Dates of Life
1902 bis 1944
Place of birth
London
Place of death
Berlin-Plötzensee
Occupation
Verwaltungsbeamter ; Widerstandskämpfer
Religious Denomination
evangelisch
Authority Data
GND: 118611240 | OGND | VIAF
Alternate Names
  • Schulenburg, Fritz-Dietlof Graf von der

Relations

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Places

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Citation

Schulenburg, Fritz-Dietlof Graf von der, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118611240.html [16.02.2019].

CC0

  • Genealogy

    V Friedrich (s. 2);
    M Mary Freiin v. Maltzahn;
    Berlin 1933 Charlotte (1909–91), T d. Hermann Kotelmann, Kaufm., u. d. Frieda Knöller;
    5 T Fredeke (* 1934, 1957-71 Gerd Ruge, * 1928, Journalist, 1984 Chefredakteur b. WDR, s. Munzinger), Christiane (* 1936, Giso v. Steinau-Steinrück, 1930–97, Dr. med., Urologe), Charlotte (* 1940, 1] Nikolaus P. H. Bielenberg, * 1935. Dipl.-Landwirt, 2] Thomas M. O'Connell, * 1950, Jur.), Angela (* 1942, ⚭ Christopher Bielenberg, * 1942, Manager), Schmuckdesignerin, Adelheid (* 1943, 1974 Alexander Ruthven, Earl of Gowrie, * 1939, brit. Pol., Mitgl. d. Privy Council), 1 S Fritz-Dietlof (* 1938), Fotograf in L. (s. Architectural Digest v. Febr. 2006).

  • Life

    Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Göttingen und Marburg (1920–23) schlug S. die Laufbahn in der preuß. Verwaltung ein und war nach seiner Referendarsausbildung in Potsdam Regierungsassessor im Landratsamt Recklinghausen (1928–32), wo er sich den Ruf eines „roten Grafen“ erwarb. Er gehörte zu den neokonservativen jungen Rechten, die „altpreuß.“ paternalistische Ideale mit „modernen“ sozialen und völkischen Ideen verbinden wollten. Diese Haltung sowie die scharfe Ablehnung der Weimarer Republik und der seiner Meinung nach in ihr vorherrschenden „Mächte des Judentums, des Kapitals und der Kath. Kirche“ führten ihn bereits im Febr. 1932 in die NSDAP, von der er sich eine „neue Form des Preußentums“ versprach. Seit 1932 in Ostpreußen verwendet, war S. 1933/34 persönlicher Referent des Oberpräsidenten und Gauleiters Erich Koch (1896–1986) in Königsberg und anschließend Landrat in Fischhausen (Samland). Wegen seiner herausragenden Begabung als Verwaltungsbeamter und seiner Parteimitgliedschaft machte er schnell Karriere und wurde im Aug. 1937 Polizeivizepräsident in Berlin, im Aug. 1939 Regierungspräsident und Vertreter des Oberpräsidenten in Schlesien. Dort war er an der „Germanisierungspolitik“ in den eingegliederten poln. Gebieten beteiligt. Seit Mai 1940 diente er auf eigenen Wunsch als Reserveoffizier im berühmten Infanterie-Rgt. 9. Sein Einsatz an der West- und Ostfront wurde wiederholt von Sonderaufträgen in Reichsministerien und militärischen Behörden unterbrochen. Den Krieg gegen die Sowjetunion begrüßte S. zunächst, da er sich sowohl mit der „Auslöschung des Bolschewismus“ als auch mit der Eroberung neuen „Lebensraums im Osten“ identifizieren konnte. Seine Einstellung zum NS-Regime und zum Krieg änderte sich erst grundlegend, als sich im Winter 1942/43 die militärische Niederlage abzeichnete und zugleich der Blick auf den Unrechtscharakter der dt. Besatzungsherrschaft schärfer wurde. Von da an arbeitete S. konsequent auf eine Beseitigung Hitlers und seiner fanatischen oder korrupten Gefolgsleute hin. denen er Verrat nicht allein an Deutschland, sondern auch an den vermeintlichen nationalsozialistischen Werten vorwarf. Seine politischen Vorstellungen bewegten sich weiterhin in antiliberalen und autoritären Bahnen. S. wurde zum wichtigen Mittler zwischen den verschiedenen Widerstandsgruppen und|zum engen Vertrauten Claus Gf. Schenk v. Stauffenbergs (1907–44). war zeitweise sogar die treibende Kraft der Verschwörung. Vollständig in den Umsturzversuch eingeweiht, wurde er am 20.7.1944 im Bendlerblock verhaftet und am 10.8.1944 durch den Volksgerichtshof zum Tod durch den Strang verurteilt. Seine historisch-politische Einordnung muß ambivalent ausfallen: Die Idee einer Verbindung von Preußentum und Nationalsozialismus ließ ihn lange Zeit mit Überzeugung an einer verbrecherischen Politik mitwirken. Daß er schließlich als Widerstandskämpfer starb, zeigt exemplarisch, wie widersprüchlich der Weg in die Verschwörung des 20. Juli sein konnte.

  • Literature

    A. Krebs. F.-D. Gf. v. d. S., Zw. Staatsräson u. Hochverrat. 1964: H. Mommsen. F.-D. Gf. v. d. S. u. d. preuß. Tradition, in: VjZ 32, 1984. S. 213-39;
    U. Heinemann, Ein kons. Rebell, F.-D. Gf. v. d. S. u. d. 20. Juli, 1990 (P);
    Ostdt. Gedenktage 2001/02. S. 253-56 (P);
    M. Niemann, „Das glühende Interesse f. Politik“, Die Grafen v. d. S.-Tressow zw. Ks.reich u. Nat.sozialismus 1900-1945. in: Meckl. Jbb. 118, 2003, S. 271-311;
    Brandenburg. Biogr. Lex. (P);|

  • Archival Ressources

    Nachlaß: BA Koblenz.

  • Author

    Johannes Hürter
  • Citation

    Hürter, Johannes, "Schulenburg, Fritz-Dietlof Graf von der" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 680-681 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118611240.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA