Lebensdaten
1683 bis 1764
Geburtsort
Jacobshagen (Kreis Saatzig, Pommern)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Kaufmann ; Bankier
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139566937 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Splitgerber, David

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Zitierweise

Splitgerber, David, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139566937.html [17.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Daniel, Mühlenmeister auf d. Warchiner Mühle b. Arnswalde (Pommern), 1681 Bürger in J., 1685 Bes. d. Mahl- u. Schneidemühle, 1699 Bgm. ebd.;
    M N. N., vermutl. T d. Balthasar Schünicke, Bürger, Brauherr in J.;
    ⚭ Johanna Dorothea ( 1751), T d. Georg Reichenau, Dr. med., Hofmedicus;
    1 S David v. S. (1741–1823, preuß. Adel 1789), auf Lichterfelde, Domherr v. Cammin, Jägermeister d. Prinzen Ferdinand v. Preußen, 2 T Ernestina Johanna (1737–62, ⚭ Johann Jacob Schickler, 1711–75, aus Mühlhausen, Elsaß, seit 1745 Bankier in B., 1759 Teilh. v. S.s Geschäft, s. NDB 22, Fam.art.), Charlotte Catharina (1741–63, ⚭ Heinrich Berendes, aus B., 1759 Teilh. v. S.s Geschäft, nach S.s Tod mit Johann Jacob Schickler Inh. v. S.s Geschäft);
    N David Friedrich (1739–1827), aus J., Kaufm., Mitgründer u. Dir. d. Erwerbsschule in B. (s. NND V, 1829);
    E David v. S. (1766–1822), gfl. pappenheim. Oberförster u. Forstkontrolleur, Christian v. S. (1771–1810), preuß. Jagdjunker, Auguste v. S. (1785–1858, Job v. Witzleben, 1755–1837, preuß. Gen.lt. u. Kriegsmin., s. ADB 43);
    Gr-N David, Untern., Chef d. Handelshauses in Braunsberg (Ostpr.) u. Teilh. in Amsterdam, N. N., Untern., Bes. d. kgl. Spiegelmanufaktur in Neustadt/Dosse;
    Ur-E Arthur Frhr. v. Schickler (1828–1919, preuß. Frhr. 1870), preuß. Lt., Inh. d. Bankhauses „Gebr. Schickler“ in B. (s. NDB 22, Fam.art.);
    Urur-E Marguérite Freiin v. Schickler (1870–1956, Hubertus Gf. v. Pourtalès, 1863–1949, Züchter v. Vollblutpferden in Paris).

  • Leben

    1712 eröffnete S., der zunächst in Stettin, dann in Berlin in der Gregorischen Handlung gelernt hatte, mit dem aus Sachsen stammenden Gottfried Adolph Daum (1679–1743) eine kaufmännische Handlung in einer kleinen Berliner Mietswohnung. Als Zugewanderte besaßen die beiden nahezu mittellosen Teilhaber nicht das Bürgerrecht und S., der bei einem nicht gildefähigen Händler gelernt hatte, fehlte die Zugehörigkeit zur Kaufmannsgilde. So waren dem neuen Geschäft der Laden- und Detailhandel verwehrt, nicht aber der Kommissions- und Großhandel sowie Geldgeschäfte. Der Aufstieg des Unternehmens, das im ersten Jahr seines Bestehens als „Daum & Comp.“, seitdem als „Splitgerber & Daum“ firmierte, ist eng mit der Wirtschaftspolitik des preuß. Staates im 18. Jh. verbunden. Neben einem weitreichenden Handel mit Waffen und Munition pachtete die Firma 1719 den Eberswalder Kupferhammer und baute seit 1722 die ersten preuß. Gewehrfabriken in Potsdam und Spandau auf. Bald war die Firma der führende Metallbetrieb und Waffenhersteller im Staat Preußen. Daneben handelte sie mit Waren aller Art im Auftrag unterschiedlicher Geschäftspartner: So lieferte das Unternehmen aus den Kgl. Preuß. Hütten in Neustadt/Dosse und Zehdenick u. a. Kugeln und Bomben für das Dresdner Zeughaus und nach Amsterdam, ferner Monturen für den König von Polen und Röhren für die Dresdner Wasserkünste, aber auch Silber für die preuß. Münze, auch wurde mit Wein und Tabak gehandelt. In den 1730er Jahren wurde das Silber- und Kupfergeschäft immer umfangreicher und die Bankgeschäfte nahmen zu, bestimmten aber noch nicht das Gesamtgeschäft. Schon 1725 übernahm S. die Führung der „Russischen Handels-Compagnie“, einem Zusammenschluß hauptsächlich Berliner Kaufleute, die die Belieferung der russ. Armee mit geeigneten Tuchen organisierten und im Gegenzug russ. Waren (Juchten, Talg, Hanf, Hanföl) einführten und so die preuß. Metropole zu einer Drehscheibe des Rußlandhandels machten. Die Firma beteiligte sich am Wein- und Kolonialwarenhandel und S., der nach dem Tode seines Teilhabers Daum 1743 die alleinige Geschäftsführung innehatte, gründete 1745 eine erste Berliner Zuckersiederei; weitere Siedereien in der Hauptstadt folgten 1751 und 1753. Die Firma besaß das Zuckermonopol für große Teile des preuß. Staates. Noch in den 1770er Jahren wurden sowohl in den östlichen wie den westlichen Provinzen der Monarchie neue Zuckersiedereien des Unternehmens eingerichtet.

    1745 nahm S. den gebürtigen Elsässer Johann Jacob Schickler als Sozius an. Die Firma war nicht nur an europ., sondern auch an überseeischen Unternehmungen beteiligt; Heereslieferungen im Siebenjährigen Krieg brachten weitere enorme Gewinne. Als 1757 ein österr. Korps kurzzeitig Berlin besetzte, trug S. ein Fünftel der von den österr. Truppen geforderten Summe. Als führender Geschäftsmann in Berlin trug er in vielfältiger Weise und mit Förderung der Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich d. Gr. maßgeblich zum Aufbau der merkantilistischen preuß. Wirtschaft bei.|Nach dem Tod S.s übernahmen seine Schwiegersöhne Johann Jacob Schickler und Friedrich Heinrich Berendes die Handlung. 1795 wurde der Name der Firma in „Gebrüder Schickler“ verändert. 1855 gab die Handlung das immer mehr zurückgegangene Warengeschäft völlig auf und widmete sich allein den Bankgeschäften. Auch nach der 1910 erfolgten Verschmelzung mit der Delbrückschen Privatbank zum „Bankhaus Delbrück, Schickler & Co.“ blieb der Firmensitz auf dem noch von S. erworbenen Grundstück. Nach der Schließung der Bank durch die sowjet. Besatzungsmacht 1945 konnte zehn Jahre später der Bankbetrieb in Berlin (West), später auch in der Bundesrepublik aufgenommen werden. Seit 1968 firmierte die Bank unter „Delbrück & Co.“ und wurde nach dem Ankauf durch die niederl. Bank „ABN AMRO“ 2004 zusammen mit der Bethmann-Bank und der Maffei-Bank zur „Delbrück-Bethmann-Maffei AG“ mit Sitz in Frankfurt/M. vereinigt.

  • Literatur

    F. Lenz u. O. Unholtz, Die Gesch. d. Bankhauses Gebrüder Schickler, FS z. 200jähr. Bestehen, 1912;
    H. Rachel, Das Berliner Wirtsch.leben im Za. d. Frühkapitalismus, 1931;
    E. Achterberg u. M. Müller-Jabusch, Lb. dt. Bankiers aus 5 Jhh., 1963, S. 55–64 (P);
    W. Treue, D. S. (1683–1764), Ein Unternehmer im preuß. Merkantilstaat, in VSWG 41, 1954, S. 235–67;
    Pommer. Lb. IV, 1966, S. 70–84;
    H. Rachel u. P. Wallich, Berliner Großkaufleute u. Kapitalisten II, 1967;
    N. Stulz-Herrnstadt, Berliner Bürgertum im 18. u. 19. Jh., Unternehmerkarrieren u. Migration, Familien u. Verkehrskreise in d. Hauptstadt Brandenburg-Preußens, die Ältesten d. Korporation d. Kaufmannschaft zu Berlin, 2002.

  • Portraits

    Ölgem. v. E. M. Falbe, um 1760 (früher: Berlin, Delbrück, Schickler & Co.);
    Kupf. v. G. F. Schmidt, 1758 (Kunstslgg. d. Veste Coburg).

  • Autor/in

    Felix Escher
  • Empfohlene Zitierweise

    Escher, Felix, "Splitgerber, David" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 731-732 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139566937.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA