Lebensdaten
1899 bis 1976
Geburtsort
Leonberg bei Stuttgart
Sterbeort
Bühlerhöhe bei Baden-Baden
Beruf/Funktion
SPD-Politiker
Konfession
Dissident
Normdaten
GND: 129436453 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schoettle, Erwin

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Zitierweise

Schoettle, Erwin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129436453.html [20.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gottlob (* 1870), Schuhmacher in e. Fabrik;
    M Emma Keppler;
    Leonberg 1925 Helene Oswald (1903–94);
    1 T Doris (* 1928).

  • Leben

    S. besuchte in seinem Geburtsort die Realschule und absolvierte anschließend eine vierjährige Ausbildung als Schriftsetzer. Im Juni 1917 wurde er zum Heeresdienst eingezogen und 1918 an die Ostfront abkommandiert. Im Febr. 1919 setzte er seine Ausbildung fort, besuchte die Handelsschule und für einige Semester die Kunstgewerbeschule in Stuttgart. Im Juli 1921 wurde er Verlagssekretär bei der Stuttgarter SPD-Zeitung „Schwäb. Tagwacht“, im Dez. 1928 Redakteur der „Esslinger Volkszeitung“. Dank der Unterstützung Kurt Schumachers (1895–1952), mit dem er eng befreundet war, wählte ihn die Stuttgarter SPD 1931 zu ihrem Parteisekretär.

    Im Mai 1933 floh S. in die Schweiz, wo er zunächst als Grenzsekretär der Exil-SPD für den Bezirk Südwestdeutschland in St. Gallen tätig war und die Gründung von illegalen SPD-Gruppen in Württemberg botrieb. Er entfremdete sich von der Prager Exilführung der SPD und schloß sich im Juni 1934 der Gruppe „Neu Beginnen“ an, die einen Neuaufbau der Arbeiterbewegung jenseits von KPD und SPD anstrebte. Hier kooperierte er mit Waldemar v. Knoeringen (1906–71) und Fritz Erler (1913–67). Im Aug. 1939 siedelte S. nach London über, wo fortan die Auslandsleitung von „Neu Beginnen“ ihr Zentrum hatte, für die er als Sekretär arbeitete. 1939-41 Herausgeber von „Reports from Inside Germany“, wurde er nach der Annäherung von „Neu Beginnen“ an die Exil-SPD einer der Wegbereiter der „Union dt. sozialistischer Organisationen in Großbritannien“. 1941-45 war er Mitglied des Exekutivkomitees der Union, seit 1941 auch des Arbeitsausschusses der „Landesgruppe dt. Gewerkschafter in Großbritannien“, der den Neuaufbau von Gewerkschaften in Deutschland plante. Ferner engagierte er sich bei der BBC und den „schwarzen Sendern“ von Sefton Delmer in der Aufklärungsarbeit über das NS-Regime.

    Im Febr. 1946 nach Deutschland zurückgekehrt, übernahm S. Führungsfunktionen beim Wiederaufbau der SPD in Württemberg. 1947 wurde er Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag von Württemberg-Baden, 1947-49 fungierte er auch als SPD-Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des Hauptausschusses im Wirtschaftsrat der Bizone. Parallel zu seinem politischen Engagement war S. als Journalist und Verleger tätig: 1946 als Herausgeber der „Sozialistischen Monatshefte“ und Mitarbeiter beim SPD-Wochenblatt „Volkswille“ sowie seit Okt. 1946 als Geschäftsführer und Gesellschafter der „Stuttgarter Nachrichten“. Inzwischen zum engeren Führungskreis der SPD zählend, amtierte S. 1947-62 als Landesvorsitzender der SPD in Württemberg-Baden (bzw. seit 1952 in Baden-Württ.), 1948-68 als Mitglied des Parteivorstandes und 1958-65 des Parteipräsidiums. 1949-72 gehörte er dem Bundestag an, 1961-69 als dessen Vizepräsident, 1949-69 als Vorsitzender des Haushaltsausschusses, 1951-57 und 1961-64 als stellv. Fraktionsvorsitzender. Seine Verdienste um die Wiedergründung der Demokratie in Deutschland und seine Leistungen als führender Sozialdemokrat und Finanz- und Sozialexperte fanden allgemeine Anerkennung.

  • Auszeichnungen

    Gr. BVK mit Stern (1955), Schulterband (1963) u. Großkreuz (1969); Vfg.medaille (1969) u. Verdienstmedaille (1975) d. Landes Baden-Württ.; Ehrenbürger v. Stuttgart (1975).

  • Werke

    Wandlungen d. Sowjetunion, 1939;
    Decency in Socialist Controversies, 1942;
    Die neue dt. Gewerkschaftsbewegung, 1945;
    Mitvf.:
    Neu Beginnen, Was es will, was es ist u. wie es wurde, o. J. (1942);
    zahlr. Zs.art.

  • Literatur

    Finanzwiss. u. -
    pol., hg. v. Friedrich Schäfer, 1964 (FS);
    W. Nachtmann, E. S., Grenzsekr. d. Snz.demokraten f. Württ., in: M. Bosch u. W. Niess (Hg.), Der Widerstand im dt. Südwesten 1933-1945, 1984, S. 153-61;
    Klimesch (P);
    Munzinger;
    BHdE I;
    Lex. Widerstand;
    Baden-Württ. Biogrr. II;
    Biogr. Hdb. MdB; |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Archiv d. soz. Demokratie, Bonn.

  • Autor/in

    Klaus Schönhoven
  • Empfohlene Zitierweise

    Schönhoven, Klaus, "Schoettle, Erwin" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 438 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129436453.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA