Lebensdaten
1895 bis 1983
Geburtsort
Zürich
Sterbeort
Orselina (Kanton Tessin)
Beruf/Funktion
Tänzerin ; Choreographin ; Tanzpädagogin
Konfession
reformiert,katholisch
Normdaten
GND: 131365924 | OGND | VIAF: 5223602
Namensvarianten
  • Trümpy, Berthe Emilie
  • Bartholomé, Berthe
  • Trümpy, Berthe
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Zitierweise

Trümpy, Berthe, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd131365924.html [20.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus Glarner Fam.;
    V Jakob (1858–1906), Industr.;
    M Emilie Josephine Elise Katharina Heer (* 1869); ledig;
    Adoptiv-S Roberto Streiff, gründete 1953 mit T. e. Restaurant in Brione (Kt. Tessin).

  • Leben

    Aufgewachsen in einem vermögenden Elternhaus, begann T. 1917 eine Ausbildung in Zürich an der Tanzschule von Rudolf von Laban bei dessen Assistentin, der dt. Tanzpädagogin Marie Wiegmann (1886–1973). Bald wurde sie deren engste Mitarbeiterin und Vertraute. 1919 übernahm T. auf Wiegmanns Deutschlandtournee die „geräuschmusikalische“ Begleitung ihrer Choreographien. 1920 gingen beide nach Dresden; T. finanzierte dort eine Tanzschule für ihre Lehrerin, die sich nun Mary Wigman nannte, und wurde selbst Co-Direktorin und Tanzpädagogin an dieser Schule. Zu ihren ersten Schülern zählte der spätere Weltstar Harald Kreutzberg (1902–68).

    Seit 1922 tanzte T. u. a. mit Gret Palucca (1902–93) und Yvonne Georgi (1903–75) in der ersten Tanzgruppe von Mary Wigman. 1923 trat sie bei einem gemeinsamen Tanzabend mit Palucca erstmals auch als Solistin auf, ihre eigentliche Stärke war jedoch die Tanzpädagogik. 1924 eröffnete sie in Berlin ihre eigene Tanzschule und fand zwei Jahre später in Vera Skoronel (1906–32) eine neue Kollegin und Co-Direktorin, deren spezielle „maschinelle“ Tanztechnik zum Markenzeichen ihrer Schule wurde. Auf dem Zweiten Dt. Tänzerkongress 1928 in Essen wurde T. in den Vorstand des „Deutschen Chorsänger- und Tänzerbundes e. V.“ gewählt. Dieser Verband plädierte u. a. für die Regelung einer einheitlichen Tänzerausbildung und bereitete die Einrichtung einer Tanz-Hochschule vor.

    Nach dem plötzlichen Tod Skoronels 1932 scheiterte T. zunächst mit dem Versuch, ihre Schule allein weiterzuführen. 1934 legte sie diese mit der Berliner Dependance der Schule von Dorothee Günther (1896–1975) (München) zusammen und erweiterte den bisherigen Fächerkanon u. a. um Instrumentalunterricht. Die hier erteilte vielseitige Ausbildung galt als qualitativ herausragend. 1934 gründete T. gemeinsam mit den Schulen von Mary Wigman und Gret Palucca die „WigmanSchulgruppe“ im „Dt. Körperbildungsverband e. V.“, und wurde dadurch Mitglied in dem von Alfred Rosenberg 1929 gegründeten nationalsozialistischen „Kampfbund für Deutsche Kultur“. Bis zum Beginn des 2. Weltkriegs lehrte T. auch an der Berliner Hochschule für Leibesübungen.

    Bereits seit Ende der 1920er Jahre entwickelte T. ein besonderes Interesse am chorischen Laientanz: Ihre hauptsächlich aus Laien bestehende Tanzgruppe führte gemeinsam mit dem Bewegungschor der Berliner Volksbühne u. a. im Juni 1927 auf dem Ersten Tänzerkongreß in Magdeburg das Stück „Der gespaltene Mensch“ von Bruno Schönlank in der Choreographie von Vera Skoronel auf. T. griff auf diese Erfahrungen zurück und entwickelte 1937 anläßlich der Berliner 700Jahrfeier das Chorspiel „Zunfttänze“, das sie mit Tanzschülern und Laien im Olympiastadion zeigte. 1938 beteiligte sie sich u. a. bei den Berliner Sommerfestspielen an der Choreographie „Frohes, freies, glückliches Volk“ unter der Leitung von Hanns Niedecken-Gebhard (1889–1954). 1939 übernahm sie gemeinsam mit Helge Peters-Pawlinin (1903–81) und Günther die choreographische Leitung des Stadionspiels „Triumph des Lebens“ für den „Tag der Deutschen Kunst“ in München.

    Danach – der genaue Zeitpunkt ist bislang unbekannt – emigrierte T., eine der wichtigsten Tanzpädagoginnen des modernen künstlerischen Tanzes in Deutschland, nach Italien. Etwas später reiste sie nach Rom, wo sie Papst Pius XXII. begegnete, und konvertierte 1940 zum Katholizismus. 1941 ging sie zurück in die Schweiz, arbeitete als Turnlehrerin an öffentlichen Schulen und baute zudem 1947/48 am Universitätsklinikum Zürich die Schule für Physiotherapie mit auf. 1953 gründete sie gemeinsam mit ihrem Adoptivsohn Roberto Streiff in Brione (Tessin) ein Restaurant. Nach einem schweren Unfall 1979 lebte sie bis zu ihrem Tod in einer Klinik bei Locarno.

  • Werke

    W Schrr.: Erziehung z. Tänzer, Zeitgemäße Tanzfragen, in: P. Stefan, Tanz in dieser Zeit, 1926, S. 45 f.;
    Einige Antworten auf Fragen, die mir so über Tanz u. Schule gestellt werden, in: Liesl Freund (Hg.), Monogrr. d. Ausbildungsschulen f. Tanz u. künstler. Körperbildung, Bd. I, 1929, S. 23–28;
    Tänzerische Erziehung, in: Der Tanz 8, 1929, S. 2 f. u. H. 9, 1929, S. 5 f.;
    E. Kahn, Allerhand Nützliches, Streifzüge durch moderne Tanzschulen, in: An d. Wende, Zs. f. weibl. Bildung u. Kultur 3, H. 5, Mai 1930, S. 157 ff.; – umfangreicher Teilnachlaß: Dt. Tanzarchiv Köln (DTK).

  • Literatur

    L e. wiss. Monogr. fehlt bisher; – R. Lämmel, Der moderne Tanz, o. J. [1928];
    M. Forster, „Berthe T.“, in: Tanz u. Gymnastik 59, 2003, S. 21–26;
    dies., B. T., in: A. Kotte (Hg.), Theaterlex. d. Schweiz, 2005, Bd. 3, S. 1971 f.;
    G. Andresen, Die Tänzerin,|Bildhauerin u. Ausdruckstänzerin Oda Schottmüller (1905–1943), 2005, S. 79 ff. (P);
    R. Radrizzani (Hg.), Verena Skoronel, B. T., 2005 (P); HLS.

  • Autor/in

    Geertje Andresen
  • Empfohlene Zitierweise

    Andresen, Geertje, "Trümpy, Berthe" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 466-467 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131365924.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA