Lebensdaten
1856 bis 1918
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schauspieler
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 118794663 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sauer, Waldemar Conrad Oscar
  • Sauer, Oskar
  • Sauer, Waldemar Conrad Oscar
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Zitierweise

Sauer, Oskar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118794663.html [18.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Caspar, Kaufm. in B.;
    M Elisabeth Dorothee Marie Meister;
    Helene Kluge (Ps. Helene Kornmann) (1858–1934), Schausp.; kinderlos.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Realschule bis zum Einjährigen-Zeugnis sollte S. auf elterlichen Wunsch den Beruf des Kaufmanns ergreifen, wollte selbst aber Schauspieler werden. Erste Kontakte knüpfte er als Aushilfsstatist am Kgl. Schauspielhaus in Berlin; Unterricht nahm er neben seinem ersten Engagement, das er 1874 am Sommertheater in Osnabrück antrat. Es folgten 16 Lehr- und Wanderjahre durch die Provinz, in denen sich S. die unterschiedlichsten Rollenfächer des Unterhaltungstheaters sowie des klassischen und modernen Dramas erarbeitete, wobei ihn seine Eleganz für Lebemänner prädestinierte. Erst 1890 gelang es ihm, als Bonvivant am Berliner Lessingtheater Oscar Blumenthals (1852–1917) Fuß zu fassen, wo er 1893 mit dem Regierungsrat von Keller (Heimat, Hermann Sudermann) einen großen künstlerischen Erfolg errang. 1896 wechselte er zu Otto Brahm (1856–1912) ans Dt. Theater (Debüt Casca, Julius Caesar, Shakespeare), in dessen Ensemble er rasch zu einem der ersten Repräsentanten zeitgemäßer realistisch-psychologischer Schauspielkunst aufstieg. Nachdem er schon früh durch seinen Natürlichkeitsstil aufgefallen war, erzwang eine schleichende Krankheit (Tabes), die sich zunächst als Halsleiden, dann in Form von Gehstörungen bemerkbar machte, während seiner letzten zwölf Berufsjahre eine Reduktion und Verdichtung seiner gestalterischen Mittel zugunsten einer noch konsequenteren Verinnerlichung seiner Charakterstudien, nach und nach aber auch eine Reduzierung seiner Auftritte.

    S. stand für eine Vertiefung des Naturalismus, weil er als Verkörperung einer das Prinzip der Wahrheit übersteigenden Sinnbildhaftigkeit zum Absolut-Menschlichen vordrang. Seine „Seelen- und Nervenkunst… fand sich in allen Irrgängen eines psychischen Labyrinths zurecht“ (Jacobsohn), wobei er in seinem „sprachlichen Ausdruck den Expressionismus“ vorausgenommen haben soll (Ihering). Gerühmt wurde S. vor allem für seine Hauptmann-, Ibsen- und auch Schnitzler-Figuren. 1904 wechselte er mit Brahm an das Lessingtheater. Als sich Brahm vom Theater zurückzog, gründete S. mit zwölf anderen Sozietären das „Dt. Künstlertheater“ (1913/14), nach dessen Scheitern noch in der ersten Spielzeit auch er gezwungenermaßen seinen Bühnenabschied nahm.

  • Werke

    Rollen u. a. Johannes Vockerat, in: Einsame Menschen v. G. Hauptmann, 1897;
    Wehrhahn, in: Der Biberpelz v. G. Hauptmann, 1898;
    Bernd, in: Rose Bernd v. G. Hauptmann, UA 1903;
    Michael Kramer, in: Michael Kramer v. G. Hauptmann, 1908;
    Gregers Werle, in: Die Wildente v. H. Ibsen, 1897/1901/1905;
    Brack, in: Hedda Gabler v. H. Ibsen, 1898/1906;
    Ulrik Brendel, in: Rosmersholm v. H. Ibsen, 1899;
    Peter Stockmann, in: Ein Volksfeind v. H. Ibsen, 1901;
    Dr. Wangel, in: Die Frau vom Meer v. H. Ibsen, 1904;
    Pastor Manders, in: Gespenster v. H. Ibsen, 1908;
    Wegrath, in: Der einsame Weg v. A. Schnitzler, 1904.

  • Literatur

    Ph. Stein, in: Bühne u. Welt V, 1902/03, S. 69-74;
    J. Bab u. W. Handl, Dt. Schausp., 1908, S. 52-58, erneut in: M. Kuschnia (Hg.), 100 J. Dt. Theater Berlin 1883-1983, 1983, S. 54 f.;
    S. Jacobsohn (Hg.), O. S., Ein Gedenkbuch 1856-1916, 1916;
    H. Ihering. Von Josef Kainz bis Paula Wessely, 1942, S. 16-21;
    P. Wellert, O. S. (1856-1918), Eine Unters. über Wesen u. Wirkung seiner Schausp.-kunst, Diss. Berlin 1963;
    DBJ II, Tl.;
    Enc. dello Spettacolo VIII, 1961;
    Ch. Trilse, K. Hammer u. R. Kabel, Theater-Lex., 1977;
    H. Rischbieter (Hg.), Theater-Lex., 1983;
    Kosch, Theater-Lex.;
    Sucher, Theaterlex.

  • Autor/in

    Ralph-Günther Patocka
  • Empfohlene Zitierweise

    Patocka, Ralph-Günther, "Sauer, Oskar" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 456 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118794663.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA