Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Aachener und Stolberger Fabrikantenfamilie
Konfession
katholisch,reformiert
Normdaten
GND: 13980353X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schleicher

Verknüpfungen

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Zitierweise

Schleicher, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13980353X.html [21.10.2019].

CC0

  • Leben

    1450 wurde Jakob als Hausbesitzer in der Reichsstadt Aachen im ältesten Grafschaftsbuch genannt. 1514 war Johann Mitglied der Patriziergesellschaft zum Bock. 1532 handelte der Kupfermeister Anton, ein Messingfabrikant, auf der Frankfurter Messe; sein Name erscheint in den Rechnungen des Augsburger Handelsunternehmens Welser. Sein Sohn Codart ( 1569) heiratete Gertrud von der Channen, Enkelin des Messingfabrikanten Daniel von der Channen, der aus Dinant nach Aachen übergesiedelt war und 1450 zu den Gründern der Kupferschlägerzunft gehört hatte. Um 1540 konvertierte Godart mit seiner Familie wie die meisten Kupfermeister zum reformierten Glauben. Sein Sohn Anton (1558–1619/25) ließ sich nach der Ächtung der Aachener Protestanten (1598) in Amsterdam nieder und wurde Stammvater des in den Niederlanden lebenden Familienzweiges; von ihm stammt Johann ab, der als Bürgermeister von Den Haag 1815 von Wilhelm I., Kg. der Niederlande, geadelt wurde. Ob Servais und Leonhard (1526/36-1606) Godarts Söhne waren, kann nicht eindeutig geklärt werden. Servais war ein Reformierter, aber schon seine Söhne kehrten zum kath. Glauben zurück. Sie und ihre Nachkommen gehörten dem Aachener Patriziat an und bekleideten bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit (1794) leitende Positionen in der Verwaltung. Servais' Sohn Leonhard (1591-um 1656) war 1637-51 viermal Bürgermeister, sein Enkel Leonhard (1619-um 1680) 1655-63 fünfmal, und sein Enkel Matthias (1624–73) wurde nach dem Jurastudium zum Syndikus der Stadt bestellt. Der Urenkel Nikolaus (1660-um 1720) gelangte um 1700 als Schöffenrichter nach Heinsberg, wo seine Nachkommen noch Anfang des 19. Jh. in höheren Beamtenstellungen tätig waren. Servais' Bruder Leonhard unterschrieb 1559 eine Eingabe der Aachener Protestanten an den Augsburger Reichstag. Als der Stadtrat 1571 den Protestanten die Verbannung aus der Stadt und ihrem Territorium androhte, erwarb er ein Grundstück in der Unterherrschaft Stolberg, die zum Hzgt. Jülich gehörte. 1575 errichtete er dort einen Kupferhof (e. Produktionsstätte f. Messingwaren) und nutzte hierfür die ergiebigen Galmeivorkommen im Stolberger Raum. Er war der erste Aachener Kupfermeister, der nach Stolberg übersiedelte, und wurde zum Stammvater der zahlreichen Stolberger Familienzweige. Seine Söhne Leonhard (1561-nach 1641), Lambert ( 1593/98), Abraham (1566-vor 1630), Isaac ( vor 1625) und Adam betrieben u. a. den Kupferhof Schart, den Bernhardshammer, den Knautzenhof, den Henneshammer, die Höfe Rose und Vogelsang. Während der Blütezeit des Stolberger Messinggewerbes (um 1660–1750) erwarben bzw. errichteten ihre Nachkommen weitere Kupferhöfe: Johannes (1676–1750) kaufte 1711 die Ellermühle und haute 1724 den Kupferhof Rosenthal: Guilleaume (1673–1730) erwarb 1718 den Untersten Hof. Seine Urenkelin Sara (1760–1814) heiratete den Eisen- und Papierfabrikanten Eberhard Hoesch (1756–1811) in Schneidhausen b. Düren (s. NDB IX*). Der Kaufmann Abraham ( vor 1694) wanderte 1664 nach Schweden aus, wo er sich vermutlich am Kupferhandel beteiligte. Von dort bezogen die Messingfabrikanten schon im 17. Jh. Kupfer auf dem Seeweg über die niederländ. Häfen, wo ebenfalls Angehörige als Kaufleute tätig waren. Der Niedergang des Messinggewerbes zwang einige Familienmitglieder am Ende des 18. Jh., sich nach neuen Erwerbsmöglichkeiten umzusehen. Schon Matthias (* 1720) betrieb auf dem Bernhardshammer auch eine Wachstuchfabrik. Sein Sohn Laurenz ließ sich als Wachstuch- und Tapetenhersteller in Düsseldorf nieder. 1790 beteiligte sich Isaac (1751–1815) an der St. Johannis-Hohlglas-hütte auf dem Hammerfeld, der ersten Glashütte in Stolberg. Johann Nikolaus (1769–1845) gründete eine weitere Glashütte im Prattelsack. Friedrich Adolf (1771–1848) errichtete eine Seidenfabrik in Elberfeld und verlegte diese 1811 nach Viersen. Die Brüder Robert (1838–1907) und Julius (1840–1903) errichteten eine Feinleder- und Parfümeriefabrik in Riga. Guilleaumes Urenkel Matthias Leonhard (1758–1836) blieb als Kupfermeister auf dem Untersten Hof, gründete aber 1819 auch die Nadelfabrik Schönthal im Wehebachtal bei Langerwehe. Diese baute sein Sohn Carl Victor (1803–83) mit Erfolg aus und beteiligte sich an der Dürener Papierfabrik „Carl Schleicher & Schüll“. Carl Victors Urenkel Hermann (1883–1947) mußte 1933 der Fusion der Nadelfabrik mit der Aachener Konkurrenzfirma Jungbecker zustimmen, die die Majorität hielt. Matthias Leonhards Sohn Matthias Ludolf (1788-1831) erbte den Untersten Hof, wo er das Messingwerk „Matthias Leonhard Schleicher Sohn“ fortsetzte. 1819 beteiligte er sich an der ersten Stoiberger Zinkhütte auf der alten Velau und 1821 an der Firma „Schleicher, von Asten & Prym“. Sein Sohn Eduard (1813–73) führte im väterlichen Unternehmen ein neu entwickeltes Schmelzverfahren ein; 1860-72 war er Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Stolberg. Seine Tochter Aline (1854–1933) war verheiratet mit dem Hüttendirektor und Leiter der Luxemburger Bergwerks- und Saarbrücker Eisenhütten-Aktiengesellschaft Carl Theobald Jung (1845–1901). Eduards Sohn Emil (1850–1933) konzentrierte die auf mehrere Standorte verteilten, inzwischen veralteten Einzelbetriebe in einem neu errichteten Fabrikkomplex auf dem Untersten Hof und modernisierte den Betrieb, der inzwischen als „Matthias Ludolf Schleicher Sohn“ firmierte, indem er u. a. Bandwalzwerke einführte. Sein Neffe Kurt (1891–1947) gründete 1933 mit Oskar Lynen ( 1944) die „Stolberger Metallworke GmbH“, in der die konkurrierenden Unternehmen „Matthias Ludolf Schleicher Sohn“ und „von Asten & Lynen GmbH“ fusionierten. Kurts Sohn Karl (1922–2005) wirkte beim Wiederaufbau des Unternehmens nach dem 2. Weltkrieg mit. Nachdem die „Kabel- und Metallwerke Gute Hoffnungshütte AG“ (Hannover) sich schon 1969 an den „Stoiberger Metallwerken“ beteiligt hatten, übernahm sie 1987 auch die restlichen Anteile des Traditionsunternehmens.

  • Literatur

    H. F. Macco, Btrr. z. Geneal. rhein. Adels- u. Patrizierfamilien, 2 Bde., 1884/87;
    1850-1925, Aus Vergangenheit u. Gegenwart wirtschaftl. Geschehens im Bez. d. IHK f. d. Kreise Aachen-Land. Düren u. Jülich zu Stolberg (Rheinland), FS d. Kammer aus Anlaß ihres 75j. Bestehens, April 1925 [1925];
    125 J. IHK zu Aachen, FS z. Feier ihres 125j. Bestehens, i. A. d. IHK bearb. v. Archivdir. Prof. Dr. A. Huyskens, I, 1929;
    L. Freiin v. Coels v. der Brügghen, Die Aachener Bgm. v. 1251 bis 1798, in:|Zs. d. Aachener Gesch.ver. 55, 1933/34, S. 41-77;
    S. Schleicher, Die Sippe S. v. 1450-1850, I, [1937];
    Dt.GB 99, 1938;
    150 J. IHK Aachen, i. A. d. Kammer bearb. v. d. Geschäftsführung, [1954];
    R. Hamacher, Die Entwicklung d. Stolberger Ind. ohne Berücks. d. Messingind. seit 1815, 1956;
    Karl Schleicher, Gesch. d. Stolberger Messingind., 1956;
    Kurt Schleicher, Die Sippe S. v. d. Zeit um d. Mitte d. 19. Jh. bis z. Wiederaufbau nach d. zweiten Weltkrieg, II, 1957;
    E. Arens u. W. L. Janssen, Gesch. d. Club Aachener Casino, 21964, hg. v. E. Janssen u. F. Kuetgens;
    C. Bruckner, Zur Wirtsch.gesch. d. Reg.bez. Aachen, 1967;
    J. Kermann, Die Manufakturen im Rheinland 1750-1833, 1972;
    J. Sion (Bearb.), Gesch. d. Stolberger Metallwerke KG von Asten, Lynen & Schleicher, Stolberg/Rheinland, 1933–1969, nach e. Entwurf v. Kurt Schleicher, 1975;
    K. van Eyll, Hof Grünenthal, Die Gesch. e. Stolberger Kupferhofes u. seiner Familien 1699-1999, 1999;
    dies. u. O. Eschweiler (Hg.), Wirtsch.-gesch. d. Region Aachen v. Ende d. Zweiten Weltkriegs bis z. Gegenwart, 2000;
    Stolberg 1992-1998, hg. v. Rat u. Verw., [1999];
    475 J. Stolberger Metallwerke 1575-2000, [2000];
    H.-J. Ramm, Hof Grünenthal, Standort prot. Kupfermeister u. anderer Unternehmer, in: U. Rieske-Braun (Hg.), Protestanten in Aachen, 200 J. Ev. Annakirche, 2003, S. 109-17.

  • Portraits

    Gem. „Leonhard Schleicher (1535–1606) erwehrt sich mit seinen Söhnen d. Übergriffe d. Johann Holsit am 5.6.1585, dargest. nach Prozessakten“ u. Porträts zu Matthias Leonhard ( 1836), Friedrich Adolf ( 1848), Matthias Ludolf ( 1831), Carl Victor ( 1883), Eduard ( 1873), u. Emil S. ( 1933) (alle in Privatbes.).

  • Autor/in

    Hans-Joachim Ramm
  • Empfohlene Zitierweise

    Ramm, Hans-Joachim, "Schleicher" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 47-49 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13980353X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA