Lebensdaten
1816 bis 1899
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Nizza
Beruf/Funktion
Begründer der Reuterschen Telegraphenbüros ; journalistischer Unternehmer
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 118599992 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reuter, Paul Julius Baron de (seit 1871)
  • Reuter, Paul Julius Freiherr von
  • Israel Beer Josaphat (bis 1871)
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Reuter, Julius Baron de, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118599992.html [24.10.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Samuel Levi Josaphat ( 1829), Rabbiner in K., S d. Loeb Witzenhausen, Rabbiner; M Betty Sanders; Berlin 1845 Ida, T d. Friedrich Martin Frhr. v. Magnus (1796–1869), Bankier in Berlin (s. NDB 14); 2 S u. a. Herbert (1852–1915, Freitod), beteiligt an d. Ltg. d. Fa. „Reuter's Telegram Comp. Ltd.“, seit 1878 alleiniger Geschäftsführer (s. Who Was Who 1897-1916, 1920), 3 T (1 früh †).

  • Leben

    R. absolvierte in Göttingen eine Banklehre und lernte dort Karl Friedrich Gauß (1777–1855) und dessen Versuche mit elektrischen Übertragungsmöglichkeiten kennen. Seit 1847 führte er zusammen mit Joseph Stargardt (1822–85) eine Verlagsbuchhandlung in Berlin, mußte sich aber bald wegen der Verbreitung „demokratischer“ Literatur verantworten und ins Ausland fliehen. Er arbeitete 1848 in der Nachfolge Bernhard Wolffs (1811–79), des späteren Begründers des „Wolff'schen Telegraphen-Bureaus“ (WTB), als Übersetzer in der franz. Nachrichtenagentur „Agence Havas“, scheiterte in Paris mit einer Zeitungsgründung und kehrte nach Deutschland zurück. In Aachen schloß R. 1850/51 mit einem regelmäßigen Brieftauben-Dienst (v. a. f. Börsendienste) die 140 km lange Übermittlungslücke Aachen-Brüssel zwischen den Telegraphenlinien Berlin-Aachen und Brüssel-Paris. Im Juni 1851 zog er nach London, gründete das „Telegraphic Office“ (später: „Continental Telegraph“, „Mr. Reuter's Office“, schließlich 1865: „Reuter's Telegram Comp. Ltd.“) und reüssierte wegen seiner zuverlässigen und schnellen Berichterstattung (1857 brit. Staatsbürger). Er war erfinderisch beim Einsatz technischer Hilfsmittel für den Nachrichtentransport, errichtete ein eigenes Korrespondentennetz und arbeitete mit anderen Agenturen zusammen. Im amerik. Bürgerkrieg stieg er zum Hauptinformanten für Großbritannien und Europa (1861–65) auf. R. betrieb seit 1865 ein Unterseekabel zwischen England und Norderney (1870 v. d. brit. Reg. übernommen), seit 1869 ein weiteres zwischen Frankreich und den USA.

    In den 60er Jahren dehnte R. die thematische Breite seiner Berichte aus, erfand Codebücher, mit denen sich Telegrammtexte um bis zu 80% verkürzen ließen und forcierte den Ausbau seiner Verbindungen in Deutschland und auch nach Südamerika, Afrika, China, Ostindien und Australien. 1870 teilte er in geheimen Kartellverträgen (1890 u. 1903 verlängert) mit seinen stärksten Konkurrenten, WTB (Berlin) und Havas (Paris) den internationalen Nachrichtenmarkt auf: R. erhielt Großbritannien, das brit. Empire – ohne Kanada –, die Niederlande und Ostasien. 1872 übertrug ihm der Schah von Persien das Monopol auf den Eisenbahnbau und die Zollpacht und gestattete 1889 die Gründung einer Bank. In den 70er Jahren beteiligte R. seinen Sohn Herbert zunehmend an der Leitung des Unternehmens; seit 1878 war er nur noch als Berater der Direktion tätig.

    Nach Herberts Tod 1915 wurde das Unternehmen neu organisiert, 1941 in eine Stiftung umgewandelt (Reuter's Trust), an dessen Spitze ein Treuhänderrat steht. 1962 informierte das Unternehmen erstmals per Satellit; seit 1984 als AG organisiert, verfügt es über das größte private Satelliten- und Kabelnetzwerk in der Welt, unterhält eigene Büros in mehr als 160 Ländern und beschäftigt mehr als 2000 Journalisten, Fotografen und Kameraleute.

  • Literatur

    ADB 53; J. Kühn, Eine Kasseler Renegatenfam., in: Hessenland 29, 1915, S. 118-20; G. Storey, Reuter's Century 1851-1951, 1951 (P); J. Wilke (Hg.), Nachrr.agenturen im Wettbewerb, 1997, S. 13-56; J. Lawrence u. L. Barber, The Price of Truth, The Story of the Reuters Millions, 1985; D. Read, The Power of News, The History of Reuters 1849-1989, 1992 (P); Ch. Shaw, in: Dict. of Business Hist. IV, 1985, S. 887-93 (P); DNB, Missing Persons, hg. v. C. S. Nicholls, 1993; Biogr. Dict. of Management, hg. v. M. Witzel u. a., 2001; GHdA Adelslex. XI, 2000, S. 347.

  • Portraits

    Ölgem. v. R. Lehmann.

  • Autor

    Bernd Sösemann
  • Empfohlene Zitierweise

    Sösemann, Bernd, "Reuter, Julius Baron de" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 471-472 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118599992.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Artikel noch nicht erschlossen.