Lebensdaten
1838 bis 1909
Geburtsort
Sprockhövel (Westfalen)
Sterbeort
Elberfeld
Beruf/Funktion
Unternehmer ; Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 133784827 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmidt-Elberfeld, Reinhart
  • Schmidt, Reinhart
  • Schmidt-Elberfeld, Reinhart

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Schmidt, Reinhart, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133784827.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit 1545 mit Wincken Smeydt, Richter zu Herbede, nachweisbarer berg.-märk. Kaufm.fam.;
    V Peter Ludwig S. (1804-81), Kaufm., Eisenhändler, Inh. e. Werkzeugfabrik seit 1841 in E., 1863-66 Abg. im preuß. LT f. d. Wahlkreis Elberfeld-Barmen (Linkes Zentrum);
    M Elise Franziska (* um 1804), T d. Johannes zur Nieden, Pfarrer in Emmerich.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Elberfeld absolvierte S. eine technische Ausbildung. Seinen Militärdienst leistete er 1857/58 im Ks.-Franz-Garde-Grenadier-Rgt., wo er die Befähigung zum Offizier erlangte. 1869 gründete S. in seiner Heimatstadt, in der er dauerhaft seinen Wohnsitz hatte, eine kleine, mit einem Papiergeschäft verbundene Briefumschlagfabrik, die sich unter seiner Leitung zu einer der größten in Deutschland entwickelte, 1970 als „Reinhart Schmidt G.m.b.H.“ ihr 100jähriges Firmenjubiläum beging und 1998 von der „Wolf-Bauwens-Gruppe“ übernommen wurde.

    Daneben wirkte S. v. a. als Parlamentarier in den verschiedensten Gremien. Seit 1873 war er mit kurzer Unterbrechung bis an sein Lebensende kommunalpolitisch als Stadtverordneter in Elberfeld tätig. Im rhein. Provinziallandtag vertrat er die Stadt seit 1880. Eine 1905 gegründete Walderholungsstätte für Arbeiter im Forst Burgholz bei Elberfeld ging auf seine Anregung und Stiftung zurück. Überregional betätigte sich S. neben seiner langjährigen Mitgliedschaft im Beirat für Arbeiterstatistik auch 1881-84 und 1887-1907 als freisinniger Parlamentarier (seit 1893 Fortschrittspartei) im Reichstag, dessen 1. Vizepräsident er 1895-98 und 2. Vizepräsident dann bis 1900 war. Zugleich vertrat er 1890-93 und 1899-1909 den Wahlkreis Hagen-Schwelm im preuß. Landtag. In der Fortschrittspartei war er seit 1893 Vorsitzender ihres Zentralausschusses, seit dem Tode Eugen Richters (1838–1906) leitete er ihre Parteitage. Nach der konservativ-liberalen Blockbildung verlor er 1907 sein Reichtagsmandat. Auch international trat S. in Erscheinung als Vorsitzender der Dt. Gruppe der Interparlamentarischen Union für Schiedsgericht und Frieden.

    S. engagierte sich besonders für sozialpolitische Belange. 1889 trug er zur Beilegung des rhein.-westfäl. Bergarbeiterstreikes bei. In den Kommissionen zur Beratung sozialpolitischer Gesetzentwürfe tat er sich hervor, so beim Arbeiterschutzgesetz, bei den Änderungen zur Gewerbeordnung und bei der Arbeiterversicherung. Für seine Verdienste um das Invalidenversicherungsgesetz wurde ihm 1899 der preuß. Kronenorden II. Kl. mit Stern verliehen, dessen Zurückziehung das Staatsministerium wegen regierungskritischer Äußerungen im Okt. 1900 erörterte. S. galt als „einer der verdientesten Politiker des entschiedenen Liberalismus“ (Berliner Tagebl. Nr. 537 v. 22.10.1909), sein Wirken als einer der führenden Vertreter des Linksliberalismus und Pazifismus seiner Zeit hat bislang keine monographische Würdigung erfahren.

  • Auszeichnungen

    KR (1907); Roter Adlerorden II. Kl. (1908).

  • Literatur

    Gert Schmidt, in: Wuppertaler Biogrr. 4, 1962, S. 88-93 (mit irrtüml. Angabe d. Ehrenbürgerwürde) (P);
    Dt. Zeitgenossenlex.;
    Wi. 1908 (ohne Geneal.);
    Hdb. f. d. preuß. Abg.haus, 1908, S. 427 u. 510 (P);
    BJ 15, Tl. (fälschl. unter: S., Bernhard);
    Voss. Ztg. v. 22.10.1009 (Mittagsausg.);
    Der Tag (Ill. Tag) Nr. 248 u. 250 (P);
    Dt. Nekr. 1909, Sp. 84 (mit falschen Angaben z. Vornamen, Todesdatum u. z. parl. Tätigkeit);
    Biogr. Hdb. Preuß. Abg.haus I.

  • Autor/in

    Bärbel Holtz
  • Empfohlene Zitierweise

    Holtz, Bärbel, "Schmidt, Reinhart" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 214 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133784827.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA