischen Meistergesang auferlegt war durch die Forderung, sich eng an den Bibeltext zu halten.

  • Literatur

    F. Keinz, Ein Verz. d. Augsburger Meistersinger d. 16. Jh., 1893;
    G. Münzer, Das Singebuch d. Adam Puschmann, 1906, S. 187 f.;
    M. Leher, Die Meistersinger zu Augsburg 1500-1772, in: Lit. Beil. z. Augsburger Postztg., 1913, S. 41 f., 46 f., 50 f., 54 f.;
    R. Pfeiffer, Die Meistersingerschule in Augsburg u. d. Homerübersetzer Johs. Spreng, = Schwäb. Gesch. qu. u. F 2, 1919;
    H. F. Deininger, Die Meistersinger v. Augsburg, in: Schwabenland 3, 1936, S. 139-42;
    F. Schnell, Gesch. d. Meistersingerschule zu Augsburg, Diss. Erlangen 1956 (ungedr.);
    eigene Forschungen.

  • Autor/in

    Hellmut Rosenfeld
  • Empfohlene Zitierweise

    Rosenfeld, Hellmut, "Duller, Raphael" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 185 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123613280.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Düler: Raphael D. (Düller), Meistersänger am Ende des 16. Jahrhunderts. Lieder von ihm, die aber in nichts sich über das Niveau gewöhnlicher Reimereien erheben, enthält die Münchener Hs. cod. germ. 4999, früher der Meistersängerschule in Colmar gehörig.

    • Literatur

      Vgl. Bartsch, Meisterlieder der Colmarer Hs. S. 3.

  • Autor/in

    Bartsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bartsch, Karl, "Duller, Raphael" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 457 unter Düler [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123613280.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA