Lebensdaten
1856 bis 1924
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Oels (Niederschlesien)
Beruf/Funktion
Agrarpolitiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 129409162 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Roesicke, Gustav

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Zitierweise

Roesicke, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129409162.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    4 B, u. a. Richard (s. 1), 3 Schw;
    Mathilde N. N.;
    1 T Gertrud (* 1886, Egloff v. Tippelskirch, * 1882, Dipl.landwirt);
    E Egloff v. Tippelskirch (* 1913), Dr. iur., Adolf Hilmar v. Tippelskirch (* 1914), Lt., Gerd Dieter v. Tippelskirch (* 1919), Biograph R.s (s. L).

  • Leben

    Nachdem R. 1876 in Berlin das Abitur abgelegt hatte, studierte er in Berlin, Göttingen und Leipzig Geschichte, Philosophie und Jura; 1881 wurde er in Göttingen zum Dr. iur. promoviert. 1881-86 arbeitete er als Rechtsreferendar in Berlin, Halle und Naumburg, dann drei Jahre lang als Gerichtsassessor in Halle. R. entschied sich jedoch gegen eine Beamtenlaufbahn und erwarb 1889 das rd. 1000 ha große Rittergut Görsdorf in der Mark Brandenburg, das er zu einem modernen Betrieb mit Saatzuchtwirtschaft, Molkerei, Brennerei sowie einer Dampf- und Wassermühle ausbaute.

    Krisenerscheinungen der Landwirtschaft in einem zunehmend von der Industrie dominierten Umfeld sowie die Furcht vor negativen Folgen der liberalen Handelspolitik der Reichsregierung Caprivi führten Anfang der 1890er Jahre zu einer Politisierung unter den Landwirten, die auch R. erfaßte. Als im Febr. 1893 in Berlin der Bund der Landwirte (BdL) gegründet wurde, um den politischen Protest zu kanalisieren und den ökonomischen Forderungen der Agrarier Nachdruck zu verleihen, wurde R. zu einem der stellv. Vorsitzenden gewählt; 1899 rückte er neben Conrad Frhr. v. Wangenheim (1849–1926) zum gleichberechtigten Vorsitzenden auf. Energisch, temperamentvoll und modernen Techniken der Propaganda gegenüber aufgeschlossen, hatte er entscheidenden Anteil daran, daß sich der BdL zu einer straff geführten, schlagkräftigen und mitgliederstarken „pressure group“ entwickelte, die im politischen System des wilhelmin. Kaiserreichs ihresgleichen suchte. Als wichtiges Instrument zur politischen Einflußnahme diente die „Dt. Tageszeitung“, die R. 1894 gegründet hatte und deren Vorstandsvorsitzender er bis zu seinem Tod blieb. Die Agitation des BdL, in dem Vertreter des Großgrundbesitzes den Ton angaben, fiel insbesondere im ostelbischen Preußen auf fruchtbaren Boden. Sie verband agrarprotektionistische Ziele mit einem aggressiven Nationalismus, der monarchistisch, antidemokratisch, antisozialistisch und antisemitistisch geprägt war. Offiziell überparteilich, war der BdL de facto eng mit der Dt.konservativen Partei verbunden, deren Reichstagsfraktion R. 1907-12 und 1914-18 angehörte, nachdem er schon 1898 als parteiloser Kandidat ein Mandat gewonnen hatte; 1913-18 vertrat er die Dt.konservative Partei auch im Preuß. Abgeordnetenhaus.

    Nach Ausbruch des 1. Weltkriegs tat sich R. als Verfechter eines Siegfriedens hervor; so forderte er die Annexion Belgiens, eine Expansion des Dt. Reichs nach Osten und verlangte noch im Sommer 1918 die Neuaufteilung der aftikan. Kolonien zugunsten Deutschlands. Die Niederlage und die Revolution vom Nov. 1918 erschütterten den BdL zwar schwer, aber es war nicht zuletzt R. zu verdanken, daß der BdL als Machtfaktor und Hort des preuß. Konservatismus erhalten blieb. Als der BdL und der nach Kriegsende entstandene Dt. Landbund 1920 zum Reichslandbund (RLB) fusionierten, avancierte R. zu einem der beiden Präsidenten der neuen Organisation, die sich eng an die DNVP anlehnte. Als Vorstandsmitglied der DNVP wurde er 1919 in die Nationalversammlung und 1920 in den Reichstag gewählt, dem er bis zu seinem Tod angehörte.

  • Werke

    u. a. Landwirtsch. u. Ind., in: O. Kiesenwetter, 25 J. wirtschaftspol. Kampfes, Geschichtl. Darst. d. BdL, 1918, S. I-XXII;
    Gegenwarts- u. Zukunftsfragen d. dt. Volkes, 1919. – Reden in: Stenograph. Berr. über d. Sitzungen d. Preuß. Abg.hauses, d. Dt. RT u. d. NV;
    Reden anläßl. d. Gen.verslgg. d. BdL (ersch. bis 1896 als selbständige Druckschrr., seit 1897 in d. „Korr. d. Bundes d. Landwirte“ bzw. im „Bund d. Landwirte“). |

  • Nachlaß

    Nachlaß: BA Berlin (N 2244).

  • Literatur

    M. Kuhner u. H. Morgen, Pflügende Hand, forschender Geist, 1934, S. 190-95 (P);
    G. D. v. Tippelskirch (E), Agrarhist. Ausschnitte aus d. Zeit v. 1893-1924 im Lichte d. Wirkens v. Dr. G. R., 1959;
    D. Fricke, BdL 1893-1920 in: Die bürgerl. Parteien in Dtld., I, 1968, S. 129-49;
    H.-J. Puhle, Agrar. Interessenpol. u. preuß. Konservatismus im wilhelmin. Reich 1893-1914, 21975;
    M. Schumacher, Land u. Pol., 1978;
    ders., M. d. R.;
    E. Kimmel, Methoden antisemit. Propaganda im Ersten Weltkrieg, Die Presse d. BdL, 2001;
    Kosch, Biogr. Staatshdb.

  • Autor/in

    Thomas Schlemmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schlemmer, Thomas, "Roesicke, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 740-741 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129409162.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA