Lebensdaten
1850 bis 1906
Geburtsort
Freiburg (Breisgau)
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
katholischer Theologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 118606980 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schell, Jakob Hermann
  • Schell, Herman
  • Schell, Jakob Hermann
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Zitierweise

Schell, Herman, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118606980.html [23.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob (1810–85), Posamentierer in F., S d. Valentin (1780–1826), Gastwirt in Kippenheimweiler, später Metzgermeister in F.;
    M Maria Magdalena (1814–52), aus F., T d. Georg Braun (1775–1831), Maurer in F.;
    Ov Josef ( 1899);
    Vt Ferdinand (1871–1904), 1894-1903 Musik- u. Turnlehrer am Lehrerseminar in Rickenbach (Kt. Schwyz), zuletzt Gde.musiker in Altdorf (Kt. Uri); Verwandte Hermann Ferdinand (1900 [1901 ?]-72, Margarethe v. Noé (v. Nordberg), 1995, Schausp.), Schriftst. (s. Schweizer Lex.; Munzinger), Maria (* 1926), Schausp., Carl (* 1927), Schausp., Regisseur (s. BHdE II), Maximilian (* 1930), Schausp., Regisseur.

  • Leben

    Nach der Reifeprüfung 1868 am Lyzeum in Freiburg trat S. hier in das theologische Konvikt ein. 1870 wechselte er zum Studium der Theologie und Philosophie an die Univ. Würzburg, wo ihn der Aristoteliker Franz Brentano prägte. Mit der von Brentano angeregten Arbeit „Die Einheit des Seelenlebens aus den Principien der Aristotelischen Philosophie entwickelt“ (gedr. 1873) wurde S. 1872 in Freiburg zum Dr. phil. promoviert. Nach der Priesterweihe in Würzburg 1873 war er, neben Studien in Rom (1879–81), an verschiedenen Orten der Diözese seelsorgerisch tätig. 1883 wurde er in Tübingen mit der Arbeit „Vom Wirken des dreieinigen Gottes“ (gedr. 1885) zum Dr. theol. promoviert. Seit 1884 lehrte S. als ao., seit 1888 als o. Prof. für Apologetik und christliche Archäologie in Würzburg (1892 Univ.prediger, 1893 Dekan, 1896 Rektor). Ein erhoffter Wechsel an den Dogmatiklehrstuhl scheiterte, eine Berufung auf eine Dogmatikprofessur in Münster schlug S. aus. In dieser Zeit entstanden wichtige theologische Werke (Kath. Dogmatik in sechs Büchern, 3 Bde., 1889–93, Krit. Ausg., 3 Bde., 1968–94; Die göttl. Wahrheit d. Christentums in vier Büchern, 1. Buch: Gott u. Geist, 2 T., 1895/96).

    Bekannter wurde S. durch zwei Flugschriften, in denen er 1897 und 1898 die Ideen des „Amerikanismus“ aufgriff, was ihn als Wortführer des dt. „Reformkatholizismus“ erscheinen ließ. In weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen versuchte er, v. a. in der Lehre von Gott und der Trinität, im Gefolge der Theologie des Tübinger Dogmatikers Johannes Evangelist v. Kuhn eine Synthese zwischen Neuthomismus (mit seinem von S. als „statisch“ verstandenen Seinsbegriff) und einem aus dem dt. Idealismus stammenden dynamischen Verständnis von Wirklichkeit, von dem auch Gott nicht ausgenommen ist. Im Zentrum seines Denkens stand das metaphysische Kausalprinzip (von S. „Kausalgesetz“ gen.), das ihn zur Definition Gottes als „causa suae“ führte, als einer Tatwirklichkeit, die sich ihrerseits im Schöpfungswerk und der Erlösung durch Jesus Christus in die Schöpfung hinein ausdehnt und alles Geschaffene – durch Vermittlung der Kirche – in die Gemeinschaft Gottes hineinnimmt. Verschiedene Theologumena S.s – so sein (mißverstandencr) Gottesbegriff, seine Auffassung von der Todsünde („Sünde mit erhobener Hand“) und seine Anfrage an die Lehre von der Ewigen Hölle – wurden vom Lehramt verurteilt. Anlaß für die Indizierung seiner theologischen Werke (1898) bildeten jedoch seine beiden ebenfalls verurteilten Reformschriften. S. unterwarf sich ohne Widerruf. In den folgenden Jahren wurde seine Rechtgläubigkeit von Gegnern, die einen röm. Prozeß gegen ihn anstrebten, in Streitschriften in Frage gestellt.

    S. hat keine theologische Schule begründet, dennoch ist seine Wirkung auf kath. Akademiker in der Zwischenkriegszeit (z. B. Alois Dempf) nicht zu unterschätzen, auch wenn S. erst in der Zeit des II. Vatikanischen Konzils wieder neu entdeckt wurde (1971 Gründung d. Herman-Schell-Inst. d. Univ. Würzburg). Besondere Erwähnung verdient seine Rezeption in der tschech. kath. Reformbewegung und der in ihr wurzelnden, aus ihr hervorgegangenen Hussitischen Kirche Tschechiens.

  • Werke

    Weitere W Der Katholizismus als Princip d. Fortschritts, 1897 (mit Nachtrag 1898);
    Die neue Zeit u. d. alte Glaube, Eine culturgeschichtl. Stud., 1898;
    Apologie d. Christentums, 2 Bde., 1901/05;
    Christus, Das Evangelium u. seine weltgeschichtl. Bedeutung, 1903;
    Der Gottesglaube u. d. naturwiss. Welterkenntnis, 1904;
    Die kulturgeschichtl. Bedeutung d. gr. Weltreligionen, 1905;
    Kleinere Schrr., hg. v. K. Hennemann, 1908;
    Briefe an e. jungen Theologen, hg. v. J. Hasenfuß, 1974;
    H. S. als|Wegbereiter z. II. Vatikan. Konzil, Sein Briefwechsel mit Franz Brentano u. Nachschrr. seiner Vorlesungen über Friedrich Nietzsche, über christl. Kunst u. Fundamentaltheol., hg. v. J. Hasenfuß, 1978.

  • Literatur

    V. Berning, Das Denken H. S.s, 1964;
    ders., Gott, Geist u. Welt, H. S. als Philos. u. Theol., 1978;
    Kath. Theologen Dtld.s im 19. Jh., hg. v. H. Fries u. G. Schwaiger, 1975, S. 300-27;
    K. Hausberger, H. S. (1850-1906), Ein Theologenschicksal im Bannkreis d. Modernismuskontroverse, 1999 (Bibliogr., P);
    R. Dvorak u. O. Meuffels (Hg.), Wahrheit Gottes, Freiheit d. Denkens, H. S. als Impulsgeber f. Theol. u. Kirche, Gedenkschr. anläßl. seines 150. Geb.tags, 2001;
    J. Vogel, H. S., Apologeta a dogmatik, Dílo katolického modernisty a jeho vliv na církev československou husitskou, 2001;
    H. Filser, in: Theologen d. 19. Jh., hg. v. P. Neuner u. G. Wenz, I, 2002, S. 219-38;
    BJ XI, S. 110-13 u. Tl.;
    Bad. Biogr. VI, 1935;
    L. Scheffczyk, in: Fränk. Lb. XII, 1986, S. 234-50 (P);
    Kürschner, Lit.-Kal. Nekr. 1971-1998, 1999;
    LThK3;
    TRE;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W);
    BBKL (W, L).

  • Autor/in

    Otto Weiß
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiß, Otto, "Schell, Herman" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 648-649 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118606980.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA