Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
hessische, westfälische und rheinische Kaufmanns-, Theologen- und Fabrikantenfamilie
Konfession
-
Normdaten
GND: 122924770 | OGND | VIAF: 27965823
Namensvarianten
  • Scheibler (bis 1781)
  • Scheibler, von
  • Scheibler (bis 1781)
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Zitierweise

Scheibler, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122924770.html [20.04.2021].

CC0

  • Leben

    Johann Schybeler und Heinrich Scheybeler sind um 1360 in Loshausen bzw. um 1415 in Todenhusen bei Kassel nachweisbar. Der von Johannes (I.) (um 1490–1559) in Gemünden a. d. Wohra begründete Familienzweig war tätig als Grundbesitzer, Schafzüchter, Wollhändler und Bierbrauer, als Pfarrer, Ratsmitglieder, städtische Beamte und Bürgermeister und siedelte 1704 nach Frankfurt/M. über. Christoph (1589–1653), Urenkel des Johannes (I.), war 1617 Rektor der Univ. Gießen und seit 1625 Pfarrer und Superintendent in der Reichsstadt Dortmund. Christophs Sohn Johannes (II.) (1628–89), der seit 1651 in Gießen lehrte, war Generalinspektor der luth. Kirche im Hzgt. Jülich-Berg. Johann Karl Wilhelm (1783–1847), Sohn von Peter Christoph (1744–1814), war als Tuchfabrikant in Monschau tätig. Sein Sohn Karl Wilhelm (1820–81, s. 3) begründete die Textilindustrie in Lodz (Polen). Johann Heinrich (I.) (1705–65, s. 1) und Wilhelm Wimar Gerhard (1715–1803), Enkel des Johannes (II.), wurden Textilunternehmer, letzterer vom preuß. Kg. 1757 zum Werkmeister der kgl. Tuchma nufaktur in Berlin berufen. Sein Enkel Karl Friedrich Heinrich (1782–1868) war Bildhauer, während dessen Brüder und Neffen unternehmerisch tätig waren: Robert Wilhelm (1823–84) u. a. als Direktor der von ihm mitbegründeten Dt. Feuerversicherungsgesellschaft in Berlin und Albrecht Armand (1831–53) nach seiner Auswanderung in die USA (1847) als Teilhaber in der Firma „Scheibler, Faber & Perkins“ in New York. Ihr Verwandter Carl Bernhard Wilhelm (1827–92, s. 4) wurde 1880 Professor der Chemie. Das Erbe Johann Heinrichs (I.) in Monschau traten 1765 seine Söhne Paul Christoph (1726–97, beteiligt auch an d. Fa. „Scheibler & Orth“), Johann Ernst (1731–73) und Wilhelm (1737–97), 1777 Alleineigentümer des Unternehmens, an. Ihr älterer Bruder Bernhard Georg v. S. (1724-86, Reichsadel 1781) etablierte durch die Gründung eigener Unternehmen in Hagen und Herdecke das Tuchmachergewerbe in der preuß. Gfsch. Mark. Seine Tochter Ernestine (1760–1821) heiratete den Großhändler Adolf Böcking (1754–1800, s. NDB II). Von seinen Söhnen wurden Johann Christian v. S. (1754-87, österr. pers. Adel 1783) und Bernhard Paul v. S. (1758-1805) Tuchfabrikanten in Monschau, Friedrich v. S. (1777-1843) Fabrikant in Iserlohn und Karl Wilhelm v. S. (1772-1843, österr. Adel 1814) Offizier, zunächst in preuß., seit 1799 in österr. Diensten, seit 1839 Festungskommandant in Josefstadt. Bernhard v. S. (1785-1837), ein Sohn von Bernhard Paul, war der erste preuß. Landrat im Kreis Eupen, seit 1830 zugleich kgl.-belg. Kommissar für die Verwaltung des Gebietes Neutral-Moresnet bei Aachen. Während Wilhelms Sohn Ernst (1769–1822) eine eigene Spinnerei in Monschau gründete, erbte sein Bruder Friedrich Jakob (1774–1834) das väterliche Unternehmen, an dem 1805-25 Brüsseler Tuchhändler als Teilhaber beteiligt waren. Obwohl der Niedergang des Monschauer Tuchgewerbes schon während der franz. Besetzung begann, betrieb Friedrich Jakob die Mechanisierung der Produktion und erwarb die ersten Spinn- und Schermaschinen. Sein Sohn Alexander Arnold (1804–77) gründete 1856 eine Wollhutfabrik, 1863 eine Kunstwollfabrik. Die Unternehmensleitung ging 1877 auf die Söhne Bernhard Heinrich (1846–1918) und Alexander (1850–1929) sowie in der 6. Generation auf den Enkel Walter Bernhard (1880–1965) über, der das Unternehmen 1957 stillegte. Wilhelms Sohn Johann Heinrich (II.) (1777–1837, s. 2) gründete 1834 in Krefeld die Samt- und Seidenmanufaktur „Scheibler & Co.“, die sein Sohn Heinrich (1813–78) weiterführte Dessen Zwillingssöhne Gustav Wilhelm (1845–1911) und Hermann Otto (1845–1917) stellten 1878 den ersten mechanischen Samtwebstuhl in ihrem Unternehmen auf, das 1965 mit der Samtfabrik „Gebr. Peltzer“ (s. NDB 21) zur „Scheibler Peltzer GmbH“ fusionierte. Robert Adolf (1814–75), ein Onkel der Zwillinge, war ebenfalls Seidenfabrikant in Krefeld. Seine Brüder Johann Friedrich (1807–62) und Carl Ludwig Aurel (1823–1905) betrieben Rohseidenhandlungen. Carl Johann Heinrich (1852–1920, s. 5), Sohn des letzteren, gehörte zu den Mitbegründern der chem. Großindustrie in Köln, in der auch sein Sohn Hans C. (1887–1963) tätig war. Wilhelms jüngster Sohn Louis Adolph (1785–1850) errichtete mit William Cockerill, der in Verviers, später in Lüttich Maschinen für die Textilindustrie herstellte, eine Wollspinnerei in Reims. Nach deren Zerstörung (1814/15) beteiligte er sich am weiteren Ausbau des väterlichen Unternehmens in Monschau. Sein Sohn Emil (1820–63) betrieb zunächst Rohseidenhandel und gründete später in Mailand eine Seidenspinnerei, die sein Sohn Felix Emil (1856–1921, ital. Adel 1896) übernahm. Leopold (1799–1881), Nachkomme des Stoiberger Pfarrers Balthasar Christian (1671–1730), wurde 1837 Teilhaber in der Aachener Spedition „Charlier & Scheibler“, zu der seit 1868 auch ein Bankhaus gehörte; er war 1851-63 und 1871-81 Präsident der IHK Aachen. Der Ingenieur Fritz (* 1845) eröffnete 1879 eine Maschinenfabrik in Burtscheid bei Aachen, die um 1900 die Produktion von Motoren und Automobilen aulnahm und 1908 fusionierte mit der „Maschinenbauanstalt Alten-Essen AG“ zur „Motoren- und Lastwagen AG“ (Mulag), die, 1913 mit der „Mannesmann-Auto-GmbH“ (1911 in Aachen gegründet) zur „Mannesmann-Mulag“ vereint, 1928 die Produktion einstellte.

  • Literatur

    ADB 30;
    H. F. Macco, Btrr. z. Geneal. rhein. Adels- u. Patrizierfamilien, 2 Bde., 1884/87;
    Frhr. H. A. v. Fürth, Btrr. u. Material z. Gesch. d. Aachener Patrizier-Familien, 2 Bde., 1882;
    J. H. C. Scheibler (Hg.), Gesch. u. Geschl.register d. Fam. S., 1895;
    A. Schmidt, Karl Frhr. v. S., k. u. k. FML u. Ritter d. Maria-Theresiaordens (1772–1843), 1908;
    E. Arens u. W. L. Janssen (Bearb.), Gesch. d. Club Aachener Casino, gegr. 9. Dez. 1805, 1937, 21964;
    W. Scheibler, S., Gesch. u. Schicksal e. Firma in 6 Generationen, 1724–1937, 1937;
    ders., 300 J. Fam. S. im Rheinland, Vortrag gehalten in d. Westdt. Ges. f. Fam.kunde in Köln 1954, o. J. (Typoskr.);
    H. C. Scheibler u. K. Wülfrath (Hg.), Westdt. Ahnentafeln, I, 1939;
    H. Hermann, Gr. dt. Familien VI: Die S., in: Neue dt. Hefte, 1, hg. v. P. Fechter u. J. Günther, 1954, S. 677-89;
    F. Jacobs, Prof. Mag. Christoph S. (1589-1653), Archigymnasiarch u. Sup. zu Dortmund, seine Vorfahren, sein Leben u. seine Nachkommen, Vortrag gehalten am 4. Mai 1965 vor d. genealog.-herald. Arbeitsgemeinschaft Roland zu Dortmund, o. J. (Ms.);
    C. Bruckner, Zur Wirtsch.gesch. d. Reg.bez. Aachen, 1967;
    F. Bonelli, La crisi del 1907, Una tappa dello sviluppo industriale in Italia, 1971;
    H.-P. Wolff, Die Med.-chirurg. Lehranstalt in Magdeburg (1827–1849), in: NTM, Schrr.reihe f. Gesch. d. Naturwiss., Technik u. Medizin 12, H. 1, 1975, S. 77-87, bes. S. 85;
    L. Mathar, P. J. Weiß, Tuchfabriquen in Montjoie, o. J. [1979];
    N. C. Hentger, Christoph S., in: Westfäl. Lb. 13, 1985, S. 45-55;
    Anonym, Maximilian Friedrich S. (1759-1840), ev. Pfarrer zu Düren (1786–1788), Menzerath (1788–1789) u. Monschau (1789–1840), Sein Leben, seine Fam., sein schriftl. Wirken, o. J. [1990];
    G. Schnuer, Der Automobilbau in Aachen 1896-1928, 1990;
    E. Neuß (Bearb.), Monschau, 1992;
    C. Wendt, Monschau, Idylle zw. Fels u. Fachwerk, 1995;
    K. v. Eyll u. O. Eschweiler (Hg.), Wirtsch.gesch. d. Region Aachen v. Ende d. Zweiten Weltkriegs bis z. Gegenwart, 2000;
    C. Martignone, Imprenditori protestanti a Milano, 1850–1900, 2001;
    Christoph S., in: Die Philos. d. 17. Jh., IV, hg. v. H. Holzhey u. W. Schmidt-Biggemann, 2001, S. 538 ff.;
    Adelslex. XII, GHdA 125, 2001.

  • Portraits

    Gem.: Johannes (II.) (1553–97), Christoph (1589–1653), Johann Heinrich (I.) (1705–65), Wilhelm Wimar Gerhard (1715–1803), Bernhard Georg (1724–86), Paul Christoph (1726–97), Johann Ernst (1731–73), Wilhelm (1737–97), Wilhelm u. Theresia Elisabeth, geb. Böcking (1744–1812), Wilhelm u. Theresia Elisabeth mit Tochter Maria Henriette (* 1767), Bernhard Paul (1758–1805), Karl Wilhelm (1772–1843), Johann Heinrich (II.) (1777–1837), Louis Adolph (1785–1850), Carl Ludwig Aurel (1823–1905) (alle Monschau, Stiftung Scheibler-Mus. Rotes Haus), Abb. in: Das Rote Haus in Monschau, hg. v. d. Stiftung Scheibler-Mus. Rotes Haus, 1994.

  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Ramm, Hans-Joachim, "Scheibler, von" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 624-625 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122924770.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA