Wild, Heinrich

Lebensdaten
1877 – 1951
Geburtsort
Bilten (Kanton Glarus)
Sterbeort
Baden (Kanton Aargau)
Beruf/Funktion
Landestopograph ; Konstrukteur optischer Geräte ; Unternehmer ; Ingenieur ; Geodät ; Topograf
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 124682332 | OGND | VIAF: 55087264
Namensvarianten

  • Wild Johan Heinrich
  • Wild, Heinrich
  • Wild Johan Heinrich

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Zitierweise

Wild, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124682332.html [05.02.2026].

CC0

  • Wild, Johann Heinrich

    | Landestopograph, Instrumentenkonstrukteur, Unternehmer, * 15.11.1877 Bilten (Kanton Glarus), † 26.12.1951 Baden (Kanton Aargau), ⚰Baden. (reformiert)

  • Genealogie

    V Jost Heinrich (1853–1880), aus Mitlödi (Kt. Glarus), Färbermeister, Zeichner, Gastwirt in B., S d. Mathias (1828–1907), aus Mitlödi, u. d. Anna Lienhard (1832–1857);
    M Elisabeth (1853–1917), aus Netstal (Kt. Glarus), T d. Johann Rudolf Weber (1817–1875), aus Netstal, u. d. Regula Leuzinger (1828–1906);
    2 B (beide früh †);
    Bern 1900 Anna Katharina Elisa (Lilly) (1880–1955), aus Küssnacht (Kt. Schwyz), T d. Leopold Märchi (* 1850), u. d. Theresia Elise (Elisabeth Theresa) Bürgi (* 1857);
    5 S Heinrich Leopold jr. (1901–89, 1] Martha Lutz, 1907–45, 2] Elisabetha Geissbühler, 1920–2005), Ing., Techn. Dir. b. d. Kern & Co. AG, Aarau (Kt. Aargau), Heinrich Konrad Willi (1907–1947), Jost Erich Leopold (1910–1942, 1] 1937–41 Alma Josephina Brizzi,* 1907, 2] 1942 Luise Zurbuchen, geb. Bachoner, 1900–82), eidgenöss. Beamter, Hptm., Hans Fridolin (1918–2001, Eva Margrit Bertschmann, 1922–2008), Dr. ing. chem., Vizedir. b. Roche, Fritz Rudolf (1920–36 Lawinenunglück), 4 T Elsa (Lisi) Margherita (1902–1990, Jakob Benz, 1903–74, Dr. med. vet., Bez.tierarzt in Rorschach, Kt. St. Gallen), Hedwig (Hedy) Alice (* 1903, ⚭ Emilio Kronauer, um 1902–89, Elektroing.), Gertrud (Trudy) Wilhelmina (1904–2001, Max Josef Kramer, 1905–92, Gymn.lehrer), Marie Hildegard (1916–2013, Walther Roth, 1915–95, Physiker, Entwicklungsdir. b. Contraves Bührle), Zahnärztin.

  • Biographie

    Nach dem Besuch der sechsjährigen Volksschule begann W. 1889 eine Ausbildung zum Vermessungsgehilfen beim Linth-Vermessungs|ingenieur Heinrich Leuzinger. Bereits 1895 selbständig als Landvermesser v. a. im Gebiet des neuerstellten Linthkanals tätig, studierte er seit 1897 am Technikum Winterthur in der Geometerschule Vermessungstechnik. Obwohl Jahrgangsbester, verließ er die Schule ohne Abschluß und trat 1899 als Praktikant, dann als Ingenieur III. Klasse in die Eidgenössische Landestopographie in Bern ein, die er 1907 als Ingenieur I. Klasse verließ.

    W. entwickelte schon 1904 einen verstellbaren optischen Koinzidenz-Telemeter (Entfernungsmesser) für die Artillerie, der von Carl Zeiss Jena sehr erfolgreich produziert wurde, und 1907 eine Vorrichtung zur gleichzeitigen mikroskopischen Ablesung von diametralen Koinzidenz-Glaskreisteilungsstrichen, die prägend für den Bau seiner neuartigen Theodolite wurde. Da es keinem Unternehmen des damaligen Vermessungsgerätebaus gelang, ein Instrument mit dieser optisch-feinwerktechnischen Miniaturisierung zu fertigen, schlug Carl Zeiss Jena W. vor, seine Konstruktionsideen bei ihnen zu verwirklichen. Neben hohen Patentrechtsgebühren für sein 1907 nochmals verbessertes Telemeterpatent erhielt er das Angebot, bei Zeiss im Rang eines Oberingenieurs eine neue Abteilung für die Herstellung von kompakteren und präziseren optischen Vermessungsgeräten aufzubauen. 1908 nach Jena übergesiedelt, gelang W. mit seinen neuartigen Nivelliergeräten, ausgestattet mit Innenfokussierung, Koinzidenzlibelle, Fernrohrkörper und Libellenträger aus einem Gußstück sowie mit Planplattenmikrometer und Invarbandlatte für hohe Genauigkeit, schnell der internationale Durchbruch.

    Der 1. Weltkrieg verzögerte die Übertragung dieser Konstruktionselemente der Nivelliere auf die Theodolite. Ebenso kamen weitere Patente W.s wie die diametrale Koinzidenz-Glaskreisablesung mittels eines Mikroskops und die Instrumentenstabilisierung mittels einer zylindrischen stählernen Stehachse verspätet zur Anwendung. Während sich der Erfolg bei den Nivelliergeräten um 1910 mit Carl Zeiss Jena einstellte, gelang dies bei den Theodoliten erst eineinhalb Jahrzehnte später mit W.s eigener Firma in der Schweiz.

    Während des Kriegs leistete W. seine zweijährige schweizer. Militärdienstpflicht ab und lernte den Geologen, Bergbauingenieur und Photogrammeter Robert Helbling (1874–1954) kennen. Dieser überzeugte den Industriellen Jacob Schmidheiny (1875–1955), eine gemeinsame Firma zu gründen, was 1921 zur Eröffnung der „Heinrich Wild feinmechanisch optische Werkstätte“ in Heerbrugg (Kt. St. Gallen) führte, die sich 1923 nach Zuführung neuen Kapitals in „Verkaufs-Aktiengesellschaft Heinrich Wild’s Geodätische Instrumente“ umbenannte und seit der 1937 erfolgten Einführung des Markenzeichens „Wild Heerbrugg“ 1954 unter „Wild Heerbrugg AG“ sowie seit 1997 unter „Leica Geosystems AG“ firmiert. Hier entwickelte und baute W. neben Vermessungsgeräten aufgrund eigener Optikberechnungen großformatige Luftbildkameras und die für die dreidimensionale Auswertung und Kartierung der damit erstellten sich überdeckenden Bildreihen erforderlichen Photogrammetrie-Ausrüstungen, die in den 1930er Jahren wegen ihrer hohen Genauigkeit und Zuverlässigkeit zum internationalen Standard wurden. 1932 trennten sich W. und seine Partner. W. übersiedelte als freier Erfinder und Konstrukteur nach Baden nahe Aarau. Hier gelangen ihm nochmals funktionale Verfeinerungen an den Theodolitkonstruktionen und photogrammetrischen Kartiergeräten, deren Herstellung nach Ablauf einer Konkurrenzverbotsklausel die „Kern & Co. AG“ übernahm mit W.s Sohn Heinrich jr. als Technischem Direktor.

    Da für W.s Patente in den 1960er Jahren die Schutzzeiten abliefen, finden sich seither zahlreiche seiner Konstruktionsideen in sämtlichen Vermessungsinstrumenten. Dank seiner völlig neuen Konstruktionsideen für den Bau kleinerer, leichterer, zuverlässigerer und genauerer opto-mechanischer Präzisionsinstrumente bei Zeiss Jena (Nivelliergeräte), in seinem eigenen Unternehmen in Heerbrugg (Theodolite, photogrammetrische Kameras und Auswertegeräte) und für Kern & Co entwickelte er nicht nur Geräte und Anwendungen, sondern hat auch die gesamte Vermessungsbranche bis heute geprägt, wo die W.-Konstruktionen mit Laser- und GPS-Technologien erweitert wurden.

  • Auszeichnungen

    |Dr. h. c. (ETH Zürich 1930);
    – H.-W.-Str., Heerbrugg;
    Wild Iskappe, Percyland (Grönland);
    Gebirgskamm „Wild Spur“, Antarktis.

  • Werke

    |Die neuere Entwicklung einiger geodät. Instrumente, selbstverfasster Ber. v. H. W., in: Vermessung, Grundbuch u. Karte, FS z. Schweiz. Landesausst. in Zürich, 1939;
    Patente u. a. Korrigierbarer Doppelbilddistanzmesser, CH 81049, 1904;
    Vorrichtung z. mikroskop. Ablesung v. Teilungen, CH 38603, 1907.

  • Literatur

    |E. Berchtold, in: Allg. Vermessungs-Nachrr. 1953, Nr. 3, S. 175–78;
    H. Härry u. a., 50 J. W. Heerbrugg, 1921–1971, FS Geodäsie u. Photogrammetrie, 1971;
    F. Kobold, H. Wild jr. u. G. Strasser, H. W. 1877–1951, z. 100. Geb.tag d. Schöpfers neuzeitl. geodät. Instrumente, 1977;
    B. Stöckli, in: Rheintaler Köpfe, 2004, S. 385–93 (P);
    F. Staudacher, Die Einstein-W.-Relation, 2008;
    ders., Jost Bürgi, Kepler u. d.|Kaiser, ³2016, S. 126 f.;
    S. Bertschmann, Dr. h. c. H. W., Obering., Baden. Nekr. v. 28.12.1951 (unveröff.);
    HLS;
    Qu Landesarchiv d. Kt. Glarus;
    Carl Zeiss Archiv, Jena.

  • Autor/in

    Fritz Staudacher
  • Zitierweise

    Staudacher, Fritz, "Wild, Johann Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 126-128 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124682332.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA