Lebensdaten
1576 bis 1637
Sterbeort
Bützow/Warnow (Mecklenburg)
Beruf/Funktion
Arzt ; Chemiater
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 119076101 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sala, Angelus
  • Der Lindernde
  • Lindernde, Der
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Zitierweise

Sala, Angelus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119076101.html [20.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Bernardino (* 1548), evtl. adliger Herkunft, Spinner („filatorio“) in V., emigrierte 1571 als Protestant vor d. venezian. Inquisition, später in Genf;
    Ov Gianantonio, Bes. e. Spinnmanufaktur in Genf, Alchemist;
    B Domenico (* 1576);
    1) Joanna Ennan, 2) Hamburg 1621 Cornelia de L'Hommels, 3) Lübeck 1628 Catherina v. Brocktorff;
    T aus 1) Maria (* 1608), S aus 3) Hans Christian Frhr. v. S. (1629-93, Reichsfrhr. 1640), auf Zehna u. Bellin (Meckl.);
    E Hans Christian Frhr. v. S. (vor 1680-1727);
    Ur-E Gerd Carl Gf. v. S. (1714-70, Reichsgf. 1751);
    Urur-E Hans Christian Gf. v. S. (1738-1806), letzter männl. Nachfahre.

  • Leben

    S. erlernte die traditionelle galenische Apothekorkunst, beschäftigte sich jedoch auch intensiv mit alchemischen Verfahren der Arzneimittelherstellung und kam in den Wanderjahren mit paracelsischem Gedankengut in Berührung, wobei er maßgeblich von den Schriften der Paracelsisten Tomaso Bovio (1521–1609) und Leonardo Fioravanti (1517–58) beeinflußt wurde. Als Chemiater trat S. erstmals 1602 in Dresden erfolgreich in Erscheinung. Nach Reisen durch Böhmen und Ungarn praktizierte er 1604 in den Städten Sondrio und Pont (Graubünden). Noch im selben Jahr reiste er nach Zürich, wo er im Umkreis des Theologen und Alchemisten Raphael Egli (1559–1622) aufwendige Versuche durchführte. Nach einem Aufenthalt in Süddeutschland, u. a. in Augsburg und Nürnberg, meldete sich S. 1607 zusammen mit seinem Vater in Genf als ref. Glaubensflüchtling und ließ sich dann in Winterthur als Stadtarzt nieder. Hier entstand 1608 eine erste Schrift, die die Vorzüge der paracelsistischen Arzneischule gegenüber der galenistischen hervorhob (De variis tum Chymicorum tum Galenistarum erroribus). Diese Abhandlung beantwortete der Zürcher Stadtarzt Heinrich Lavater (1560–1623) mit einer Gegenschrift (Defensio medicorum Galenicorum adversus calumnias Angeli Salae operarii chemici, 1610). Nach der spektakulären Heilung eines anhaltin. Prinzen in Genf 1609 gelangte S. 1610 an den Amberger Hof des Fürsten Christian I. von Anhalt-Bernburg. 1612 ließ er sich in Den Haag nieder, wirkte u. a. als Leibarzt des engl. Botschafters Dudley Carleton und unterrichtete Leidener Medizinstudenten in den Grundprinzipien der Alchemie und der alchemischen Arzneibereitung. Nachdem S. 1617 in Oldenburg eine Anstellung als Leibarzt des Gf. Anton Günther angenommen hatte, verlegte er 1620 seinen Wohnsitz nach Hamburg. S.s Schüler und Schwiegersohn Anton Günther Billich (1598–1640) focht für ihn eine längere Polemik mit dem Rostocker Professor Peter Lauremberg (1585–1639) aus, der S. beschuldigte, paracelsistische Prinzipien zu verraten. 1622 besuchte S. Lgf. Moritz von Hessen-Kassel und hinterließ diesem geheime Rezepturen. 1625 erreichte er den Höhepunkt seiner Karriere mit der Leibarztstelle bei Hzg. Johann Albrecht II. von Mecklenburg-Güstrow. An der Univ. Rostock gab S. Kollegien in Chemiatrie, wo der Dichtertheologe Johann Rist zu seinen Hörern zählte. Als Wallenstein im Verlauf des 30jährigen Krieges Mecklenburg als Kriegspfand erhielt und im Schloß Güstrow residierte, begleitete S. 1628-31 seinen Dienstherrn ins Exil nach Magdeburg, Bernburg, Harzgerode und Lübeck. In dieser Zeit trat er in die „Fruchtbringende Gesellschaft“ ein. Über den gemeinsamen Lübecker Freund Hermann Westhoff erhielt Joachim Jungius (1587–1657) Kenntnis von S.s alchemischen Vorstellungen. Als der Herzog 1636 verstarb, mußte S. dessen Sohn Gustav Adolf als Leibarzt und Hofmeister nach Bützow begleiten, wo er im folgenden Jahr einem Tumorleiden erlag.

    Obwohl S. wiederholt auf die Unterschiede und damit die Abgrenzung des Paracelsismus vom Galenismus hinweist, handeln seine Schriften vorwiegend von der Herstellung und Anwendung alchemischer Arzneimittel, aber auch von rein chemischen Fragen. So stellen seine chemiatrischen Aphorismen (1620) ein kurzgefaßtes praktisches Lehrbuch der Chemiatrie dar. S. zeigte erstmals die chemische Zusammensetzung des Vitriols Kupfer- bzw. Eisenvitriols auf, wobei es ihm auch gelang, diese Vitriole aus dem Metall und Schwefelsäure bzw. sogar ausgehend von elementarem Schwefel zu synthetisieren. Bei der Zerlegung („anatomia“) von Antimonit, Weinstein und Zucker war er hingegen nur bedingt erfolgreich. Da S. bei seinen Versuchen eine echte Metalltransmutation niemals beobachten konnte, lehnte er diese strikt ab und ersetzte den Begriff der „transmutatio“ durch die „reductio“, bei der die Metalle reversibel und ohne Substanzverlust unterschiedliche chemische Verbindungen bilden, und gelangte so zu einer Reduktionsreihe der Metalle. Seine als „Botanochymia“ oder „Alchimey der jrdischen Gewächsen“ bezeichnete Tetralogie aus „Essentiarum Vegetabilium Anatome“ (1630), „Tartarologia“ (1632), „Hydrelaeologia“ (1633) und „Saccharologia“ (1637, die letztere mit Erwähnung der Zuckergärung) stellt einen ersten Ansatz zu einer Chemie der Naturstoffe dar. Mit der betonten Abkehr von einer spekulativen Alchemie zu Gunsten einer praktisch experimentellen Vorgehensweise war S. seiner Zeit weit voraus, was in der Chemiegeschichte lange zu wenig beachtet wurde.

  • Werke

    Weitere W Anatomia vitrioli, 1609;
    Emetologia, 1613;
    Opiologia, 1614;
    Septem planetarum terrestrium spagirica recensio, 1614;
    Ternarius bezoarticorum, 1616;
    Traicté de la peste, 1617;
    Brevis demonstratio quid sit vitriolum, 1617;
    Aphorismorum chymiatricorum Synopsis, 1620;
    Descriptio brevis antidoti pretiosi, 1620;
    Chrysologia seu examen auri chymicum, 1622;
    Von etlichen kräfftigen und hochbewehrten spagyrischen Medicamenten, 1624;
    De natura, proprietatibus et usu Spiritus vitrioli, 1625;
    Processus de auro potabili novo, 1630;
    Tartarologia, 1632;
    Hydrelaeologia, 1633;
    Saccharologia, 1637);
    Spagyrische Schatzkammer, 1634;
    Opera omnia, 1647, 41693.

  • Literatur

    ADB 30;
    A. Blanck, A. S., Sein Leben u. seine Werke, 1883 (P);
    K. v. Buchka, in: Archiv f. d. Gesch. d. Naturwiss. u. d. Technik 6, 1913, S. 20-26;
    R. Capobus, A. S., Seine wiss. Bedeutung als Chemiker im XVII. Jh., 1933 (P);
    P. Waiden, J. B. van Helmont u. A. S., Zwei chem. Antipoden u. Zeitgenossen, in: Die Naturwiss. 40, 1953, S. 374-79;
    L. Thorndike, in: A Hist. of Magic and Experimental Science, 1958, VII, S. 167-70;
    J. R. Partington, A Hist. of Chemistry, 1961, II, S. 276-80;
    G. Bollbuck, in: Güstrower Btrr., Wiss. Schrr. d. PH „Liselotte Hermann“ Güstrow, 1978, H. 1, S. 97-107;
    H. W. Salzberg, in: From Caveman to Chemist, Circumstances and Achievements, 1991, S. 153-55;
    U. L. Gantenbein, Der Chemiater A. S., Ein Arzt in Selbstzeugnissen u. Krankengesch., 1992 (P);
    Z. E. Gelman, A. S., An Iatrochemist of the Late Renaissance, in: Ambix 41, 1994, S. 142-60;
    DSB 12;
    BLÄ;
    Pogg. II.: – zur Fam.: J. B. Witting, Die Geneal. d. Fam. S., in: Mbl. d. Ges. Adler 1906, S. 94;
    W. Lüdecke v. Weltzien, Die Reichsfreiherren u. Reichsgrafen v. S., in: Zs. f. Niederdt. Fam.kunde 61, 1986, S. 155-63;
    GHdA Adelslex. XII, 2001.

  • Autor/in

    Urs Leo Gantenbein
  • Empfohlene Zitierweise

    Gantenbein, Urs Leo, "Sala, Angelus" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 359-360 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119076101.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Sala: Angelus S. war zu Vicenza in der Republik Venedig geboren als Sproß eines alten Marchesengeschlechtes, dessen Söhne wir das ganze 15. Jahrhundert und bis ins 16. als Docenten in Bologna finden, verließ der Religion wegen sein Vaterland und wurde ein hochberühmter Arzt und Chemiker nach der Kunde seiner Zeit. 1609 ist er in Winterthur, Werke von ihm erschienen in Orleans und Amsterdam. 1613—17 lebt er im Haag und ließ seine Arbeiten im Haag und in Leyden drucken, dann war er Leibarzt beim Grafen Anton Günther von Oldenburg und ging 1620 nach Hamburg, bis er am 8. März 1625 mit einer damals recht erheblichen Einnahme zum Leibarzt des Herzogs Johann Albrecht II. von Mecklenburg-Güstrow bestellt wurde. Bis dahin hatte er Werke in Bremen, Marburg. Straßburg und Hamburg erscheinen lassen, von jetzt an wurden sie in Rostock, einmal auch in Güstrow gedruckt. Er las auch an der Universität Rostock, der Dichter Johann Rist hörte bei ihm zwischen 1625—28 daselbst medicinische Collegia. Hier trat er auch unter dem Namen „der Lindernde“ in die fruchtbringende Gesellschaft. Als der Herzog durch Wallenstein Vertrieben wurde, begleitete S. ihn von 1628—30 treu in seiner Verbannung nach Bernburg, Harzgerode und Lübeck und kehrte erst mit ihm ins Land zurück. Als Johann Albrecht am 23. April 1636 starb und Adolf Friedrich von Mecklenburg-Schwerin sich des jungen Erben Gustav Adolf gewaltthätig bemächtigte, um ihn gegen den Willen des Vaters und der Mutter dem reformirten Glauben zu entreißen, blieb er doch Leibarzt des jungen Fürsten, den Adolf Friedrich in Bützow lutherisch erziehen ließ. Am 2. October 1637 starb S. in Bützow und fand sein Grab in der Domkirche zu Güstrow. Er war vermählt mit Katharina v. Brockdorf. Um 1640 soll dem Geschlechte der Adel erneuert sein; Baron Gert Karl v. Sala auf Bellin wurde am 23. Juni 1751 zum Reichsgrafen erhoben; 1806 erlosch das Geschlecht. Gesammelt erschienen „Angeli Salae opera medico-chymica“ 1647 zu Frankfurt.

    • Literatur

      A. Blanck, Die mecklenb. Aerzte (1874). — A. Blanck, Angelus Sala. Sein Leben und seine Werke (1883). — Dr. Mettenheimer in „Memorabilien“, Ztschr. für prakt. Aerzte. herausg. von Dr. F. Betz. Heilbronn 1883. Heft 4. —
      v. Lehsten, Adel Mecklenburgs, S. 225. — Schriften bei Blanck, Die Bologneser Dozenten in U. Dallari's Ausgabe der Rotoli dei Lettori etc. 1888.

  • Autor/in

    Krause.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krause, "Sala, Angelus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 30 (1890), S. 194 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119076101.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA