Lebensdaten
1907 bis 1979
Geburtsort
Rosenberg (Baden)
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
NS-Politiker ; Reichsstudentenführer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11897713X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scheel, Gustav Adolf
  • Scheel, Gustav
  • Scheel, Gustav Adolf
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Zitierweise

Scheel, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11897713X.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm, aus Schwerte. Pfarrer in R., Tauberbischofsheim u. Mannheim, Leiter d. Diakonissenmutterhauses ebd.;
    M Cornelia Tillmanns, aus Elberfeld; 3 jüngere Schw;
    1935 Elisabeth Lotze (* 1912), aus Dresden, Dr. med.;
    3 S, 1 T.

  • Leben

    Als Schüler Mitglied ev. geprägter Jugendbünde, kam S. schon 1924 in Berührung mit NS-Kreisen. Nach dem Abitur 1928 studierte er zunächst Theologie und Volkswirtschaft in Heidelberg und Tübingen und wurde Mitglied im „Nationalsozialistischen Dt. Studentenbund“ und der „Dt. Studentenschaft“. 1930 trat er, inzwischen zum Medizinstudium wieder nach Heidelberg zurückgekehrt, der NSDAP und der SA bei. Bereits im Jahr darauf wurde er zum ASTA-Vorsitzenden gewählt, 1932 auch zum Führer der „Dt. Studentenschaft“ in Baden. Als Heidelberger Studentenführer spielte S. 1931 eine führende Rolle in der Diffamierungskampagne gegen den jüd. Professor und Pazifisten Emil Julius Gumbel (1891–1966), die ihm einen Verweis der Universität eintrug, ihn aber auch als führenden Vertreter des neuen, nationalsozialistischen Studententyps bekannt machte. 28jährig wurde er 1934, im fahr seiner Promotion zum Dr. med., wegen seines kämpferischen Einsatzes für eine im NS-Sinne indoktrinierte und disziplinierte Studentenschaft zum Ehrensenator seiner Universität ernannt (1945 aus d. Liste gestrichen). 1934 trat S. als SS-Untersturmführer in Heydrichs Sicherheitsdienst ein. 1935-41 leitete er den SD-Oberabschnitt Südwest in Stuttgart. Bereits am 6.11.1936 wurde er von Hitler zum Reichsstudentenführer bestellt. Mit einer Reihe von „Heidelbergern“ in der Reichsstudentenführung setzte S. die Gleichschaltung der studentischen Jugendorganisationen durch und beschränkte den Altherrenbund auf soziale Aufgaben. Der NS-Studentenbund wurde unter seiner Führung zum selbständigen Hauptamt der NSDAP aufgewertet.

    Nach kurzem Dienst als Feldarzt wurde S. im Sommer 1940 zum Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD im eingegliederten Elsaß ernannt, auf eigenen Wunsch Anfang 1941 jedoch abberufen und im Mai 1941 als Höherer SS- und Polizeiführer nach München versetzt, wo er auch den Posten des Inspekteurs der Sicherheitspolizei und des SD übernahm. Im Nov. 1941 ernannte ihn Hitler überraschend zum Gauleiter und Reichsstatthalter für den Gau Salzburg (seit Aug. 1944 als SS-Obergruppenführer u. Gen. d. Polizei). Im Juli 1944 erhielt S. auch das Amt des Reichsdozentenführers übertragen. In seinem Testament vom 29.4.1945 sah ihn Hitler schließlich als Kultusminister vor.

    Mitte Mai wurde S., aus Salzburg geflüchtet, von amerik. Truppen im Pongau gefangengenommen. Die Heidelberger Spruchkammer verurteilte ihn 1948 als „Hauptschuldigen“ zu fünf Jahren Haft, aus der er, nach revidiertem Urteil zum „Belasteten“ zurückgestuft, bereits im Dez. 1948 entlassen wurde. Seit Sommer 1949 war S. in Hamburg als Arzt tätig. Auf Anordnung des brit. Hochkommissars kam er als Mitglied des „Naumann-Kreises“ ehemaliger NS-Kunktionäre im Jan. 1953 erneut in Haft. Der Bundesgerichtshof setzte ihn jedoch bereits im Juni außer Verfolgung, weil sich der Verdacht auf rechtsradikale Konspiration nicht ausreichend bestätigen ließ.

  • Werke

    Die Reichsstudentenführung, Arbeit u. Organisation d. dt. Studontentums, 1938.

  • Literatur

    G. F. Franz-Willing, „Bin ich schuldig?“, Leben u. Wirken d. Reichsstudentenführers u. Gauleiters Dr. G. A. S. 1907-1979, 1987 (P);
    Munzinger;
    K. Höffkes, Hitlers pol. Generale, 1986 (P);
    B. Arnold, in: M. Kißener u. J. Scholtyseck (Hg.), Die Führer d. Prov., NS-Biogrr. aus Baden u. Württ., 1997, S. 567-94 (P);
    J. Branach, Heydrichs Elite, 1998;
    Biogr. Lex. Drittes Reich;
    Baden-Württ. Biogrr. II.

  • Autor/in

    Hermann Weiß
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiß, Hermann, "Scheel, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 603 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11897713X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA