Lebensdaten
1851 bis 1922
Geburtsort
Guhrau (Schlesien)
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Redemptorist ; Publizist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 132316145 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rösler, Augustin
  • Roesler, Augustin
  • Rösler, Aug.
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Zitierweise

Rösler, Augustin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd132316145.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph (1819–64), S d. Johann Joseph ( 1819), beide Glaser in G.;
    M Rosalie (1826–83), T d. N. N. Wahlich, Webermeister in G.

  • Leben

    Nach der Reifeprüfung in Glogau 1871 trat R. in das theol. Konvikt in Breslau ein und studierte an der Universität Philosophie und Theologie (Priesterweihe 1875). Ein Promotionsstudium in Freiburg (Br.) schloß sich an (Dr. theol., 1876). Nach vorübergehender Beschäftigung in der Redaktion des Breslauer „Schles. Kirchenblattes“ trat er im April 1877 in die österr. Provinz, der Redemptoristen ein. Kurzzeitig in der Seelsorge tätig, wurde R. 1880 Dozent an der Ordenshochschule in Mautern (Steiermark). 1881-1918 lehrte er hier u. a. Exegese des Alten und Neuen Testaments. Zusätzlich versah er mehrere Klosterämter und wirkte als Exerzitienmeister. Nach dem Ausscheiden aus dem Lehramt – seit 1918 als Rektor des durch seine Mitwirkung kurz zuvor gegründeten Klosters in Breslau – widmete sich R. der Verbreitung der Redemptoristenkongregation in Schlesien.

    Bekannt wurde R. durch zahlreiche Bücher und Aufsätze zu asketischen, apologetischen, religionspädagogischen, pastoral- und moraltheologischen, liturgiewissenschaftlichen und sozialpolitischen Themen, durch seine Vortragstätigkeit über kath. Politik, Vereins- und Sozialarbeit wie durch sein Auftreten gegen die um 1900 in Österreich agierende pangermanistische „Los-von-Rom-Bewegung“. Besondere Bedeutung gewann er mit seinem Werk „Die Frauenfrage vom Standpunkt der Natur, der Geschichte und|der Offenbarung“ (1893, Neuaufl. 1907), weshalb er als „kath. Bebel“ bezeichnet wurde. Auch wenn R. die klassische Rolle der Frau als Mutter und Gattin in den Mittelpunkt stellte, war allein schon die Thematisierung der „Frauenfrage“ im kath. Bereich revolutionär und wurde keineswegs von allen Bischöfen begrüßt. Das Gleiche gilt für R.s Engagement für die Einführung kath. Frauenverbände bzw. des 1903 als Dachverband gegründeten „Dt. Kath. Frauenbundes“ in den dt. Diözesen. Von den weitergehenden emanzipatorischen Forderungen der von ihm 1900 in die kath. Kirche aufgenommenen Verbandsfunktionärin und Frauenrechtlerin Elisabeth Gnauck-Kühne (1850–1917) distanzierte er sich jedoch.

    In der Auseinandersetzung der kath. Parteien in Österreich um 1900 suchte R. in gleicher Weise den Kontakt zu den „Katholischkonservativen“ wie zu den „Christlichsozialen“, die er lieber in einer einzigen kath. Partei nach dem Vorbild des dt. Zentrums vereinigt gesehen hätte. In den innerkirchlichen Spannungen im ersten Jahrzehnt des 20. Jh. zwischen Integralisten und reformorientierten Modernisierern stand er – wenn auch gemäßigt im Ton – entschieden auf der Seite des röm. Antimodernismus. Dies zeigte sich in seiner Freundschaft mit dem integralistischen Rottenburger Bischof Paul Wilhelm v. Keppler (1852–1926) und in seinen 1902 erschienenen Schriften gegen Albert Ehrhards (1862–1940) „Der Katholizismus und das 20. Jh.“ (1901), in dem die Katholiken zur Versöhnung mit der modernen Kultur aufgefordert worden waren, ebenso in seiner Haltung im kath. Gewerkschaftsstreit, in dem er sich gegen eine Zusammenarbeit von Katholiken und Protestanten in der Arbeiterbewegung aussprach. Im sog. „Literaturstreit“ zwischen Carl Muth (1867–1944) und Richard v. Kralik (1852–1932) teilte er den Standpunkt Kraliks, daß kath. Literatur immer im Dienst der Religion und der Kirche zu stehen habe.

  • Werke

    u. a. Der kath. Dichter Aurelius Prudentius Clemens, 1886;
    Kard. Johannes Dominici, 1357–1419, 1893;
    Wahre u. falsche Frauenemanzipation, 1899;
    Die Übung d. Charitas durch d. Frauen u. an d. Frauen, 1901, 21903;
    Der Katholizismus, seine Aufgabe u. seine Aussichten nach Prof. Dr. Albert Ehrhard, 1902;
    Gewissenserforschung über d. Anklagen d. Prof. Dr. Ehrhard, 1902.

  • Literatur

    A. Ehrhard, Lib. Katholizismus? Ein Wort an meine Kritiker, 1902, S. 1-101;
    H. Dransfeld, R.s „Frauenfrage“ im Lichte d. Kritik, in: Die christl. Frau 6, 1908, S. 151 ff.;
    J. Schweter, P. Dr. A. R., C. SS. R., 1851-1922, 1929 (P);
    A. Kall, Kath. Frauenbewegung in Dtld., 1983, S. 273-77;
    I. Böhm, Elisabeth Gnauck-Kühne 1850-1917, in: K. Hengst u. a. (Hg.), Geliebte Heimat, gelebte Caritas, Festgabe f. Dr. theol. P. H. Nordhues, 1995, S. 147-85;
    ÖBL;
    BBKL;
    LThK XI.

  • Autor/in

    Otto Weiß
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiß, Otto, "Rösler, Augustin" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 741-742 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132316145.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA