Lebensdaten
1916 bis 1993
Geburtsort
Ulm
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Bühnenbildner
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11875999X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmückle, Hans-Ulrich
  • Schmueckle, Hans-Ulrich
  • Schmückle, Hans
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Zitierweise

Schmückle, Hans-Ulrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11875999X.html [12.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1880–1948), Dr. iur., Jurist, Staatsanwalt, Erzähler, Gaukulturwart, Landesleiter d. Reichsschrifttumskammer f. Württ. u. Hohenzollern, Leiter d. Schiller-Nat.mus. in Stuttgart, zuletzt in Marktoberndorf (Allgäu) (s. Munzinger; Killy), S d. Hermann Wilhelm (* 1845), Hotelier in Esslingen/Neckar, San Remo u. Silvaplana (Kt. Graubünden), u. d. Rosa Böckel, Hoteliere ebd.;
    M Lucie (1894–1985), T d. Otto Schönhut, Fabr., u. d. Pauline Neef (1870–1961);
    B Gerd (* 1917, ⚭ Maria v. Minckwitz), Bundeswehr- u. NATO-Gen. (s. Munzinger; W);
    1) Bad Gannstatt 1949 Hedwig Rathmann (1908–52), 2) 1957 Sylta Busse (1906–89, 1] Janos Reismann), aus Westerland/Sylt, Kostümbildnerin, Mitarbeiterin v. S. (s. L).

  • Leben

    S. besuchte 1921-30 die Grundschule und das Gymnasium in Marbach/Neckar; 1932-36 war er Volontär am Württ. Staatstheater Stuttgart. Noch während des Volontariats begann er ein Studium an der Kunstakademie in Stuttgart bei Adolf Hölzel (1853–1934), in dessen Atelier er Oskar Schlemmer (1888–1943) begegnete. Zum Sommersemester 1936 wechselte er an die Akademie der Bildenden Künste in München und wurde dort im Fach „Zeichnen“ Schüler von Karl Caspar (1879–1956), dessen Klasse 1937 aufgelöst wurde. Wegen Beteiligung an einer Resolution gegen den Nachfolger Caspars 1938 exmatrikuliert, begann S. an den Städtischen Bühnen Düsseldorf 1940 als Assistent der Ausstattungsleitung und als freier Bühnenbildner zu arbeiten. Nach Kriegsteilnahme 1941-45 wurde er 1946 Bühnenbildner am Schauspielhaus und an den Kammerspielen in Stuttgart. Hier begann die enge Zusammenarbeit mit seiner späteren Frau, der Kostümbildnerin Sylta Busse. 1949 übernahm S. an|der Akademie für bildende Künste in Stuttgart kurzzeitig eine Lehrtätigkeit zur Bühnenbildgestaltung. 1950/51 arbeitete er als Ausstattungsleiter am Stadttheater Osnabrück, daneben als Gastbühnenbildner am Staatstheater Stuttgart, an der Städt. Oper Berlin, an Theatern in Dortmund, Kassel und Aachen. 1954 übernahm er die Ausstattungsleitung an den Städtischen Bühnen Augsburg, eine Tätigkeit, die alle Sparten des Theaters umfaßte und nahezu kontinuierlich bis 1983 andauerte. Darüber hinaus stattete S. zwischen 1962 und 1966 regelmäßig an der Freien Volksbühne Berlin unter der Regie von Erwin Piscator (1893–1966) aus. In denselben Zeitraum fällt auch die Mitarbeit im Experimentalstudio von Hermann Scherchen (1891–1966) in Gravesano (Schweiz).

    S.s künstlerische Wurzeln liegen einerseits in der klaren, formvereinfachenden Ästhetik des Bauhauses, v. a. Oskar Schlemmers, und andererseits in der die realpolitischen Verhältnisse reflektierenden, figurativ-expressiven Formensprache eines Karl Caspar. Die bühnenbildnerische Arbeit von Caspar Neher (1897–1962), insbesondere dessen Auffassung von Bühnenausstattung, die sich aus einer engen Zusammenarbeit zwischen Bühnenbildner und Regisseur entwickelt, lieferte das unmittelbare, zeitgenössische Vorbild für S. Durch kontinuierliche Experimente und die Erkundung neuer Materialien bei der Verwendung neuer technischer Mittel wurde er zu einem Pionier der Lichtregie; gleichzeitig waren S.s Bühnenbilder häufig auch durch technoid-konstruktivistische und dokumentatorische Elemente gekennzeichnet.

    In enger Zusammenarbeit mit Piscator, dem Berliner Ensemble und Helene Weigel (1900–71) entwickelte S. früh eine hohe Affinität zum politischen Theater. Im Team mit seiner Frau Sylta Busse wurde er in der jungen Bundesrepublik Deutschland zum bevorzugten Ausstatter von Brecht und politischen Autoren wie Kipphardt, Hochhuth und O'Casey; mit Ausstattungen zu Richard Wagners Ring, zu Opern von Werner Egk und zu Brecht-Stücken machte er in Augsburg Furore. Seine überdimensionalen Projektionen, die er zu räumlichen Schaubildern montierte, bestanden z. T. aus collagierten Zitaten berühmter Gemälde z. B. von François Boucher in der Ausstattung zu Mozarts „Hochzeit des Figaro“ (Augsburg 1962), die die Empörung eines prüden Publikums der ausgehenden Ära Adenauer erregte.

    Nach diversen Briefwechseln mit der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes und dem Bundeskanzler Willy Brandt (zwischen 1968 und 1970) verstand sich S. in den frühen 70er Jahren als Kommunikator und Mittler zwischen dem sich entfremdenden ost- und westdt. Kulturschaffen. Seine Arbeit genoß höchste Wertschätzung im In- und Ausland: Davon zeugt nicht zuletzt S.s Zusammenarbeit mit Autoren, Komponisten und Regisseuren wie Boris Blacher, Harry Buckwitz, Fritz Kortner, Oskar Fritz Schuh, Bruno Maderna, Luigi Nono, Peter Weiss, Manfred Wekwerth, Luigi Dallapiccola, Istvàn Kertesz und Yannis Xenakis.

  • Auszeichnungen

    BVK am Bande (1976); Werner-Egk-Preis (Donauwörther Kulturpreis) (1977); Teilnahme an Theaterausstellungen in Köln, Basel, Berlin, Zürich, Venedig, London, Prag u. d. Ak. d. Künste Berlin.

  • Werke

    e. krit. W-Verz. existiert bisher nicht;
    Rosamunde Floris, Städt. Oper Berlin, 1960 (Musikal. Leitung Richard Kraus, Regie Erwin Piscator);
    Trojaner (Projekt), Experimentalstudio Gravesano, 1962;
    Idomeneo, Teatro San Carlo Neapel, 1962;
    Rienzi, Freilichtbühne am Roten Tor, Festspiele Augsburg, 1963;
    Achorripsis, Experimentalstudio Gravesano, 1963 (Musikal. Leitung, Regie jeweils Hermann Scherchen);
    Robespierre, Freie Volksbühne Berlin, 1963 (Musikal. Leitung Boris Blacher);
    Der Kaufmann v. Venedig, Freie Volksbühne Berlin, 1963;
    Salome, Maggio Musicale Kirenze, 1964 (Musikal. Leitung Bruno Maderna);
    In der Sache J. Robert Oppenheimer (UA), Freie Volksbühne Berlin, 1964;
    Die Ermittlung (UA), Freie Volksbühne Berlin, 1965 (Musikal. Leitung Luigi Nono);
    Aufstand d. Offiziere (UA), Freie Volksbühne Berlin, 1966 (Regie jeweils Erwin Piscator);
    Othello, F. Man Auditorium Tel Aviv, 1965 (Musikal. Leitung u. Regie István Kertész);
    Abraxas, Komische Oper Berlin, 1966 (Musikal. Leitung Werner Egk);
    Aufstieg u. Fall d. Stadt Mahagonny, Bühnen d. Stadt Leipzig, 1967 (Musikal. Leitung Walter Hessel, Regie Joachim Herz);
    Schweyk im 2. Weltkrieg, Städt. Bühnen Augsburg, 1968 (Regie Karl Bauer);
    Der Sturm, Schillertheater Berlin, 1968 (Regie Fritz Kortner);
    Fidelio, Scottish Opera Glasgow, 1970 (Musikal. Leitung Alexander Gibson, Regie Peter Ebert);
    Guerillas, Schauspielhaus Zürich, 1971 (Regie Harry Buckwitz);
    Die Hebamme (UA), Schauspielhaus Zürich, 1972 (Regie Helmut Kraut);
    Jegor Bulytschow u. d. anderen, Schauspielhaus Zürich, 1973;
    Richard III, Schauspielhaus Zürich, 1974 (Regie jeweils Manfred Wekwerth);
    Schw.:
    Piscator u. d. Szene, o. J.;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Dt. Theatermus., München; – zu Gerd: Ohne Pauken u. Trompeten, Erinnerungen an Krieg u. Frieden, 1982.

  • Literatur

    H.-U. S., Sylta Busse, Theaterarbeit, Eine Dok., hg. v. E. Nölle, Theatermus. München, o. J. [1975];
    Kosch, Theater-Lex.;
    Kürschners Biogr. Theater-Hdb., 1956;
    Friedrichs Opernlex., dt. Ausg. bearb. v. H. O. Spingel, 1969;
    Riemann Erg.bd.;
    H. Seeger, Opernlex., 21989;
    Theater Alm. 95, 1986/87 (1987) S. 621, 100, 1991/92(1992) S. 839-840, 102, 1993/94 (1994), S. 757;
    Theater-Lex., hg. v. H. Rischbieter, 1983;
    Theaterlex., hg. v. C. B. Sucher, 1995;
    |C. Trilse, K. Hammer, R. Kabel, Theaterlex., 1977;
    P. S. Ulrich, Theater, Tanz u. Musik im Dt. Bühnenjb., Nachtr. I: 1983-1991;
    Lex. Theater Internat., hg. v. J. Ch. Trilse-Finkelstein u. K. Hammer, 1995;
    Augsburger Stadtlex. (fehlerhaft, P).

  • Portraits

    Foto v. Heinrich Fürtinger;
    Arbeitsporträt: S. mit Luigi Nono, Peter Weiss u. Erwin Piscator am Regiepult, bei d. Proben zu „Die Ermittlung“, Freie Volksbühne Berlin 1965 (beide Dt. Theatermus., München).

  • Autor/in

    Susanne de Ponte
  • Empfohlene Zitierweise

    Ponte, Susanne de, "Schmückle, Hans-Ulrich" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 265-267 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11875999X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA