Lebensdaten
1847 bis 1931
Geburtsort
Brandenburg/Havel
Sterbeort
Brandenburg/Havel
Beruf/Funktion
Fabrikant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139051562 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reichstein, Carl
  • Reichstein, Karl

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Zitierweise

Reichstein, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139051562.html [16.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus schles. bäuerl. Fam., seit 1726 Handwerker in Brieg, seit 1767 in Breslau, seit 1787 in Potsdam u. B.;
    V Eduard (1810–62), seit 1832 Korbmachermeister in Potsdam, seit 1835 Bürger in B., S d. Carl (1778–1842), Korbmachermeister, 1816 Bürger in Potsdam, u. d. Luisa Charlotte Schoene aus Hämerten b. Tangermünde (1784–1839);
    M Elisabeth Steinberg aus Breslau, T e. Bauern in Thomaskirch (Kr. Ohlau);
    B Adolf (1839–1910), Korbmacher, Stadtrat. Leiter d. Kontors, d. Einkaufs, d. Expedition, d. Grunderwerbs u. d. Bauten d. Fa. „Eduard Reichstein“, seit 1875 „Gebr. Reichstein“, Hermann (1841–1913), Korbmacher, Leiter d. Detailgeschäfts in B., Eduard (1850–93), Tuchmacher, Leiter d. Lackiererei, später auch d. Expedition, seit 1871 tätig in d. Fa. „Eduard Reichstein“;
    Brandenburg/Havel 1882 Emma Florentine Schmidtsdorf (1864–1940), 1926 Mitgründerin d. Dt. Damen-AC, T e. Gutsbes.;
    5 S Walter (1884–1965), Kaufm., Stadtverordneter, 1924 Vorstandsmitgl. d. RDA, stellv. Kammerpräs., seit 1911 Prokurist, 1917 Mitinh. d. väterl. Fa., wandelte diese 1932 in d. „Brennabor-Werke AG“ um, 1938 Löschung d. Familien-OHG, 1. stellv. Präs. d. IHK Brandenburg, Vorstandsmitgl. d. Ver. Dt. Fahrrad-Industrieller (s. Wenzel), Carl (1885–1945), Ing., seit 1910 Prokurist, 1916 Mitinh. d. väterl. Fa., 1932-34 Vorstandsmitgl. d. „Brennabor-Werke AG“, lebte dann auf Gut Netzen b. Potsdam, Dr.-Ing. E. h. (TH Braunschweig 1929), Ernst (1886–1977), 1913 Prokurist u. Einkaufsleiter, 1918 Mitinh. d. väterl. Fa., führte 1932-40 d. Bau v. Mofas mit Sachs-Motoren ein, 1932-45 als Verkaufsdir. Vorstandsmitgl. d. „Brennabor-Werke AG“, 1945-71 Handelsger.rat in Potsdam, 1971-77 in Hanau, Eduard (1888–1974), Ing., 1916-19 Chef-Konstrukteur in d. Northway Motor Corp., Detroit (Michigan, USA), seit 1920 Leiter d. Automobilkonstruktion in d. väterl. Fa., seit 1922 Mitinh., entwickelte 1922 d. erfolgreichen 1,6 Liter 6/20 PS Vierzylinder, 1929 d. „Juwel“-Reihe 2,5 Liter/Sechszylinder, 1930 u. 3,4 Liter/Achtzylinder, verließ 1932 d. väterl. Fa. u. betrieb d. Paul Heyse-Garage in München (alle s. Rhdb.; W), Friedrich (1890–1917. ⚔), Landwirt, Flieger-Lt., 1 T.

  • Leben

    Nach dem Schulbesuch in Brandenburg/Havel, einer Korbmacherlehre und Wanderschaft (1867–71), u. a. nach Paris und in die Schweiz, gründete R. 1869 auf Anregung seines Bruders Adolf die Firma „Eduard Reichstein OHG“ zur Herstellung von Kinderwagen, die, 1875 in „Gebr. Reichstein“ umbenannt, bereits 1876 täglich 100 Wagen produzierte und unter der Verantwortung Adolfs ständig erweitert wurde. Nach 1900 war R. alleiniger Produktions- und Firmenchef. Seit 1881 wurden auch Fahrräder gefertigt: R. ließ sich bei Teile-Lieferanten in Coventry und Birmingham einführen, übernahm die Harrington-Emaillierung (Tauchen u. Einbrennen im Gasofen) und kaufte in Birmingham Einzelteile und Ausrüstungen (Laternen, Sättel, Glocken), womit er zuerst engl. Modelle nachbaute. Mit der Einführung des Niederrads und der Luftbereifung begann R. 1881 mit der Serienproduktion unter dem Firmennamen „Gebr. Reichstein, Brennabor-Werke“, wobei er fast alle Bestandteile selbst herstellte. Nach Betriebserweiterungen 1889 und 1893 wurde „Brennabor“ zum größten dt. Fahrradhersteller (1900 Verkauf v. 40 000 Fahrrädern); daneben wurden weiter Kinderwagen gebaut. 1908 erfolgte der Einstieg in|den Automobilbau: Nach dem Dreirad „Brennaborette“ (1906-11) wurden seit 1908 zwei Vierzylinder-Klein-Pkw und ein ½ t-Lieferwagen produziert, alle unter dem Markennamen „Brennabor“. Während des 1. Weltkriegs wurden Körbe für die Granaten-Verpackung geflochten, Patronen- und Satteltaschen genäht; daneben baute R. 1914-17 ein großes Fabrikgebäude für die Weiterführung des Automobilbaus. 1916 nahm er seine Söhne Walter, Carl Gustav und 1918 Ernst als Mitinhaber in die Firma auf, 1917-20 zog er sich selbst aus dem Geschäft zurück.

    Unter R.s Söhnen wurde die Produktion von Kinderwagen, Fahrrädern, Motorrädern, Personen- und Nutzfahrzeugen weitergeführt. Seit Einführung der Fließbandmontage 1923 wurde die Firma zeitweise zum zweitgrößten dt. Automobilproduzenten. Da das Familienunternehmen seit 1928 v. a. im Automobilbereich mit Verlust arbeitete, wurde es 1932 in eine AG umgewandelt; dennoch mußte der Kraftfahrzeugbau 1934 eingestellt werden. Die AG bestand bis 1945 und erlosch mit der Demontage 1946. Seit 1948 nutzte der „VEB Traktorenwerk Brandenburg“ einen Teil der Firmengebäude.

    1918 gründete R. die „Carl Reichstein-Stiftung“ zur Heilung und Pflege schwächlicher und kranker Kinder.|

  • Auszeichnungen

    KR (1912); Mitgl. d. IHK Brandenburg; Ehrenbürger v. Brandenburg/Havel (1947).

  • Werke

    Meine Lebenserinnerungen, 1929 (P);
    – zu Eduard jun.: DRP 452 886 v. 1926 (Kfz.-Bremse).

  • Literatur

    Motor u. Sport 3, 1927, S. 27 (P);
    Der Motorwagen 24, 1921, S. 253;
    ADAC-Motorwelt Nr. 17, 1931, S. 38 (P);
    Allg. Automobilztg. 1930, Nr. 14;
    Das Lastauto 4, 1927, S. 26 (P) u. 1929, S. 14 f.;
    H. H. Fersen, Autos in Dtld. 1885-1920, 1965;
    W. Oswald, Dt. Autos 1920–45, 21978;
    H. Ch. Gf. v. Seherr-Thoß, Die dt. Automobilind., 21979;
    B. Pavel, Von Brennabor bis ZF Brandenburg, 1996 (P);
    Wenzel;
    Rhdb. (P);
    Dt.GB. 111, 1941 (P);
    Mitt. u. Archivstud. v. H. Cremer, Köln.

  • Autor/in

    Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß
  • Empfohlene Zitierweise

    Seherr-Thoß, Hans Christoph Graf von, "Reichstein, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 320-321 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139051562.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA