Lebensdaten
1799 bis 1867
Geburtsort
Neukirch (Oberlausitz)
Sterbeort
Bautzen
Beruf/Funktion
Psychologe ; Pädagoge ; Schulmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116218576 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dreßler, Johann Gottlieb
  • Dressler, Johann Gottlieb
  • Dreßler, Johann Gottlieb

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Dressler, Johann Gottlieb, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116218576.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Christian, Hausbesitzer u. Krämer;
    M Anna Dorothea Steglich;
    B Christian Ehregott (1800–50), Gymnasiallehrer u. Schulschriftsteller in Bautzen (s. NND 28);
    1837 Charl. Luise Friedlein;
    S Dr. med. Otto, Arzt u. Pädagoge, T Fanny ( Frdr. Dittes, 1896, Pädagoge, s. NDB IV).

  • Leben

    D. kam nach ungenügender dörflicher Schulbildung und (seit 1815) nach Tätigkeit als Schulgehilfe erst 1817 auf das Gymnasium Bautzen, studierte 1823-26 in Leipzig Theologie, war dann 2 Jahre an K. S. Bornemanns Institut in Bautzen tätig, seit 1828 Prediger, 1831 Direktor am evangelischen Landständischen Seminar, trat 1858 nach dauernden Anfeindungen wegen seiner liberalen religiösen Auffassungen in den Ruhestand. 1848 unterzeichnete er den Aufruf des Allgemeinen Deutschen Lehrervereins, besuchte auch regelmäßig dessen Versammlungen, verfaßte 1849 ein viel beachtetes, bedeutsames Gutachten über Lehrerbildung (4 Jahre Allgemeinbildung, 3 Jahre spezielle Fachausbildung). D. verfocht, unterstützt von A. Diesterweg, in unmittelbarer Anhängerschaft an F. Beneke, dessen Lehre von der Psychologie als alleiniger Grundlage aller Geisteswissenschaften, damit auch der Pädagogik und hat von 1835-65 in der Lehrerbildung diese empirische Lehre heimisch gemacht, bevor der Herbartianismus und mit ihm die philosophische, auf Ethik, Metaphysik und Psychologie beruhende Pädagogik zur Wirkung kam. D.s Schwiegersohn F. Dittes hat bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Beneke-Dresslerischen Ideen wachgehalten.

  • Werke

    Beneke od. d. Seelenlehre als Naturwiss., 1840-46; Prakt. Denklehre, 1852;
    Die Grundlehren d. Psychol. u. Logik, 1867, 21870 (v. F. Dittes u. O. Dressler);
    Hrsg.: F. Beneke, Lehrb. d. Psychol. als Naturwiss., 31861;
    ders., Erziehungs- u. Unterrichtslehre, 2 Bde., 31864;
    viele grundlegende Aufss. in Diesterwegs Päd. Jb., 1856-65;
    Autobiogr. in: Biogr. od. Selbst- u. Lebensschilderungen achtungswerther Päd., hrsg. v. K. G. Hergang, 1848, S. 128-46.

  • Literatur

    ADB V;
    A. Weber, J. G. D., in: Allg. Dt. Lehrerztg. 19, 1867, S. 373-76, 381-84;
    B. Dressler, J. G. D. u. s. Bedeutung f. d. Gesch. d. Päd., in: Zs. f. Gesch. d. Erziehung u. d. Unterrichts, 16. Jg., 1926, S. 124-72. – Qu: Briefwechsel Beneke-D. (Oberschule Auerbach/Vogtl.);
    Briefwechsel D.-Dittes (im Bes. d. Fam. Dittes).

  • Autor/in

    Herbert Schönebaum
  • Empfohlene Zitierweise

    Schönebaum, Herbert, "Dressler, Johann Gottlieb" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 114 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116218576.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dreßler: Christian Ehregott D., tüchtiger Schulmann, geb. am 25. Oct. 1800 zu Neukirch bei Baichen, am 30. Sept. 1850 als Lehrer am Gymnasium zu Bautzen. D., der sich früher zum Lehrer einer Volksschule ausbilden wollte, kam spät zum Studiren, indem er erst im November 1818 das Lyceum in Kamenz besuchte, wo er es durch unermüdeten Fleiß dahin brachte, daß er schon um Ostern 1822 mit dem Zeugniß der Reife auf die Universität zu Leipzig übertreten konnte. Hier widmete er sich dem Studium der Theologie und bestand 1825 mit Ehren das theologische Candidatenexamen zu Dresden. Als er 1826 eine Hauslehrerstelle bei dem Grafen zur Lippe auf Baruth übernommen hatte, hatte er einen Zögling auf das Gymnasium in Bautzen zu begleiten und benutzte daselbst die Gelegenheit, seine Kenntnisse in den alten Sprachen und besonders im Französischen, das er mit großer Vorliebe betrieb, zu erweitern. So wurde er mit den Vorständen des Gymnasiums bekannt und erhielt zuerst eine Verwendung als Hülfslehrer, 1833 wurde er zum sechsten wirklichen Collegen ernannt; er ward Classenlehrer in Quinta und übernahm den Unterricht im Französischen in den höheren Classen. Als praktischer Schulmann erwarb sich D. allgemeine Anerkennung; der im September 1850 in Bautzen ausgebrochene Typhus entraffte ihn zu früh einer segensreichen Wirksamkeit Von seinen Schriften sind zu nennen: „Die Lehre von der heiligen Taufe als der Weihe zum christlichen Leben“, 1830. „Französische Grammatik für Schulen“, 1836 und 1844. „Phaedri fabulae“, 1838, welcher kritischen Ausgabe eine Textausgabe in der Bibliotheca Teubneriana 1850 folgte; besonders hervorzuheben ist das 1850 erschienene Programm: „De auctoritate Academiae Francogallicae in grammaticis caute sequenda“, in welcher gründlichen Abhandlung bei aller Anerkennung der Verdienste der Akademie Zahlreiche Irrthümer des damals noch als erste Autorität geltenden „Dictionnaire de l'Académie franç.“ nachgewiesen sind.

    Neuer Nekrolog der Deutschen, Jahrg. 1850, Thl. I, S. 634—643.

  • Autor/in

    H.
  • Empfohlene Zitierweise

    Alberti, Eduard, "Dressler, Johann Gottlieb" in: Allgemeine Deutsche Biographie (), S. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116218576.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dreßler: Johann Gottlieb D., praktischer Schulmann und Philosoph, geb. 4. Oct. 1799 zu Neukirch am Hochwald (bei Bautzen in der Lausitz), gest. 18. Mai 1867 in Bautzen. Sein Vater war Krämer und besaß ein Haus, aber nicht hinlängliches Vermögen, um seine Söhne — neben Johann Gottlieb wuchs der nur ein Jahr jüngere Bruder Christian Ehregott, der 1850 verstorbene Philologe, auf — anders als in einfach ländlicher Weise unterrichten lassen zu können. Höchster Wunsch des Knaben war, Schulmeister zu werden, und er wurde denn auch, nachdem er zunächst die Neben- und dann die Kirchschule seiner Heimath absolvirt hatte, im J. 1814 Gehülfe des Kirchschulmeisters Pelz in Putzkau. Mit Erreichung dieses Zieles eröffnete sich ihm die Aussicht auf weitere Ausbildung. Er kam, durch Vermittlung des Pastors Böttger, 1817 auf das Bautzener Gymnasium und von dort 1823 auf die Universität zu Leipzig. Er studirte Theologie; seinen Wirkungskreis in amtlicher Stellung aber fand er vorwiegend an der Schule, zunächst von 1826—28 an dem Bornemann'schen Institute in Bautzen und darauf, nachdem er inzwischen drei Jahre lang die Verrichtung eines Substituten für den ersten Geistlichen der St. Petri-Kirche in Bautzen versehen hatte, von 1831 an als Director des Bautzener evangelischen Schullehrerseminars. Als solcher wirkte er 27 Jahre lang in höchst ergiebiger Weise. Die praktische Seminar-Pädagogik, die er trieb, war auf philosophischen Grundsätzen fest begründet. Er wurde durch Beneke's Erziehungslehre für dessen Philosophie gewonnen und gehört zu dessen bedeutendsten Anhängern. Schon 1840—46 erschienen von ihm „Beiträge zu einer besseren Gestaltung der Psychologie und Pädagogik", auch u. d. T. „Beneke oder die Seelenlehre als Naturwissenschaft“, (eine „Praktische Denklehre“ folgte 1852). Nebenher gingen zahlreiche Abhandlungen in pädagogischen Zeitschriften, insbesondere in Diesterweg's pädagogischen Jahrbüchern. Als consequenter Vertreter des Beneke'schen Systems gerieth er in litterarische Fehden, die auch seine amtlichen Verhältnisse berührten. In Folge des, sowie einer Erweiterung des Seminars, die ihm die Last des Amtes bei seinen vorgerückten Lebensjahren zu schwer machte, bat er 1858 um seine Entlassung. Die nach erfolgter Entlassung ihm gewährte reichlichere Muße — er blieb bis an seinen Tod in Bautzen — benutzte er für weitere schriftstellerische Arbeiten. Er gab nach Beneke's Tode 1861 dessen „Lehrbuch der Psychologie" in 3. Aufl. und 1864 desselben „Erziehungs- und Unterrichtslehre“ gleichfalls in 3. Aufl. heraus. Außerdem vertheidigte er seinen Meister gegen den Vorwurf des Materialismus in der 1862 erschienenen Schrift: „Ist Beneke Materialist? Ein Beitrag zur Orientirung über Beneke's System der Psychologie mit Rücksicht auf verschiedene Einwürfe gegen dasselbe“. — Eine Selbstbiographie von D. findet sich in Hergang's Gallerie achtungswerther Pädagogen und verdienter Schulmänner Deutschlands und des Auslandes (Bautzen 1848). Eine kurze Würdigung Dreßler's in philosophischer Beziehung gibt Ueberweg (Grundriß der Geschichte der Philosophie Thl. III. S. 295) und Zeller in der Geschichte der neueren Philosophie seit Leibnitz. — Erwähnt wird seiner auch im Nekrolog seines Bruders Christian Ehregott im N. Nekrolog der Deutschen, Jahrg. 1850.

  • Autor/in

    Eduard , Alberti.
  • Empfohlene Zitierweise

    Alberti, Eduard, "Dressler, Johann Gottlieb" in: Allgemeine Deutsche Biographie (), S. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116218576.html#adb2content

    CC-BY-NC-SA