Lebensdaten
1902 bis 1989
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Zingst (Darß)
Beruf/Funktion
Botaniker ; Genetiker ; Kulturpflanzenforscher
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118756133 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stubbe, Hans Karl Oskar
  • Stubbe, Hans
  • Stubbe, Hans Karl Oskar
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Zitierweise

Stubbe, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118756133.html [16.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Paul (1861–1937, Schulinsp. in B.;
    M Marie Hermine Laura Häring (1869–1927;
    Müncheberg (Mark) 1934 Marie Charlotte (1909–2001, Dr. agr., Züchtungsforscherin, T d. Wilhelm Kutscher (1876–1962, Dr. iur., preuß. Verw.beamter, 1923–32 Geschäftsführendes Vorstandsmitgl. d. Dt. Landwirtsch.rates, 1932/33 Oberpräs. d. Prov. Ostpreußen, 1933 preuß. Staatsrat (s. Wenzel; Rhdb.; Wi. 1935; Jeserich-Neuhaus), u. d. Ada Pagenstecher;
    5 S Christoph (* 1935), Dr. rer. silv., Forstwiss., Wildtierökol., Peter (1937–95, Dr. med., Prof. f. Kinderheilkde. in Göttingen, Michael (* 1939), Dr. rer. nat., Prof. f. Tierökol. in Halle, 1999 korr. Mitgl. d. russ. Theriologenges. u. 2005 d. Mongol. Ak. d. Wiss., 2001 Mitgl. d. Ak. d. Künste u. Wiss. in St. Petersburg (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2011; W, L), Wulf (* 1941), Dr. med. vet., Tierarzt in Gatersleben, Immo (* 1943), Dr. med. vet., Tierarzt in Weddersleben; aus Verbindung mit Irene Thonke (1916–2002), Malerin u. Bildweberin in B., übersiedelte 1975 in d. DDR (s. Vollmer) 2 S.

  • Leben

    S. absolvierte im März 1918 das Helmholtz-Realgymnasium in Schöneberg mit einem Notabitur und war bis Herbst 1919 Soldat, nach Kriegsende beim „Grenzschutz Ost“. Danach machte er eine Landwirtschaftslehre in Schönhausen/Elbe und studierte seit 1921 in Göttingen und an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin Landwirtschaft (Diplom 1927). 1923–25 unterbrach er das Studium und arbeitete als landwirtschaftlicher Beamter in Protzen (Kr. Ruppin) und Höhbeck/Elbe. Seit 1927 Volontärassistent bei Erwin Baur (1875–1933) am Institut für Vererbungsforschung, wurde S. hier 1929 mit „Untersuchungen über experimentelle Auslösung von Mutationen bei Antirrhinum majus“ (in: Zs. f. induktive Abstammungs- u. Vererbungslehre 56, 1930, S. 1–38) zum Dr. agr. promoviert. 1928 folgte er Baur an das neue KWI für Züchtungsforschung in Müncheberg, wo er 1929 die Abteilung Experimentelle Mutationsauslösung übernahm. 1936 verlor S. seine Stellung in Müncheberg und wurde wiss. Mitarbeiter von Fritz v. Wettstein (1895–1945) am KWI für Biologie in Berlin-Dahlem und habilitierte sich 1940 an der Univ. Berlin für Botanik. 1943 zum Direktor des neuen KWI für Kulturpflanzenforschung in Wien berufen, verlagerte er das Institut im Frühjahr 1945 nach Stecklenberg am Ostharz und 1945 /46 mit Hilfe der sowjet. Militäradministration nach Gatersleben bei Quedlinburg. Das zunächst dem Land Sachsen-Anhalt und der Univ. Halle/Saale zugeschlagene und 1948 der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin angegliederte Institut erlangte unter S. Weltruf. Er leitete es bis 1969 und lehrte daneben 1946–67 an der Univ. Halle. Sein dortiges Institut für Genetik gehörte zunächst der Naturwissenschaftlichen Fakultät an, danach der Landwirtschaftlichen Fakultät, deren Gründungsdekan S. 1947/ 48 war. 1951 wurde er erster Präsident der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften zu Berlin, der er bis 1968 vorstand.

    S. war einer der bedeutendsten dt. Genetiker und der einflußreichste Agrarwissenschaftler der DDR in der Ulbricht-Ära. Nachdem Hermann Joseph Muller (1890–1967) 1927 die mutationssteigernde Wirkung von Röntgenstrahlen bei Fruchtfliegen (Drosophila) beobachtet hatte, wies S. an Baurs Modellobjekt, dem Löwenmaul (Antirrhinum), die Mutagenität energiereicher Strahlen wie auch bestimmter Chemikalien nach und verfaßte die Standardwerke „Spontane und strahleninduzierte Mutabilität“ (1937) und „Genmutation“ (1938). Unter dem Einfluß Wettsteins erforschte er zunehmend die Bedeutung von Mutationen für die Evolution der Arten und die Pflanzenzüchtung. 1941/42 unternahm S. mit Unterstützung der Wehrmacht auf dem Balkan und auf Kreta zwei Expeditionen zur Sammlung von Wild- und Primitivsorten von Kulturpflanzen. 1956 führte ihn eine große Sammelreise nach China. Die Sammlungen dienten dem Aufbau einer Genbank der wichtigsten Kulturpflanzen, um dem steten Verlust von Arten|und Sorten entgegenzuwirken

    und ihre Merkmalsvielfalt für die Pflanzenzüchtung zu erhalten. Das Sortiment schloß züchterisch wertvolle experimentell erzeugte Mutanten ein.

    S. dehnte seine Mutationsversuche an Antirrhinum nach 1945 auf Kulturpflanzen aus und arbeitete v. a. mit Tomaten (Lycopersicon). Die in der frühen DDR politisch geförderten Doktrinen Trofim D. Lysenkos (1898–1976), der u. a. die Existenz diskreter Erbanlagen leugnete und an eine Vererbung erworbener Eigenschaften glaubte, lehnte S. strikt ab und widerlegte dessen Thesen mit einer Reihe von Versuchen mit Tomatenmutanten (1954) sowie Winter- und Sommerweizen (1955), wodurch er entscheidend zur Wahrung wissenschaftlicher Standards unter den ostdt. Biologen und Agrarwissenschaftlern beitrug.

    Der erfolgreiche Pflanzengenetiker war zugleich ein passionierter Jagd- und Wildforscher. Neben seinen Akademieämtern vertrat der parteilose S. 1963–86 den „Kulturbund“ in der Volkskammer, beriet als Mitglied des Landwirtschaftsrates (1963–72) und Forschungsrates (1964–68) den Ministerrat und saß dem Nationalkomitee des „Internationalen Biologischen Programms“ (1967–87) vor. S.s Gaterslebener Institut gehört heute als „Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung“ zu den international führenden Zentren der Pflanzenforschung.

  • Auszeichnungen

    A Dr. h. c. (Jena 1954; Krakau 1964; Humboldt-Univ. Berlin 1978); Dr. sc. h. c. (Brünn 1965); Dr. rer. nat. h. c. (Halle-Wittenberg 1982); Mitgl. u. a. d. Dt. Ak. d. Wiss. Berlin (1949), d. Leopoldina (1950), d. Ak. d. Wiss. Leipzig (1950), Sofia (1961), Warschau (1963), Budapest (1964), Bukarest (1965); Mitgl. d. Ak. d. Landwirtschaftswiss. Berlin (1951 Gründungspräs., 1968 Ehrenpräs.), Moskau (1957), Sofia (1967); Ehrenmitgl. u. a. d. Botan. Ges. d. UdSSR (1965), d. Dt. Agrarwiss. Ges. (1967), d. Biol. Ges. in d. DDR (1969); Alexander-v.Humboldt-Medaille (1959) u. Helmholtz-Medaille (1975) d. Dt. Ak. d. Wiss. Berlin; Darwin-Plakette d. Leopoldina (1959); Erwin-Baur-Medaille d. Ak. d. Landwirtschaftwiss. Berlin (1963); Gregor-Mendel-Medaille d. Ak. d. Wiss. Prag (1965); Purkyne-Medaille d. Univ. Brünn (1965); zahlr. staatl. Auszeichnungen, u. a. Nat.preis d. DDR I. Kl. (1960); VVO in Gold (1961); Hervorragender Wiss. d. Volkes (1967); Stern d. Völkerfreundschaft in Gold (1982); Ehrenbürger d. Gde. Zingst (1969).

  • Werke

    u. a. Natürl. Zuchtwahl, 1934;
    Spontane u. strahleninduzierte Mutabilität, 1937;
    Genmutation, I. Allg. T., in: Hdb. d. Vererbungswiss., Bd. 2, 1938, S. 1–429;
    Über d. Bedeutung v. Klein- u. Großmutationen in d. Evolution, in: Biol. Zbl. 61, 1941, S. 265–97 (mit F. Wettstein);
    Über d. Selektionswert v. Mutanten, 1950;
    Über d. vegetative Hybridisierung v. Pflanzen, Versuche an Tomatenmutanten, in: Die Kulturpflanze 2, 1954, S. 185–236;
    Über d. Umwandlung v. Sommerweizen in Winterweizen, in: Der Züchter 25, 1955, S. 321–30;
    Sinn u. Bedeutung d. Kulturpflanzenforsch., 1957;
    Kurze Gesch. d. Genetik bis z. Wiederentdeckung d. Vererbungsregeln Gregor Mendels, 1963, 21965, engl. 1972;
    Genetik u. Zytologie v. Antirrhinum L. sect. Antirrhinum, 1966;
    Hg.:
    Kühn-Archiv, 1948–71;
    Btrr. z. Jagd- u. Wildforsch., 1961–84;
    Genetik, Grundlagen, Ergebnisse u. Probleme in Einzeldarst., 1963–87;
    Buch d. Hege, 2 Bde., 1973, 41989 hg. v. Michael Stubbe;
    Mithg.:
    Biol. Zbl., 1937–76;
    Der Züchter, 1946–89, seit 1968 Theoretical and Applied Genetics;
    Zs. f. induktive Abstammungs- u. Vererbungslehre, 1948–84, 1958–66 u. d. T. Zs. f. Vererbungslehre, seit 1967 Molecular and General Genetics;
    Zs. f. Pflanzenzüchtung, 1949–89;
    Die Kulturpflanze, 1953–89.

  • Literatur

    P. Hertwig, in: Biol. Zbl. 81, 1962, S. 1–4;
    H. Kukkuck, in: Zs. f. Pflanzenzüchtung 57, 1967, S. 1–3 (P);
    Ch. Wolf, Ein Besuch, in: dies., Lesen u. Schreiben, 1972, S. 137–75;
    Tagungsber. d. Ak. d. Landwirtschaftswiss. d. DDR 206, 1982, S. 1–16 u. 65–67 (P);
    R. Hagemann, in: Wiss. Zs. d. Univ. Halle, Math.-Naturwiss. R. 33, 1984, H. 3, S. 95–101 (P);
    B. Parthier, in: Jb. d. Sächs. Ak. d. Wiss. zu Leipzig 1989/90, 1992, S. 221–27 (P);
    D. Mettin, H. Dathe u. H. Böhme, in: Die Kulturpflanze 38, 1990, S. 19–36 (P);
    U. Deichmann, Biologen unter Hitler, 1992, S. 138–43;
    H. Böhme, H. S., Mutationsforsch. u. Pflanzenzüchtung, in: M. Stein (Hg.), Sachsen-Anhalt, e. Wiege d. Pflanzenzüchtung, 1998, S. 61–68 (P);
    ders., Gedanken z. 100. Geb.tag v. H. S., in: SB d. Leibniz-Soz. 55, 2002, H. 4, S. 115–28 (P);
    E. Käding, Engagement u. Verantwortung, H. S., Genetiker u. Züchtungsforscher, Eine Biogr., 1999 (P, W-Verz.);
    R. Hagemann, H. S., Genetiker, Forscher, Wiss.organisator, Mensch, in: Biospektrum 5, 1999, S. 306–09 (P);
    S. Heim, „Die reine Luft d. wiss. Forschung“, in: Forsch.progr. z. Gesch. d. KWG im NS, Ergebnisse 7, 2002, S. 1–47;
    Michael Stubbe (Hg.), Gedenkschr. z. 100. Geb. tag v. H. S., Btrr. z. Jagd- u. Wildforsch. 27, 2002 (P);
    B. Gausemeier, Natürl. Ordnungen u. pol. Allianzen, Biol. u. biochem. Forsch. an Ks.-Wilhelm-Instituten 1933–45, 2005, S. 137–46;
    G. Röbbelen, Biogr. Lex. z. Gesch. d. Pflanzenzüchtung, 22009, S. 918–21 (P, W-Verz.);
    H. Laitko, H. S. u. d. pol. System d. DDR, in: I. Jahn u. A. Wessel (Hg.), Für e. Philos. d. Biologie, 2010, S. 127–69 (P);
    Kürschner, Gel.-Kal. 1950–66;
    Wi 1951–1965;
    Biogr. Hdb. SBZ/DDR;
    Wer war wer DDR;
    Böhm, Biogr. Hdb. Pflanzenbau;
    Biogr. Enz. Naturwiss.;
    Lex. bed. Naturwiss.;
    Qu
    Archiv d. Berlin-Brandenburg. Ak. d. Wiss.;
    Archiv d. MPG Berlin-Dahlem.

  • Portraits

    Bronzebüste v. G. Budde (Berlin, Landwirtschaftl. Fak. d. Humboldt-Univ. Berlin);
    Stele mit Büste v. B. Lichtenfeld (Gatersleben, Leibniz-Inst. f. Pflanzengenetik u. Kulturpflanzenforsch.).

  • Autor/in

    Ekkehard Höxtermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Höxtermann, Ekkehard, "Stubbe, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 608-609 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118756133.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA