Lebensdaten
gestorben 1009
Beruf/Funktion
Bischof von Paderborn
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118750127 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ratar
  • Rather
  • Rethar von Paderborn
  • mehr

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Zitierweise

Rethar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118750127.html [19.10.2019].

CC0

  • Leben

    Über Herkunft und Werdegang R.s, der zu den profilierteren Paderborner Bischöfen des Mittelalters zählt, gibt es keine sicheren Angaben. Nach jüngerer Straßburger Überlieferung soll er von Bf. Erkanbald von Straßburg (reg. 965-91) zusammen mit dem zuständigen Ebf. Willigis von Mainz (reg. 975-1011), in dessen Umgebung R. auch später mehrfach nachzuweisen ist, in Speyer geweiht worden sein (nachdem R.s Vorgänger Folkmar am 17.2.983 gestorben war). Otto III. bestätigte im Jan. 1001 in Rom die wenige Monate zuvor bei einem verheerenden Dombrand zerstörten urkundlichen Besitztitel des Paderborner Bistums. Im Thronstreit 1002, als die Haltung der Sachsen schwankend war, scheint R. die Königshoffnungen Ekkehards von Meißen bei dessen Besuch in Paderborn im April gedämpft zu haben (Thietmar von Merseburg). Ende Juli 1002 huldigte er zusammen mit den meisten anderen sächs. Großen Heinrich II. in Merseburg, womit die nicht zuletzt von Willigis von Mainz favorisierte Thronfolge des bayer. Herzogs gesichert war. Am Laurentiusfest (10.8.) dieses Jahres stellte R. seine Bischofsstadt für die Krönung von Heinrichs Gemahlin Kunigunde durch Willigis zur Verfügung. Heinrich II. hat noch 1002/03 Besitz und Rechte des Paderborner Bistums bestätigt, allerdings im Einklang mit seiner Kirchenpolitik nicht mehr das zuletzt von Otto III. erneuerte Bischofswahlrecht. Im Juli 1005 nahm R. an der Dortmunder Synode teil, wo der König einen Gebetsbund mit zahlreichen Bischöfen und Laien schloß, darunter mit R. Noch im selben Monat empfing dieser Heinrich II. zum zweiten Mal in Paderborn, das im Itinerar des Hofes aus politisch-strategischen Gründen damals zunehmende Bedeutung erlangte. Im Jan. 1007 war R. bei der Beilegung des Gandersheimer Kirchenstreits zwischen Willigis von Mainz und Bernward von Hildesheim (um 960–1022), in dem er eine ausgleichende Haltung eingenommen zu haben scheint, zugegen. Auch die Frankfurter Synodalurkunde von Nov. 1007, welche die Gründung Bambergs besiegelte, hat R. mit unterzeichnet. Es fällt auf, daß R. auf den Italienzügen Ottos III. und Heinrichs II. nicht nachweisbar ist; vielleicht hat er Otto III. 992 gegen die Elbslawen Heeresfolge geleistet.

    In der lokalen Überlieferung (Vita Meinwerci, 12. Jh.) wird er in gängigen Topoi als gelehrt, sittenrein und eifrig im Königsdienst geschildert. Den Kult des hl. Liborius, des Hauptpatrons seiner Kirche, hat R. neu belebt, das im Norden des Sprengels gelegeneReichsstift Schildesche erfuhr seine besondere Unterstützung. Sein Anteil am Neubau des Paderborner Doms im 1. Viertel des 11. Jh. scheint weitaus größer zu sein, als es die Vita Meinwerci, in der R.s Leistung zugunsten seines Nachfolgers heruntergespielt wird, zu erkennen gibt (Lobbedey). Die von Papst Johannes XVIII. im Dez. 1005 für Paderborn ausgestellte allgemeine Bestätigungsurkunde stellt die älteste im Original überlieferte Papsturkunde für einen nichtitalischen Empfänger dar. R. war ein typischer, aber – gerade auch im Vergleich mit seinem ungleich bedeutenderen Nachfolger – kein überragender Vertreter jenes hochmittelalterlichen Bischofstyps, für den die Forschung den Begriff des otton.-sal. Reichsbischofs geprägt hat.

  • Quellen

    Qu N. Schaten, Annales Paderbornenses I, 1693, S. 224-62; Vita Meinwerci c. 1, 6-10, 103, ed. F. Tenckhoff, MGH SS rer. Germ., 1921, S. 5, 9-17, 55 f.; Thietmar v. Merseburg, Chronik, V, 5, 19, ed. R. Holtzmann, SS rer. Germ. NS, 1935, S. 224 f., 243.

  • Literatur

    G. J. Bessen, Gesch. d. Bisthums Paderborn I, 1820, S. 104-108;
    R. Wenskus, in: W. Schlesinger, Mitteldt. Btrr. z. dt. Vfg.gesch. d. Ma., 1961, S. 409, 412;
    J. F. Böhmer – H. Zimmermann, Papstregg., II/5, 1969, Nr. 1005;
    J. F. Böhmer u. Th. Graff, Regg. Imp. II/4, 1971, S. 862-69 u. ö.;
    H. Bannasch, Das Bistum Paderborn unter d. Bischöfen R. u. Meinwerk, 1972, S. 94-150;
    H. J. Brandt, K. Hengst, Die Bischöfe u. Erzbischöfe v. Paderborn, 1984, S. 64-67;
    U. Lobbedey. Die Ausgrabungen im Dom zu Paderborn, 1, 1986, S. 99-103, 159-61.

  • Autor/in

    Herbert Zielinski
  • Empfohlene Zitierweise

    Zielinski, Herbert, "Rethar " in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 445 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118750127.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA