Lebensdaten
1719 bis 1790
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Prag
Beruf/Funktion
Historiker ; Piarist ; Priester
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118922912 | OGND | VIAF: 59426334
Namensvarianten
  • Dobner, Felix (Taufname)
  • Dobner, Job Felix (Taufname)
  • Dobner, Felix Jakob (Taufname)
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Zitierweise

Dobner, Gelasius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118922912.html [15.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph, Bürger v. Prag, S des Michael aus Haid b. Tachau, Tischler auf der Prager Kleinseite, u. einer dt. Prager Bürgerstochter;
    M Marianne Schäffler, reiche Prager Bürgerstochter.

  • Leben

    D. besuchte Prager Jesuitenschulen, trat 1736 in den Piaristenorden ein, studierte Philosophie, Theologie und Rechte (diese in Wien). 1741 zum Priester geweiht, lehrte er in den Ordensgymnasien Horn, Nikolsburg, Kremsier und anderen die Humaniora, erhielt 1757 das Amt eines Erziehers bei Georg Graf Mansfeld, wobei er Gelegenheit zu historischen Forschungen hatte. Mit Einsatz aller Kräfte kämpfte D. die Errichtung eines Ordenskollegs in Prag mit 6klassiger Lateinschule durch, als dessen Rektor (seit 1762) er für die geistige Entwicklung im besonderen sorgte. Auch wurde er zum Consultor der böhmischen Ordensprovinz ernannt. D. gilt infolge seiner historisch-kritischen Werke als der Erneuerer der böhmischen Geschichtswissenschaft. Nach der Methode der Mauriner wies er in dem 6 Bände starken Kommentar zur Chronik des Hajek von Libočan ( 1553) nach, daß dieses angesehenste böhmische Geschichtswerk völlig unkritisch kompiliert und mit Fabeln durchsetzt ist. Damit trat er nicht nur zu der traditionellen Richtung, etwa dem Jesuiten F. Pubitschka, in Gegensatz, sondern auch zu den literarischen Kreisen um den Fürsten Jablonowski in Leipzig und zu dem Aufklärer K. H. Seibt, der D.s barocke Manier und die Ersetzung des böhmischen Stammvaters Čech durch die Zichen verspottete. Als „Dobnerianer“ bekannten sich der Piarist N. A. Voigt und der aufgeklärte I. von Born. Trotz ungenügender Editionstechnik wurde das zweite große Werk, das neben zahlreichen Abhandlungen erschien, die Monumenta historica Bohemiae, grundlegend. D. bildet für die Geschichtswissenschaft Böhmens die Brücke zwischen Barock und Aufklärung.

  • Werke

    u. a. Wenceslai Hajek a Liboczan Annales Boëmorum, 6 Bde., Prag 1761-83; Mon. historica Bohemiae nusquam antehac edita, 6 Bde., ebd. 1764-86;
    Abh. üb. böhm. Diplomatik, ebd. 1775;
    Corr. d. G. D. mit d. Hofrate v. Rosenthal, hrsg. v. Fr. Miklosich u. J. Fiedler, in: Slaw. Bibl. od. Btrr. z. slaw. Philol. u. Gesch. II, Nr. 1, Wien 1858, S. 1-45; Briefe D.s an d. Leitmeritzer Bischof E. E. Reichsgf. v. Waldstein, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen 49, 1911, S. 396-443.

  • Literatur

    ADB V;
    J. Dobrowsky, Nekr. in: Neuere Abhh. d. kgl. böhm. Ges. d. Wiss. II, Prag 1795, S. 17;
    J. Hanuš, Počátky kritického dĝjezpytu v. Čechách, in: Česky Časopis Historidcý XV, 1909, S. 425-63;
    E. Lemberg, in: Sudetendt. Lb. III, 1934, S. 234-39 (W, L, P);
    über d. Nachlaß: J. V. Simák, Pozůstalost Dobnerova, in: Časopis Musea Království Českého 75, 1901, S. 1-20, 113-38;
    Wurzbach III.

  • Portraits

    Stich v. J. Balzer nach Zeichnung v. I. Jahn, Abb. in: Abhh. e. Privatges. in Böhmen zur Aufnahme d. Mathematik, d. vaterländ. Gesch. u. Naturgesch., hrsg. v. I. v. Born, IV, Prag 1779.

  • Autor/in

    Anna Coreth
  • Empfohlene Zitierweise

    Coreth, Anna, "Dobner, Gelasius" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 6 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118922912.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dobner: Felix Jakob D., nach seinem Klosternamen Gelasius a. S. Catharina, Piarist, der einflußreichste Historiker Böhmens, geb. zu Prag am 30. Mai 1719, ebendaselbst gestorben den 24. Mai 1790, studirte bei den Jesuiten die lateinischen Schulen, trat früh in den Piaristenorden ein, dem er auch sein Leben widmete, und lehrte seit 1736 in den Klosteranstalten seines Ordens, zu Altwasser, Leipnik, Wien, Nikolsburg, Schlan und Kremsier die sogenannten Humaniora. Im J. 1752 zog er nach Prag, woselbst er den regsten Antheil an der Förderung des neuerrichteten Collegiums des Ordens nahm. Seine ganze Thätigkeit war der geistigen Entwicklung dieser Stiftung zugewandt, bis er, von dem Weihbischof und Generalvicar von Wokaun aufgefordert, eine kritische Geschichte Böhmens zu schreiben, daran ging, durch eingehende Voruntersuchungen sich auf die Lösung dieser Aufgabe würdig vorzubereiten. Ein Ruf des Fürsten von Mansfeld als Erzieher von dessen Sohn, des jungen Grafen von Mansfeld im J. 1757 gab seiner Entwicklung eine neue Richtung, indem ihm diese neue Stellung Zeit und Gelegenheit gewährte, seine wissenschaftliche Thätigkeit ganz zu entfalten. 1762 wurde er Rector des Ordens, welche Stelle er bis 1778 bekleidete, und 1775 zum Consultor provinciae ernannt. Maria Theresia verlieh ihm einen Gnadengehalt und den Titel eines k. k. Historiographen. Bis zu seinem Lebensende blieb D. unermüdlich thätig sowol in seiner Fürsorge für die ihm anvertraute böhmische Jugend, als auch in seinen litterarischen Arbeiten. Dobner's Leistungen sind von so epochemachender Bedeutung, daß mit Recht von einer Dobner'schen Periode des historischen Studiums in Böhmen, während welcher sich ein wahres litterarisches Leben regte, gesprochen werden kann, um so mehr als D. den Grund zu den späteren litterarischen Bestrebungen legte. Seine kritische Thätigkeit eröffnete er mit der Untersuchung der von Balbin edirten Christanni Vita S. Wenceslai, angeblich von einem Sohne Boleslaws I. geschrieben, deren Unechtheit D. nachwies. Jedoch der Glanzpunkt seiner Thätigkeit begann, als er den Auftrag erhielt, die von P. Victorin a Cruce ins Lateinische übersetzte Chronik des Hajek von Liboěan ( 1553) mit kritischen Anmerkungen zu versehen. Dies gab ihm Anlaß zu einer kritischen höchst bedeutsamen That: das populärste Werk der Nation, die als durchaus glaubwürdig verehrte Geschichtsbibel Böhmens erwies D. als „eine Pfütze, aus der Niemand schöpfen noch trinken solle, der sich eines feineren Geschmackes erfreue“. Die Ausdauer, mit welcher er diesen Nachweis lieferte, ist anstaunenswerth: sechs stattliche Bände, Prag 1761—83 erschienen, bilden die kritischen Untersuchungen. Hier wie in dem Kampfe mit Duchowsky, P. Athanasius und vor allem mit dem gelehrten Jesuiten Fr. Pubitschka zeigte D. die Ueberlegenheit historischer Kritik in der glänzendsten Weise. Ebenso bedeutend ist D. als Herausgeber. Seine „Monumenta historica Boemiae“ 6 Voll., Prag 1764 bis 1786, genügen zwar den heutigen Anforderungen an Editionen nicht vollständig, sind nichtsdestoweniger noch immer eine unentbehrliche Quellensammlung. Zum Schlusse sei noch erwähnt, daß D. neben den genannten Hauptarbeiten noch in zahlreichen Abhandlungen theils seinen Gegnern entgegentrat, theils die Ergebnisse seiner kritischen Studien auf die Specialgeschichte anwandte. Welche Anregungen|D. dem litterarischen Leben in Böhmen und Mähren gegeben hat, geht schon aus der durch F. Fidler in der slavischen Bibliothek von Fr. Miklosic und F. Fidler Bd. II. mitgetheilten Correspondenz Dobner's mit dem Hofrath v. Rosenthal deutlich hervor.

    • Literatur

      Das Beste, was über D. bisher geschrieben wurde, ist der Nachruf Dobrowsky's in den neueren Abhandlungen der königl. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften, Prag 1795, II. Bd. S. 17—26 und die kurze Würdigung seiner litterarischen Thätigkeit in Krones' Handbuch der Geschichte Oesterreichs Bd. I. S. 44.

  • Autor/in

    Rieger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Rieger, "Dobner, Gelasius" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 275-276 unter Dobner, Felix Jakob [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118922912.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA