Lebensdaten
um 1750 – 1792
Geburtsort
vermutlich Leitmeritz (Litoměřice, Mähren)
Sterbeort
Ludwigslust (Mecklenburg)
Beruf/Funktion
Kapellmeister ; Komponist
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 119118602 | OGND | VIAF: 163094513
Namensvarianten
  • Rößler, Franz Anton (bis 1773)
  • Rosetti, Antonio
  • Rösler, Anton (bis 1773)
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Rosetti, Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119118602.html [23.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    Eltern unbekannt;
    1777 Rosina Neher ( 1813), T e. Gastwirts in Wallerstein (Ries);
    3 T Rosina Theresia (1777–1814, Christian Jakob Friedrich Ruest, 1771–1805, hzgl. Hofmedicus in Ludwigslust, s. A. Wilhelmi, Die meckl. Ärzte v. d. ältesten|Zeiten bis z. Gegenwart, 1901), Antonia Theresa (1779–1832), Amalie (1790–1836), beide Sängerinnen an d. Hofkapelle in Schwerin (s. L).

  • Biographie

    Das Fehlen eines genauen Geburtsdatums hat schon bei den frühesten Lexikographen (Gerber, Dlabacž) zu Verwirrung und Fehlinterpretationen geführt, da einige weitere Musiker gleichen Namens nachweisbar sind. Seine Ausbildung erhielt R. vermutlich bei Jesuiten in Böhmen, wurde jedoch nicht zum Priester geweiht, und hielt sich dann wohl die meiste Zeit in Prag auf. Berichte über anschließende Auslandsaufenthalte gehen auf Boßler zurück. Sehr wahrscheinlich stand R. eine Zeitlang in Diensten eines Grafen v. Orlov in Rußland. Sichere Kenntnisse gibt es erst seit 1773, als R. in die Hofkapelle von Erbgf. Kraft Ernst v. Oettingen-Wallerstein (1748–1802, Reichsfürst seit 1774) eintrat und die italienisierte Fassung seines Namens annahm. Er bekleidete in Wallerstein zunächst die Position eines Livréedieners und Kontrabassisten, trat aber bereits frühzeitig mit eigenen Kompositionen hervor und wurde 1774 zum Hofmusiker ernannt. 1776 schuf er das Requiem für die verstorbene Fürstin Maria Theresa, das 1791 nochmals in einer erweiterten Bearbeitung anläßlich der Trauerfeier für W. A. Mozart in Prag erklang. Nach dem Tod der Fürstin kam die Musik am Hof zum Erliegen, ein Großteil der Hofkapelle wurde entlassen, R. blieb jedoch in Wallerstein. Erst 1780 wurde das Musikleben wieder in vollem Umfang aufgenommen.

    Entscheidend für R.s Ruhm war ein fünfmonatiger Aufenthalt in Paris 1781/82, der ihm die Möglichkeit zu Aufführungen u. a. mit dem „Concert Spirituel“ gab. und ihm zur Drucklegung eigener Werke in führenden Pariser Verlagshäusern (Sinber, Le Menu et Boyer) verhalf. Außerdem trat er in Kontakt zu bedeutenden Komponisten wie Ch. W. Gluck. 1783/84 folgten zahlreiche weitere Reisen u. a. nach Frankfurt/M., Mainz und Speyer. Durch verstärkte Zusammenarbeit mit Verlegern wie André, Boßler und Schott avancierte er zu einem der meistverlegten Komponisten seiner Zeit. 1785 wurde er als Nachfolger von Joseph Reicha (1752–95) zum Hofkapellmeister berufen. In der Folge entstanden zahlreiche Symphonien, Solokonzerte, Werke für Bläserensemble sowie Kirchenmusik. R. formte die Wallersteiner Hofkapelle zu einem Ensemble, das sich neben dem Mannheimer bzw. späteren Münchener Orchester zu einem der führenden und besonders für seine virtuosen Bläsersolisten berühmten Orchester der Zeit entwickelte. Zu R.s Verdiensten bemerkte Christian Friedrich Daniel Schubart, daß „hier das musikalische Colorit viel genauer bestimmt worden ist, als in irgend einem anderen Orchester. Die feinsten und oft unmerklichsten Abstufungen des Tons hat besonders R. oft mit pedantischer Gewissenhaftigkeit angemerkt.“ (1784/85, gedr. in: Ideen zu e. Ästhetik d. Tonkunst, 1806).

    1789 übernahm R. den besser dotierten Kapellmeisterposten am Hof Hzg. Friedrich Franz' I. von Mecklenburg-Schwerin (1756–1837) in Ludwigslust. Das umfangreichere Ensemble ermöglichte ihm hier die Komposition größer besetzter Werke, so des Oratoriums „Jesus in Gethsemane“, das auch 1792 im Berliner Stadtschloß vor Kg. Friedrich Wilhelm II. zur Aufführung kam. Wenig später starb R. „an der Entkräftung“ (Sterbematrikel d. Pfarrei Ludwigslust).

    R. bewunderte Joseph Haydn, dem sein Werk in der Neigung zu experimentellen Elementen und dem Favorisieren unkonventioneller Formmodelle, z. B. in der Satzfolge, verwandt ist. Mit den späten 1780er Jahren ist die endgültige Ausprägung eines Personalstils erreicht, der sich durch eine „sparsame Verwendung des musikalischen Materials“ (Murray), ungewöhnliche Modulationen, Einflechten kontrapunktischer Elemente sowie farbige Instrumentation auszeichnet. Die Klassifizierung R.s als „Kleinmeister“ geht sowohl an den historischen wie auch den kompositionsästhetischen Gegebenheiten vorbei. Schon zu Lebzeiten vielgespielt und geschätzt, entwickelte er abseits der erst aus der Retrospektive normbildenden Entwicklungen der Wiener Klassik eine eigenständige Stimme, die nicht ohne Einfluß auf die Zeitgenossen blieb. So fand sich ein Druckexemplar des Oratoriums „Der sterbende Jesus“ im Nachlaß W. A. Mozarts. Heute wird im Rahmen der verstärkten Erforschung und Neubewertung der Musik des späten 18. Jh.s auch R.s Werk zunehmende Aufmerksamkeit entgegengebracht.|

  • Auszeichnungen

    Internat. Rosetti-Ges. (seit 1992).

  • Werke

    u. a. Orchesterwerke: 44 Symphonien, zahlr. Solokonzerte, u. a. je 12 f. Flöte u. Horn;
    38 Partiten f. Bläserensemble;
    Kammermusik:
    12 Streichquartette;
    13 Kontrabass-Trios;
    Singspiel:
    Das Winterfest der Hirten, 1789;
    geistl. Musik:
    13 Messen, liturg. Einzelstücke;
    2 dt. Passionsoratorien: Der sterbende Jesus, 1786 (Text: C. F. B. Zinkernagel);
    Jesus in Gethsemane, 1790 (Text: H. J. Tode);
    Halleluja, Kantate, 1791 (Text: ders.);
    W-Verz.:
    St. E. Murray, A. R. (Anton Rösler), ca. 1750–1792, A Thematic Cat., Warren, Mich. 1996;
    Ausg.:
    O. Kaul (Hg.), in: DTB (s. L) u. neuere Ausgg. (vgl. Internet-Seite d. Internat. Rosetti-Ges., Wallerstein, Ries).

  • Literatur

    u. a. W. H. Riehl, Die göttl. Philister (1843 u. 1852), in: Musikal. Charakterköpfe, ⁷1886, S. 205-59;
    H. Ph. Boßler, Musikal. Korr. d. Teutschen Philharmon. Ges. f. d. J. 1792, 1792;
    O. Kaul, Die Vokalwerke A. R.s, Diss. München 1911;
    ders. (Hg.), A. R., Ausgew. Werke, T. 1: Symphonien, 1912, S. IX-XXXV (Einl., W-Verz), DTB, A. F., Jg. XII, Bd. 22, rev. Neuaufl. 1968;
    dass., T. 2: Kammermusikwerke, DTB, A. F., Jg. XXV, Bd. 33, 1925;
    J. R. Piersol, The Oettingen-Wallerstein Hofkapelle and Its Wind Music, Diss. Univ. of Michigan 1973;
    St. E. Murray, A. R. and his Symphonies, Diss. ebd. 1973;
    ders., A. R.s Oratorium „Der sterbende Jesus“ (1785), in: Musik in Bayern 45, 1992, S. 5-26;
    M. Danckwardt, A. R.s Requiem f. d. Beisetzung d. Fürstin Maria Theresia zu Oettingen-Wallerstein, in: Augsburger Jb. f. Musikwiss. IV, 1981, S. 139-72;
    G. Grünsteudel, Wallerstein, das Schwäb. Mannheim, 2000;
    R.-Forum, hg. v. d. R.-Ges., 2000 ff.;
    H. Scheck, in: Lb. Ries, S. 236-43 (P);
    E. L. Gerber, Hist.-biogr. Lex. d. Tonkünstler, 1790-92;
    G. J. Dlabacž, Allg. hist. Künstler-Lex. f. Böhmen, 1815;
    Wurzbach;
    MGG;
    New Grove;
    New Grove²;
    Lex. z. dt. Musikkultur, Böhmen, Mähren, Sudetenschlesien, 2000;
    zu Antonio Theresa u. Amalia:
    Clemens Meyer, Gesch. d. meckl.-schweriner Hofkapelle, 1913 (Exemplar in d. UB Leipzig mit hs. Nachtrr. d. Vf. v. 1953).

  • Porträts

    Schattenriß mit farbiger Ornamentbordüre, in: H. Ph. Boßler, Schattenrisse berühmter Tonsetzer, 1784;
    Goldglas-Silhouette, um 1790 (Fürstl. Oettingen-Wallersteinsche Slgg.);
    kolorierte Portraitzeichnung v. L. A. Abel, um 1790 (Meckl. Landeshauptarchiv, Schwerin);
    Lith. v. H. E. v. Winter, 1818.

  • Autor/in

    Stephan Hörner
  • Zitierweise

    Hörner, Stephan, "Rosetti, Anton" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 89-91 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119118602.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA