Lebensdaten
1872 bis 1949
Geburtsort
Unzhurst (Baden)
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Kirchenhistoriker ; Kunsthistoriker ; Christlicher Archäologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118794655 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sauer, Joseph
  • Sauer, Josef

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Sauer, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118794655.html [23.01.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand (1842–1919), Bauerin U., S d. Andreas (1811–93), Bauer in Breithurst, u. d. Rosina Schludecker (1813–94), aus Breithurst;
    M Theresia (1848–1921), T d. Andreas Höß (1817–91), aus Sasbachried, Bauer in U., u. d. Ludwina Friedmann (1821–88), aus U.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Privatlehranstalt (Progymnasium) des Geistlichen und Reichstagsabgeordneten Franz Xaver Lender (1830–1913) in Sasbach und des Gymnasiums in Rastatt studierte S. 1891-94 kath. Theologie an der Univ. Freiburg (Br.), wo ihm der „liberale Katholik“ Franz Xaver Kraus (1840–1901) zum Lehrer und bleibenden Vorbild wurde. Während einer durch Überarbeitung bedingten Zwangspause wurde S. vom Mainzer Domkapitular und Kunsthistoriker Friedrich Schneider (1836–1907) gefördert, der ihn u. a. in Kontakt mit Martin Spahn (1875–1945) brachte. 1897 konnte S. in das Priesterseminar St. Peter eintreten und wurde 1898 geweiht. Auf eine kurze Seelsorgstätigkeit folgte 1900 die theol. Promotion bei Kraus in Freiburg. Mit einem Stipendium des Ksl. Archäologischen Instituts bereiste S. Frankreich und Italien (mit zwei längeren Aufenthalten im Priesterkolleg beim Campo Santo Teutonico in Rom) und habilitierte sich 1902 an der Theol. Fakultät in Freiburg, wo er 1912 ein Extraordinariat für Christl. Archäologie und 1916 schließlich das neuerrichtete Ordinariat für Patrologie, Christl. Archäologie und Kunstgeschichte erhielt (1937 entpflichtet; Lehrtätigkeit bis 1949). Daneben war er 1909-49 staatl. Konservator für die kirchl. Denkmäler Badens.

    Mit seiner Dissertation über die Symbolik des Kirchengebäudes etablierte sich S. auf dem Gebiet der christl. Ikonographie und wandte sich in der Folge gegen rein formalästhetische Deutungsansätze in der zeitgenössischen Kunstgeschichte. Er förderte daneben theoretisch und – als führendes Mitglied der Görres-Gesellschaft sowie als Fachgutachter bzw. Mitglied der Zentraldirektion des Dt. Archäologischen Instituts – auch wissenschaftspolitisch die Öffnung der Christl. Archäologie für den christl. Orient (vgl. d. Arbb. seiner Schüler Alfons Maria Schneider [1896–1952] u. Johannes Kollwitz [1903-68]). Zahlreiche seiner kunsthistorischen Veröffentlichungen entsprangen seiner regen denkmalpflegerischen Arbeit (u. a. Freilegung u. Identifizierung d. Schongauerfresken im Breisacher Münster). Der auf nationale und universitäre Integration der kath. Theologen bedachte S. spielte als Rektor (1925/26; 1932/33), als Prorektor in Martin Heideggers Rektorat (1933) und als ständiger Senator (1945–48) eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Univ. Freiburg, deren Autonomie er zu verteidigen suchte. Nach dem Ende des „Dritten Reiches“ bemühte sich S. zusammen mit den kath. Professoren Franz Büchner (1895–1991), Arthur Allgeier (1882–1952) und Clemens Bauer (1899–1984) um eine Re-Christianisierung bzw. Katholisierung der Universität. Kirchenpolitisch war S. in der sog. Modernismuskrise 1901-09 als Apologet des „religiösen Katholizismus“ seines Lehrers Kraus und als dt. Vertrauensmann Friedrich v. Hügels (1852–1925) hervorgetreten und hatte u. a. die dt. Übersetzung von Alfred Loisys (1857–1940) „Evangelium und Kirche“ betreut. Seine weitere Vita ist typisch für den Rückzug zahlreicher kath. Theologen seiner Generation, die sich angesichts des kirchlichen Antimodernismus einer „positiv“-wissenschaftlichen Arbeit zuwandten.

  • Werke

    u. a. Symbolik d. Kirchengebäudes u. seiner Ausstattung in d. Auffassung d. MA, 1904, 21924, Neudr. 1964;
    F. X. Kraus. Gesch. d. Christl. Kunst, II/2: Ital. Renaissance, fortges, u. hg., 1908;
    Neues Licht auf d. Gebiet d. christl. Archäol., 1925;
    Orient u. christl. Kunst, 1933;
    Die kirchl. Kunst d. ersten Hälfte d. 19. Jh. in Baden, 1933;
    W-Verz.:
    L. Mohler, Verz. d. Schrr. J. S.s. 1942.

  • Literatur

    A. M. Schneider, in: HJb. 62-69, 1942-49, S. 970-83;
    J. Vincke, in: ders. (Hg.), Freiburger Professoren d. 19. u. 20. Jh., 1957, S. 109-40 (P);
    H. Schiel, Briefe J. S.s an F. X. Kraus, in: Röm. Quartalschr. 68, 1973, S. 147-206 (Gedenkbd.);
    C. Arnold, Katholizismus als Kulturmacht, Der Freiburger Theol. J. S. (1872-1949) u. d. Erbe d. F. X. Kraus, 1999 (Erg. z. W-Verz. v. Mohler, L, P);
    W. E. Stopfel, J. S. als Denkmalpfleger, in: FDA 120, 2000, S. 283-94;
    LThK2;
    LThK3;
    BBKL.

  • Autor/in

    Claus Arnold
  • Empfohlene Zitierweise

    Arnold, Claus, "Sauer, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 455-456 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118794655.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA