Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Bankiersfamilie
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139797513 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schickler

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Zitierweise

Schickler, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139797513.html [19.10.2019].

CC0

  • Leben

    Johann Jacob (1711–75), Nachfahre einer seit dem 16. Jh. in Basel und Mülhausen (Elsaß) ansässigen Familie, kam 1745 nach Berlin, trat in die Fa. „Splitgerber & Daum“ ein, wurde 1749 Gesellschafter und 1754 Schwiegersohn von David Splitgerber (1683–1764). Dieser und Gottfried A. Daum (1679–1743) hatten ihr 1712 gegründetes Handelshaus bis 1745 u. a. durch Pacht der Waffenfabrik in Spandau, von Kupfer-, Eisen- und Messingwerken sowie durch wachsende Bank- und Einfuhrgeschäfte zum größten Unternehmen Berlins, wahrscheinlich Preußens, ausgebaut; drei eigene Zuckersiedereien entstanden 1749-53. Splitgerber überlebte seine Tochter, Erben wurden sein privatisierender Sohn und die Enkel Schickler und Berendes, deren Vertretung das Testament regelte. Nach dem Tod Splitgerbers wurden seine minderjährigen Enkel David d. Ä. (1755-1818) und Johann Ernst (1761–1801) Miterben des Unternehmens; David d. Ä. erhielt 1780, Johann Ernst 1786 Vertretungsbefugnis. 1764-75 erweiterte Johann Jacob erfolgreich die Firma, die seit 1775 „David Splitgerbers sei. Erben“ hieß. Johann Ernst heiratete eine Baslerin und übersiedelte nach Bordeaux (spätestens 1793). David d. J. (1777–1866), Sohn Davids d. Ä., Gesellschafter 1804–20, schied 1820 gegen eine Abfindung von 500 000 Taler aus der Firma aus. Die Geschäftsführung lag unter den drei letztgenannten Mitgliedern der S. weitgehend bei David Splitgerber ( 1827), einem Neffen Davids d. Ä., und dem Schwestersohn Johann Jacobs, dem auch aus Mülhausen gekommenen Johann Jacob Brüstlein (Disponent 1783-1821). In dieser Zeit wurden jedoch die weiteren Erben aus den Familien Berendes und Splitgerber abgefunden, seit 1796 waren Johann Jacobs Söhne Alleineigentümer der nunmehr „Gebr. Schickler“ genannten Firma. Johann Georg (1793–1843), Sohn des Johann Ernst, heiratete 1818 Davida (1801–84, preuß. Frfr. 1870), die Tochter seines Vetters David d. J., und lebte als preuß. Generalkonsul in Paris, ohne genügend Zeit für sein Unternehmen zu finden. Mit seinen Söhnen Arthur (1828–1919, preuß. Frhr. 1870) und Fernand (1835–1909, preuß. Frhr. 1870) erlosch dieser Zweig im Mannesstamm. Erbin ihres kinderlosen Onkels und ihres Vaters Arthur wurde Margue Marguerite rite (1870-1956), seit 1890 mit Hubertus Gf. Pourtalès (1863–1949) (Linie P.-Gorgier) verheiratet. Die Firma in Berlin wurde seit 1820 endgültig von Disponenten geleitet: 1821-59 von Carl Gustav Brüstlein, ihm folgten bis 1905 Angehörige der Fam. Zwicker, deren Schweizer Vorfahren schon seit der Mitte des 18. Jh. für die Firma gearbeitet hatten. Das Bankhaus blieb führend bis etwa 1850, später von S. Bleichröder oder Mendelssohn & Co. überholt. Zwischen 1806 und 1815 lieh das Bankhaus Schickler Preußen und der Stadt Berlin über 5 Mio. Taler, war später an vielen Eisenbahnfinanzierungen beteiligt und 1856 Mitgründer der „Berliner Handels-Gesellschaft“, 1869 Mitglied im Gründungskomitee der „Dt. Bank“ und gehörte dem Preußen- und dem Reichsanleihe-Konsortium an. Von den gewinnbringenden anderen Zweigen trennte sich das Unternehmen bis zum letzten Jahrhundertdrittel. Das Prestige der „vornehmsten und ältesten“ Bank Berlins blieb unverändert hoch. Die in Paris und auf ihren Schlössern in der Provinz lebenden Eigentümer operierten wie Aufsichtsräte – ihre Strategie war erfolgreich, auch 1910 gehörte ihre Bank uneingeschränkt zur Spitzengruppe der Berliner Privatbankiers. Auf Vorschlag von Ludwig Delbrück (1860–1913) erfolgte 1910 die Fusion mit „Delbrück, Leo & Co.“ zu „Delbrück, Schickler & Co.“, gegenwärtig (Stand 2003) „Delbrück & Co., Privatbankiers seit 1712“.

  • Literatur

    L. v. Zedtwitz, Neuestes Conversations-Hdb. f. Berlin u. Potsdam, 1834, Neudr. 1987, S. 45, 154, 184, 642, 729, 785, 830;
    L. v. Nordegg, Die Berliner Ges., 21907, S. 159 ff.;
    F. Lenz u. O. Unholtz, Die Gesch. d. Bankhauses Gebr. Schickler, FS z. 200j. Bestehen, 1912 (P);
    H. Rachel, Ein altes Berliner Handelshaus (Bankhaus Gebr. Schickler), in: Preuß. Jbb. 150, 1912, S. 460-72;
    ders. u. F. Wallich, Berliner Großkaufleute u. Kapitalisten, 3 Bde., 1934, neu hg., erg. u. bibliogr. erweitert v. J. Schultze. H. C. Wallich u. G. Heinrich, 1967, Bd. 2, S. 209 ff., Bd. 3, S. 20 ff., R. Martin, Jb. d. Vermögens u. Einkommens d. Millionäre in Berlin, 1913, S. 5, 194;
    C. Fürstenberg, Die Lebensgesch. e. dt. Bankiers, niedergeschrieben v. Hans Fürstenberg, 1931, Neudr. 1961, S. 36, 121, 133, 210;
    P. Rehfeld, Die preuß. Rüstungsind. unter Friedrich d. Gr., in: Forsch, z. Brandenburg, u. Preuß. Gesch., 1944, S. 1-31;
    K. E. Born, Geld u. Banken im 19. u. 20. Jh., 1977, S. 55 f., 328 f., 331, 334;
    F. W. Euler, Bankherren u. Großbankleiter nach Herkunft u. Heiratskreis, in: Bankherren u. Bankiers, hg. v. H. H. Hoffmann, 1978, S. 97 f., 110;
    W. Radtke, Die preuß. Seehandlung zw. Staat u. Wirtsch. in d. Frühphase d. Industrialisierung, 1981, S. 47, 59, 61, 67, 236 ff., 266;
    L. Gall, Die Dt. Bank v. ihrer Gründung bis z. Ersten Weltkrieg, in: L. Gall u. a., Die Dt. Bank 1870-1995, 1995, S. 1-135, bes. S. 3, 6.

  • Autor/in

    Reinhardt Strauß
  • Empfohlene Zitierweise

    Strauß, Reinhardt, "Schickler" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 731-732 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139797513.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA