Lebensdaten
1864 bis 1944
Geburtsort
Luckenwalde (Brandenburg)
Sterbeort
Neubabelsberg
Beruf/Funktion
Bankier
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117314862 | OGND | VIAF: 69704600
Namensvarianten
  • Urbig, Franz

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Zitierweise

Urbig, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117314862.html [09.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Gottlieb (1834–83), Tuchmachermeister, Werkführer in L.;
    M Henriette Krüger (* 1832);
    Bremen 1907 Dorothea (1881–1968), T d. Ernst Seebeck (1846–1905), Kaufm. in Bremen u. Kalkutta, u. d. Rosalie Feez (1851–1936);
    2 T Marianne (1909–98, Günther Gericke, 1887–1970, Oberst i. G.), Elisabeth (1910–98), Referentin d. Ev. Hilfswerks in Stuttgart.

  • Leben

    U. durchlief einen ungewöhnlichen sozialen Aufstieg, der ihn aus dem Arbeitermilieu an die Spitze des dt. Finanzwesens führte. Er besuchte die Bürgerschule seiner Heimatstadt und arbeitete anschließend als Schreiber des Amtsgerichts Luckenwalde. Vermittelt durch Ferdinand v. Hansemann (1861–1900), Sohn des Chefs der „Disconto-Gesellschaft“, wechselte U. 1884 in diese damals führende dt. Großbank, wo er seit 1889 im Chefkabinett arbeitete, das die Kapitalmarktgeschäfte der|Bank betreute. 1894 entsandte ihn die Disconto-Gesellschaft zur 1889 von ihr mitgegründeten „Deutsch-Asiatischen Bank“ (DAB) nach China, wo er zunächst in Shanghai tätig war. Im folgenden Jahr verhandelte er in Peking die erste chines. Anleihe, die auf dem dt. Kapitalmarkt emittiert wurde. 1896 stieg er zum stellv. Vorstandsmitglied auf und übernahm die Leitung der DAB-Filiale in Tientsin, bevor er 1900 nach Europa zurückkehrte. Kurzzeitig war er auch in Japan und Indien für die DAB tätig. Er arbeitete mit am Aufbau der Londoner Filiale der Disconto-Gesellschaft und weitete die internationale Handelsfinanzierung der Bank erheblich aus. 1902 wurde U. in den Kreis der Geschäftsinhaber der Disconto-Gesellschaft aufgenommen. In dieser Funktion war er neben dem laufenden Geschäft der Börsen- und Wechselbüros auch zuständig für die internationalen Wertpapieremissionen. Daneben war er Aufsichtsratsmitglied bei mehreren zum Disconto-Konzern gehörenden Banken, u. a. 1905–29 bei der „Süddeutsche Disconto-Gesellschaft“ in Mannheim, und 1910–44 Aufsichtsratsvorsitzender der DAB. Ein weiteres Betätigungsfeld U.s waren dt. und belg. Kolonialgesellschaften wie die „Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft“.

    Mit dem Beginn des 1. Weltkriegs wurde U.s Wirken national begrenzt. Er engagierte sich bei der Organisation von zur Bewirtschaftung knapper Güter gegründeter Kriegsgesellschaften, z. B. der „Kriegsleder-AG“. Nach dem Waffenstillstand 1918 wurde er von der dt. Regierung als Finanzsachverständiger für Verhandlungen mit den Siegermächten herangezogen. U. war enttäuscht von der dt. Zustimmung zum Versailler Vertrag, dessen wirtschaftliche Bestimmungen er als unerfüllbar ansah, wandte sich in Übereinstimmung mit Hugo Stinnes (1870–1924) vehement gegen die Erfüllung der geforderten Reparationen und bekämpfte sozialpolitische Maßnahmen der Weimarer Republik, v. a. die Einführung des Achtstundentags. Geprägt von der Wirtschaftspolitik des Kaiserreichs, lehnte er staatliche Eingriffe in die Handlungsspielräume der Unternehmer ab.

    Ende 1923 war U. als Reichswährungskommissar vorgesehen, seine Berufung scheiterte jedoch an seinen Forderungen, sich von den Reparationslasten zu befreien und die sozialen Errungenschaften der Revolution zurückzunehmen. Stattdessen wurde Hjalmar Schacht (1877–1970) zum Währungskommissar ernannt. U. wurde Mitglied im Verwaltungsrat der Rentenbank und vertrat dort erfolgreich eine Politik des knappen Geldes. Seit 1924 saß er im Generalrat der Reichsbank und im Aufsichtsrat der neugegründeten „Deutschen Golddiskontbank“.

    In der Zwischenkriegszeit engagierte sich U. auch bei der Konsolidierung der internationalen Finanzbeziehungen. Er vertrat dt. Gläubigerinteressen gegenüber den Staaten des ehemaligen Österreich-Ungarn, Rußland und China. Eine Neuordnung der dt. Industrie suchte er in Konglomeraten wie der „Vereinigte Industrieunternehmungen AG“ (VIAG) und der „Vereinigte Stahlwerke AG“ (VSt) zu erreichen. International war er für Deutschland zuletzt Mitglied des Schiedsgerichts zu den Stillhalteverhandlungen, die das Reich nach der Einstellung seiner Zahlungsverpflichtungen 1931 aufgenommen hatte.

    Nach der Verschmelzung der Disconto-Gesellschaft mit der „Deutschen Bank AG“ 1929 wechselte U. in den Aufsichtsrat des fusionierten Instituts, dessen Vorsitz er 1930 übernahm und bis 1942 innehatte. Als Vorsitzender dieses Gremiums stellte er seine Loyalität zur Bank über die zu langjährigen Kollegen. Als 1933 Oscar Wassermann (1869–1934) und kurz darauf Georg Solmssen (1869–1957) aufgrund ihrer jüd. Herkunft und des politischen Drucks ihre Ämter als Vorstandssprecher niederlegten, hielt U. dies für unabwendbar und unterließ jeden Versuch, sie zu halten. Dennoch war seine Beziehung zum NS-Staat distanziert. Dessen Eingriffe in die Wirtschaft lehnte er ebenso ab, wie die der demokratisch legitimierten Regierungen nach 1918.

    U. starb kurz vor Kriegsende in seiner von Mies van der Rohe erbauten Villa in Neubabelsberg, in die im Sommer 1945 während der Konferenz von Potsdam die Premierminister Churchill und Attlee einzogen.

  • Werke

    W China u. seine Währung, in: Bank-Archiv, 1910/11, Nr. 21, S. 323–26;
    Passionszeit, ebd., 1920/21, Nr. 13, S. 185–87;
    Die Bank f. Internat. Zahlungsausgleich, ebd., 1929/30, Nr. 6, S.105–08;
    Meine Berufszeit v. 15. Juli 1884 bis 29. Dez. 1902, 1934, in: Hist. Ges. d. Dt. Bank (Hg.), F. U., Aus d. Leben e. dt. Bankiers, 2014, S. 40–83;
    Die Vorkriegsgründungen dt. Banken u. Bankfilialen im Ausland, in: Der dt. Volkswirt, Beih. z. Nr. 22, 1936.

  • Literatur

    L M. Müller-Jabusch, F. U., 21954 (P);
    E. W. Schmidt, Männer d. Dt. Bank u. Disconto-Ges., 1957, S. 60 f. (P);
    H. James u. Martin L. Müller (Hg.), Georg Solmssen, ein dt. Bankier, Briefe aus e. halben Jh. 1900–1956, 2012 (P);
    Martin L. Müller, F. U., Eine biogr. Skizze, in: Hist. Ges. d. Dt. Bank (Hg.), F. U., Aus d. Leben e. dt. Bankiers, 2014, S. 8–39 (P);
    Wenzel;
    Rhdb. (P); Qu Hist. Inst. d. Dt. Bank, Frankfurt/M.

  • Portraits

    P Zeichnung v. F. Reusing, o. J. (Privatbes.).

  • Autor/in

    Martin L. Müller,
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Martin L., "Urbig, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 664-665 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117314862.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA