Lebensdaten
1900 bis 1957
Geburtsort
Nadwórna (Ukraine)
Sterbeort
New York (USA)
Beruf/Funktion
Psychiater
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 129414891 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sakel, Manfred Joshua
  • Sakel, Manfred
  • Sakel, Manfred Joshua

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Sakel, Manfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129414891.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Mayer; W Judith Golde Friedemann; ledig.

  • Leben

    S., über dessen Jugend wenig bekannt ist, studierte Medizin in Wien (1925 Dr. med.). Er arbeitete zunächst in Wien und wurde 1927 Forschungsassistent am Krankenhaus Am Urban in Berlin. Im selben Jahr wechselte er an das psychiatrische Privatsanatorium Borlin-Lichterlelde; spätestens seit 1930 war er hier „leitender Psychiater“. 1928 begann er, Morphinabhängigen zur Abschwächung der Entzugssymptome Insulin zu verabreichen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten kehrte S. 1933 nach Wien zurück, wo er an der von Otto Pötzl geleiteten psychiatrischen Universitätsklinik seit Okt. 1933 „Schizophreniker“ und „verwirrte Erregte“ mit Insulin behandelte. Der hvpoglvkämische Schock sollte „pathologische Bahnungen“ im Gehirn durchbrechen. In 13 Publikationen in der „Wiener Medizinischen Wochenschrift“ erläuterte S. sein Verfahren (1934/1935; Monogr. „Neue Behandlungsmethode d. Schizophrenie“, 1935). S. behauptete, daß durch die Insulinbehandlung in 88% der Fälle Heilerfolge erzielt worden seien. Trotz warnender Stimmen (Übertreibung d. Erfolge, Nebenwirkungen, Todesfälle) breitete sich die Methode in Europa relativ rasch aus, nachdem u. a. Max Müller in Münsingen 1936 über positive Resultate berichtet hatte. 1936 emigrierte S. in die USA, wo er bis zu seinem Tod eine florierende|psychiatrische Privatpraxis betrieb. In den USA fand die Insulinschocktherapie ebenfalls rasch Anhänger, u. a. durch Kurse, die er selbst leitete, und durch seine 1938 in engl. Sprache erschienene Monographie „The Pharmacological Shock Treatment of Schizophrenia“. Konkurrenz erwuchs seiner Methode durch die Einführung der Cardiazolbehandlung durch Ladislaus v. Meduna (1896–1964; Erstpublikation 1935) und der Elektroschocktherapie durch Ugo Cerletti (1877–1963) und Lucio Bini (1908–64; Erstpublikation 1938). Durch die Einführung der Neuroleptika seit ca. 1952 wurde die Insulinschocktherapie verdrängt.

  • Werke

    Weiteres W Schizophrenia, 1958.

  • Literatur

    d M. Fink, Meduna and the origins of convulsive therapy, in: American Journal of Psychiatry 141, 1984, H. 9, S. 1034-41;
    U. H. Peters, Die Einf. d. Schockbehandlungen, in: Fortschritte d. Neurol. u. Psychiatrie 60, 1992, S. 356-65;
    M. Hamann-Roth, Die Einf. d. Insulinschocktherapie, 2000;
    Enc. Jud. 1971;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Udo Benzenhöfer
  • Empfohlene Zitierweise

    Benzenhöfer, Udo, "Sakel, Manfred" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 358-359 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129414891.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA