Lebensdaten
1855 bis 1927
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116627638 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rosin, Heinrich
  • Rosin, Henricus

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Rosin, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116627638.html [25.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Isaak ( 1855), Kaufm. in B.;
    M Adelheid Miro ( 1874);
    1884 Lea Bona Michael;
    5 K u. a. Franz (1888–1917 ⚔), Paul (s. 2), Anne, Prof. f. Med. in Jerusalem.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Elisabeth-Gymnasium in Breslau 1871 studierte R. Jurisprudenz in seiner Heimatstadt, legte dort 1875 und 1879 die beiden jur. Staatsexamina ab und wurde 1875 zum Dr. iur. promoviert. 1880 erfolgte die Habilitation für Staatsrecht und dt. Recht. 1883 nach Freiburg berufen, wirkte er dort als Extraordinarius, seit 1888 als Ordinarius für die „staatsrechtlichen und germanistischen Fächer“ (Dekan 1890/91, 1894/95, 1904/5, 1917/18, Prorektor 1897/98). Nach der Emeritierung (1920) nahm er noch einen Lehrauftrag für Sozialversicherungsrecht wahr. Unter seiner Ägide habilitierten sich in Freiburg 1900 Wilhelm van Calker (1869–1937) und 1906 Richard Thoma (1874–1957).

    R., ein Schüler Otto v. Gierkes (1841–1921), machte sich zunächst durch germanist.- rechtshistorische Arbeiten einen Namen, wurde aber bald einer der maßgebenden Pioniere der damals jungen Disziplin des Verwaltungsrechts, dem er auch im akademischen Unterricht einen festen Platz zu geben half. Sein besonderes Engagement aber gehörte, verbunden mit rückhaltloser Zustimmung zu Bismarcks Sozialgesetzgebung, dem Sozialversicherungsrecht; von R. stammt die erste systematische, lange maßgebliche Gesamtdarstellung dieser Materie. Mit der Gründung eines auf interdisziplinäre Zusammenarbeit ausgerichteten „Versicherungswissenschaftlichen Seminars“ in Freiburg (1906) verschaffte er dem Fach auch eine institutionelle Basis. Sie diente v. a. als Plattform für Lehrveranstaltungen aus dem Bereich des Privat- und Sozialversicherungsrechts, der nationalökonomisch orientierten Versicherungswissenschaft, der Versicherungsmedizin und der Versicherungsmathematik.

    Ordnet man R. – über die spezifischen Aspekte des Verwaltungs- und des Sozialversicherungsrechts hinaus – in das Umfeld der spätkonstitutionellen Staatslehre ein, so gehört er in Frontstellung gegen den vorherrschenden Positivismus und Formalismus zu denjenigen, „die gegen obrigkeitsstaatliches Denken und Handeln opponierten und für Selbstverwaltung, Demokratie und größere gesellschaftliche Offenheit plädierten“ (Stolleis). In origineller Weise bemühte sich R. auch um staatstheoretische Reflexion im Sinne einer Allgemeinen Staatslehre. Er machte sich auch um die rechtshistorische und rechtsdogmatische Aufbereitung des bad. Landesrechts (einschließl. d. Rechts seiner Univ.) verdient.

    R. war, der liberalen Richtung des bad. Judentums zugehörend, 1888-1908 einflußreiches Mitglied des Oberrats der Israeliten im Ghzgt. Baden, ohne daß dieses religiöse Engagement seine Universitätskarriere behindert hätte; er war der erste Jude im Amt des Prorektors an einer dt. Universität.

  • Werke

    Souveränetät, Staat, Gde., Selbstverw., 1883;
    Das Polizeiverordnungsrecht in Preußen, 1882, 21895;
    Das Recht d. öff. Genossenschaft, 1886;
    Das Recht d. Arbeitervers., 2 Bde., 1893, 1905;
    Grundzüge e. allg. Staatslehre nach d. pol. Reden u. Schrr. d. Fürsten Bismarck, 1897;
    Die wichtigsten Bestimmungen über d. Vfg. u. Verw. d. Univ. Freiburg, 1898 („Codex Rosinus“);
    Bismarck u. Spinoza, Parallelen ihrer Staatsanschauung, in: FS Otto Gierke, 1911, S. 383-20.

  • Literatur

    M. Tambert, H. R. u. d. Anfänge d. Sozialvers.rechts, Diss. Freiburg 1977 (W-Verz.);
    A. Hollerbach, in: Heinrichs, S. 369-64 (P);
    ders., in: Bad. Biogrr., NF IV, 1996, S. 242;
    ders., in: Rektoramt u.|Rektoren an d. Albert-Ludwigs-Univ. (1460–1906), Freiburger Univ.bll., H. 137, 1997, S. 137-41;
    M. Stolleis, Gesch. d. off. Rechts in Dtld., II, 1992, S. 364 u. ö., III, 1999, S. 216 f.

  • Portraits

    Photogr., um 1888/89 (Univ.archiv Freiburg, Br.)

  • Autor

    Alexander Hollerbach
  • Empfohlene Zitierweise

    Hollerbach, Alexander, "Rosin, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 91-92 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116627638.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA