Lebensdaten
1862 bis 1934
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
München-Schwabing
Beruf/Funktion
Schachmeister ; Schachschriftsteller ; Arzt
Konfession
jüdisch,lutherisch
Normdaten
GND: 118620843 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Tarrasch, Siegbert Kurt
  • Tarrasch, Siegbert
  • Tarrasch, Siegbert Kurt
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Zitierweise

Tarrasch, Siegbert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118620843.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Moritz (1833–73, aus Wartenberg, Getreidehändler;
    M Philipine (1830–1900), seit 1875 Kauffrau u. Kohlehändlerin, T d. Jacob Grabower (eigtl. Grabowski) (1825–78) u. d. Ernestine N. N. ( 1897/98);
    1 B Georg (1858–1922, Dr. iur. Dr. med. Dr. phil., RA, später Arzt;
    1) Bamberg 1887 1924 Anna Rosalie (1865–1940, aus Solothurn, T d. Eduard Rudolf (1836–1903, aus d. Schweiz, Baumwollspinnereidir. in Hof, u. d. Franziska Andres (1840–74, aus d. Schweiz, 2) München 1924 Gertrude Helene (1892–1966, T d. Karl Schröder, Gastwirt, u. d. Maria Grigo, aus Dworatzken (Masuren);
    3 S aus 1) Friedrich (Fritz) Max (1888–1915 ⚔), Dr. phil., Lt., Hans (Curt) Richard (1890–1916 Verkehrsunfall), Paul (1892–1912 Freitod), 3 T aus 1) (1 früh †) Grete (Gretchen) (1890–1976, 1] Johannes N. Bolz, 1885–1918, 2] Karolus W. S. Jira, 1880–1970), Eva (1897–1993, ⚭ Robert Hermann Gall, 1884–1943).

  • Leben

    Nach dem Abitur am Elisabeth-Gymnasium in Breslau studierte T. seit 1880 Medizin in Berlin und Halle/Saale (eine Promotion ist nicht nachweisbar). Nach kurzer Tätigkeit als Landarzt 1886 ließ er sich im folgenden Jahr als praktischer Arzt in Geroldsgrün (Oberfranken) nieder. 1914 zog er nach München um.

    T. erlernte das Schachspiel als 6jähriger, beschäftigte sich aber erst als Jugendlicher intensiver damit. Auf dem Kongreß des Dt. Schachbunds 1883 in Nürnberg errang er die Meisterwürde. 1889 (Breslau), 1890 (Manchester), 1892 (Dresden) und 1894 (Leipzig) gewann er internationale Schachturniere und galt als stärkster Schachspieler der Welt. Obwohl er 1892 einen Weltmeisterschaftskampf gegen den alternden Weltmeister Wilhelm Steinitz (1836–1900) und 1894 die Herausforderung des neuen Weltmeisters Emanuel Lasker (1868–1941) ablehnte, beanspruchte er aufgrund seiner Turniererfolge den Weltmeistertitel für sich. 1898 gewann er das „Internationale Kaiser-Jubiläums Turnier“ in Wien und war auf dem Höhepunkt seiner schachpraktischen Erfolge. Seine beste historische Elo-Zahl betrug 2824 im Juni 1895. Erst 1908 kam es zu einem Kampf mit Lasker, den T. klar verlor. Im St. Petersburger Schachturnier 1914 verlieh ihm Zar Nikolaus II. den neu gestifteten Titel eines Großmeisters. 1928 beendete T. das aktive Turnierschachspielen.

    Als Vereinsvorsitzender des Nürnberger Schachvereins war T. 1890–1901 schachpolitisch im Dt. Reich aktiv. Als Reaktion auf die Erfahrung des Antisemitismus bemühte er sich verstärkt um persönliche Anerkennung als „Deutscher unter Deutschen“ und entwickelte einen in zeitgenössischen Quellen zuweilen karikierten wilhelminisch-bürgerlichen Habitus. T.s Neigung zur Formulierung „absoluter“ Wahrheiten im Schach, die seine „Lehre vom einzig korrekten Zug“ belegt, trug ihm den (unhaltbaren) Vorwurf des Dogmatismus ein. Gleichwohl war er der erste, der in seinen häufig nachgedruckten Werken systemhaft allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten des Schachspiels anschaulich und didaktisch klar in Lehrsätzen formulierte, was ihn bis in die Gegenwart zum Lehrmeister vieler Generationen von Schachspielern werden ließ. Heute tragen Spielzüge wie die T.-Verteidigung im Damengambit, die T.-Variante der Franz. Verteidigung und die T.-Falle den Namen ihres Erfinders. Von Okt. 1932 bis März 1934 gab T. eine eigene Schachzeitung heraus (T.s Schachztg., Nachdr. 1984).

  • Auszeichnungen

    A Ehrenmitgl. u. a. d. Schachklubs Halle/ Saale, d. Schachklubs Nürnberg, d. Dresdner Schachvereinigung, d. Schachklubs Riga, d. Akad. Schachklubs München, d. Bayer. Schachbunds, d. Niedersächs. Schachverbands, d. Schachklubs Budapest, d. Dt. Schachbunds, d. Schachklubs Breslau u. d. City of London Chess Club (1915 aberkannt).

  • Werke

    Der Schachwettkampf zw. Dr. S. T. u. M. Tschigorin, Ende 1893, Mit gründl. Erll., 1893 (mit A. Heyde);
    Dreihundert Schachpartien, gespielt u. erl., 1895 (P, Autobiogr.);
    Der Schachwettkampf Marshall – T. im Herbst 1905, 1905;
    Der Schachwettkampf Lasker – Marshall im Frühj. 1907, 1907;
    Das Champion-Turnier zu Ostende im J. 1907, 1907, Nachdr. 1986;
    Der Schachwettkampf Lasker – T. um d. Weltmeisterschaft im Aug.Sept. 1908, Mit e. Anhang: Neue Unterss. über Turmendspiele, 1908;
    Dreihundert Schachpartien, Ein unsystemat. Lehrb. d. Schachspiels f. geübte Spieler, 1909;
    Die moderne Schachpartie (. . .), 1912, Nachdr. 2003;
    Der Schachwettkampf T. – Mieses im Herbst 1916, 1916;
    Das gr. Schachturnier zu Nürnberg 1896, Slg. sämtl. Partien, 1921;
    Dreihundert Schachpartien, Ein Lehrb. d. Schachspiels f. geübte Spieler, 1925, Nachdr. 2005;
    Internat. Schachturnier zu Baden-Baden vom 15. Apr. bis 14. Mai 1925, Slg. sämtl. Partien, 1925;
    Das Schachspiel, Systemat. Lehrb. f. Anfänger u. Geübte, 1931, Nachdr. 2009, franz. 1952, Nachdr. 1992.

  • Literatur

    F. Reinfeld, T.`s Best games of chess, 1947;
    A. Brinckmann, S. T., Lehrmeister d. Schachwelt, 1963 (P);
    H. Balló, S. T., Schachspieler, Arzt, Deutscher, Jude, in: Schach-Report Nr. 5 u. 6, 1995;
    W. Kamm, S. T., Leben u. Werk, 2004;
    Stadtlex. Nürnberg;
    Gedenkbuch Münchner Juden (P).

  • Autor/in

    Harald E. Balló
  • Empfohlene Zitierweise

    Balló, Harald E., "Tarrasch, Siegbert" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 791-792 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118620843.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA