• Genealogie

    Aus führender Fam. Lotharingiens (Matfridinger);
    B Grafen Gerhard u. Matfrid; Verwandter Stephan ( 920), Bf. v. Lüttich (s. BBKL).

  • Leben

    In Lüttich kam es nach dem Tod des mit R. verwandten Bf. Stephan (19.5.920) zu einem Schisma, das seine Ursache in den politischen Wirren hatte, die dem vorübergehenden Anschluß Lotharingiens an das Westfränk. Reich 911 gefolgt waren. R., seit 899 Abt von Prüm, wo der Chronist Regino ( 915) ihm unter nicht geklärten Umständen hatte weichen müssen, wurde nach anfänglichem Zögern vom westfränk. Kg. Karl III. d. Einfältigen unterstützt; sein Kontrahent Hilduin, ein Lütticher Kleriker, war der Kandidat des von Karl abgefallenen Hzg. Giselbert von Lotharingien, und – im Zusammenspiel mit diesem – Kg. Heinrichs I. von Ostfranken. Ungeachtet der Weihe Hilduins durch den zuständigen Kölner Ebf. Hermann ( 924 ?) rief der von der Partei R.s angerufene Papst Johannes X., nachdem sich auch der um Unterstützung gebetene Ks. Berengar I. für R. verwandt hatte, beide Kandidaten nach Rom. Während Hilduin dort exkommuniziert wurde, erhielt R. am 4.11.921 von Johannes X. persönlich Weihe und Pallium, so daß er im Jan. 922 seinen Bischofsstuhl in Besitz nehmen konnte.

    Bald nach dem Anschluß des Mittelreichs an das Ostfränk. Reich (925) muß sich R. mit Heinrich I. arrangiert haben, in dessen Umgebung er im Juni 930 in Aachen zusammen mit den Herzögen Eberhard v. Franken und Giselbert für das dortige Marienstift intervenierte (D H I 23, in verderbter Schreibweise „Hacharius“). Im Mai 941 erscheint er auch in Ingelheim am Hof Ottos d. Gr. unter den Intervenienten für das ihm benachbarte Bistum Cambrai (D O I 39). Auf einem Duisburger Hoftag 945 wurde R. zusammen mit dem Trierer Metropoliten Ruotbert ( 956) – wahrscheinlich im Zusammenhang mit den damaligen westfränk. Verwicklungen, in die der otton. Hof involviert war – der Untreue gegenüber Otto d. Gr. bezichtigt, konnte sich aber anscheinend rechtfertigen.

    In seiner ausgedehnten Diözese wird R. sowohl mit den Anfängen der von Gorze ausgehenden und von Otto d. Gr. unterstützten Reform des Klosters Stablo-Malmedy in Verbindung gebracht, wo durch sein Eingreifen 938 der Gorzer Mönch Odilo (878/79-942) Abt wurde, als auch mit der des Ardennenklosters St-Hubert. Kein gutes Gedächtnis hinterließ er im Lütticher Eigenkloster Lobbes, das er zu außergewöhnlich hohen Abgaben heranzog. 933 ließ er die in seiner Diözese gelegene Burg Arches (das spätere Charleville), die Gf. Bernard v. Porcien (Rethel) erbaut hatte, zerstören. Nach seinem Tod wurde R. in der von ihm wieder aufgebauten und als Kollegiatstift eingerichteten Lütticher Kirche St-Pierre beigesetzt.

  • Literatur

    H. Zimmermann, Der Streit um d. Lütticher Bistum 920/921, in: MIÖG 65, 1957, S. 15-32;
    H. Büttner, Heinrichs I. Südwest- u. Westpol., 1964;
    L. Santifaller, Zur Gesch. d. otton.-sal. Reichskirchensystems, 21964, S. 118-22;
    E. Hlawitschka, Die Anfänge d. Hauses Habsburg-Lothringen, 1969;
    J. F. Böhmer u. H. Zimmermann, Papstregg., S. 21-25;
    J.-L. Kupper, Liège et l'Eglise impériale, 1981;
    M. Margue, Aspects politiques de la „réforme“ monastique en Lotharingie, in: Revue Bénédictine 98, 1988, S. 42-46;
    J. F. Böhmer u. H. Zielinski, Regg. Imp. I, 3/2, Nr. 1366;
    E. Boshof, Kloster u. Bf. in Lotharingien, in: Monast. Reformen im 9. u. 10. Jh., 1989, S. 241 f.;
    A. Wendehorst u. St. Benz, Verz. d. Säkularkanonikerstifte d. Reichskirche, in: Jb. f. fränk. Landesforsch. 54, 1994, S. 97;
    B. Resmini, in: Die Männer- u. Frauenklöster d. Benediktiner in Rheinland-Pfalz u. Saarland, 1999, S. 618;
    Biogr. Nat. Belg. 15;
    LThK;
    Gams, V/I, 1982, S. 61 f.;
    Lex. MA.

  • Autor/in

    Herbert Zielinski
  • Empfohlene Zitierweise

    Zielinski, Herbert, "Richer" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 513-514 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139132767.html#ndbcontent

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