Lebensdaten
1881 bis 1968
Geburtsort
Memmingen
Sterbeort
Hausham bei Miesbach (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Verleger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123414962 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schwingenstein, August

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Zitierweise

Schwingenstein, August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123414962.html [19.06.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1835–98), aus Ullstadt (Mittelfranken), Förster in Memmingen;
    M Margarete Blank (1840–1921);
    München 1910 Maria Fuhler (1885–1968), Lehrerin;
    1 S Alfred (s. 2), 1 T (früh †).

  • Leben

    S. trat nach dem Besuch der Volksschule (1887–91) und des Progymnasiums 1897 als Förster in die Dienste des Fürsten Carl Fugger v. Babenhausen. Nach dem 1. Weltkrieg, an dem er als Infanterist an der Westfront teilnahm (Lt. d. Res. 1918), schloß er sich als Befürworter der Revolution dem Bayer. Bauernbund und später dem Reichsbanner „Schwarz-Rot-Gold“ an. Am 1.4.1919 übernahm er die Redaktion der Tageszeitung des Bauernbundes „Iller-, Roth- und Günz-Bote“ und schied im folgenden Jahr aus dem Forstdienst aus. Im Febr. 1924 übersiedelte er von Illertissen nach München, wo er in enger Zusammenarbeit mit Anton Fehr (1881–1954) Pressesprecher des „Bayer. Bauern- und Mittelstandsbundes“ im Landtag wurde und die „Bauern- und Mittelstandsbund-Correspondenz“ herausgab. Außerdem gründete S. die „Wirtschaftliche Korrespondenz Schwingenstein“, die für die Tagespresse einmal wöchentlich die „Wirtschaftliche Rundschau“ sowie „Sonntagsgedanken“ und 14tägig die „Landwirtschaftliche Umschau“ herausgab. Im Landtagsgebäude kam es am 5.3.1931 zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen S. und den NS-Abgeordneten Adolf Wagner (1890–1944) und Julius Streicher (1885–1946), denen S. „lausbubenhaftes Benehmen“ vorgeworfen hatte. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde S. mit Schreibverbot für politische Nachrichten belegt, die Pressestelle des Bayer. Bauern- und Mittelstandsbundes wurde geschlossen. Seit Mai 1933 Münchner Korrespondent der kath. „Augsburger Postzeitung“, veröffentlichte S. weiterhin (allerdings anonym) seine wöchentlichen „Sonntagsgedanken“, die von verschiedenen Zeitungen abgedruckt wurden. Ein Versuch vom Nov. 1933, sich mit dem neuen Regime zu arrangieren, mißlang. 1933–37 betrieb er das Münchner Schreib- und Vervielfältigungsbüro „Graphia“, wurde dann Leiter der Buchdruckerei von Georg Wagner und erwarb 1939 den Zeitungs- und Romanverlag von der „Verlagsanstalt vormals G. J. Manz A.-G.“; Druckerei und Verlag wurden im April 1944 durch Bomben zerstört.

    Am 5.5.1945 unterbreitete S. der amerik. Besatzungsmacht ein „Exposé über den Neuaufbau der bayer. Presse“. Der amerik. Presseoffizier Joseph Dunner (1908–78) benannte ihn daraufhin zwei Monate später zusammen mit Edmund Goldschagg (1886–1971, auf Vorschlag Wilhelm Hoegners), Franz Josef Schöningh (1902–60, auf Vorschlag Wilhelm Hausensteins u. Kard. Michael v. Faulhabers) und Karl Eugen Müller (1877–1951), dem früheren Verlagsleiter der „Münchner Neuesten Nachrichten“, als Lizenzträger einer zu gründenden Zeitung; Müller schied jedoch im Sept. auf Initiative von Werner Friedmann (1909–69) wegen seiner NS-Vergangenheit wieder aus. Am 6.10.1945 erschien die erste Nummer der „Süddeutschen Zeitung“ mit dem Untertitel „Münchner Nachrichten aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport“. Am selben Tag überreichte Oberst Bernard B. McMahon die „Lizenz Nr. 1 der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung Ost“ an Goldschagg, Schöningh und S.; 1946 trat Friedmann, 1951–60 Chefredakteur, als weiterer Lizenzträger hinzu; die Lizenzträger waren zu gleichen Teilen Gesellschafter des Verlags. 1948 wurde Hans Dürrmeier (1899–1977) „Beauftragter für die Verlagsleitung“. Die „Süddeutsche Zeitung“ erschien zunächst zweimal, seit Ende 1946 dreimal wöchentlich und erreichte eine Auflagenhöhe von 400 000 Exemplaren, die jedoch wegen der Papierknappheit wieder sank. Seit dem 20.6.1949 täglich erscheinend mit einer Auflagenhöhe von 250 000 Exemplaren, entwickelte sie sich dank gezielter Personalpolitik zu einer linksliberalen Zeitung, was S. und sein Sohn wegen deren wirtschaftlichen Erfolgs hinnahmen. Den Aufstieg zum international renommierten Blatt verdankte die „Süddeutsche Zeitung“ u. a. ihrem Chefkorrespondenten (seit 1949) Hans Ulrich Kempski (1922–2007) und den eigenen Auslandskorrespondenten (seit 1965).

    S., der 1945 der CSU beigetreten war, wurde 1946 in die Verfassunggebende Versammlung gewählt und gehörte bis 1948 dem Landtag an. Zum 1.11.1951 trat er als Verlagsleiter in den Ruhestand, nachdem drei Wochen zuvor bereits Goldschagg als Chefredakteur zurückgetreten war; Nachfolger wurden Schöningh bzw. Friedmann. Bis 1961 weiterhin Gesellschafter des Süddeutschen Verlags, verbrachte er die letzten Lebensjahre vorwiegend in seinem Jagdrevier in Wildsteig.

  • Auszeichnungen

    tellv. Vors. d. Ver. Bayer. Ztg.verleger (1946); August Schwingenstein-Weg in München-Neuperlach (1976).

  • Literatur

    B. Pollack, in: SZ v. 9. 3. 1951;
    Münchner Stadtanz. v. 10. 3. 1981;
    Gesch. d. Bayer. Parl. 1819–2003, CD-ROM, 2006 (P); s. a. Qu u. L zu 2).

  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Schwingenstein, August" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 88-89 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123414962.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA