Lebensdaten
um 1460 bis um 1520
Geburtsort
vermutlich in Südtirol, vielleicht in der Umgebung von Brixen
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 133841669 | OGND | VIAF: 70130591
Namensvarianten
  • Reichlich, Marx
  • Mareigl von Taisten, Simon
  • Marx
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Orte

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Zitierweise

Reichlich, Marx, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133841669.html [17.01.2021].

CC0

  • Leben

    Die spärlichen, erst seit 1494 zu R.s Biographie überlieferten Quellen beziehen sich auf seine Einbürgerung in Salzburg und auf einige wenige Werke; die einzelnen Etappen seines Lebensweges und der Umfang seines Schaffens sind daraus nicht präzis ablesbar. 1499 und 1508 ist R. als „Maler und Bürger zu Salzburg“ bezeugt. Angenommen wird sein Status als Hofmaler zu Innsbruck, da er 1508 im Auftrag Ks. Maximilians I. auf dessen Schloß Runkelstein bei Bozen Gemälde schaffen soll, vermutlich die bereits 1502 erwünschten Erneuerungen der Wandmalereien aus der Zeit um 1400 (H. Semper, 1891).

    R. führte Aufträge im tirol., salzburg., steir. und Kärntner Bereich aus. Der „Meister der Heiligen der Sammlung Sepp“ ist mit R. identisch; zweifelhaft ist dagegen, ob auch der „Meister des Angrer-Bildnisses“ mit ihm identifiziert werden darf. Unsicher ist, ob R. die Illustrationen in der 1502 datierten Handschrift „Prodigiorum, portentorum, ostentorum et monstrorum, que in seculum Maximilianense inciderunt queque aliis temporibus apparuerunt, interpretatio“ des kgl. Astrologen und Hofhistoriographen Joseph Grünpeck geschaffen hat (Innsbruck, Univ. bibl., Hs. 314; F. Wilflingseder, 1966). R. war selbst wohl nicht Bildschnitzer, hat aber möglicherweise die Entwürfe für die geschnitzten Teile seiner Retabeln geliefert (V. Oberhammer, 1970).

    Stilkritische Gründe sprechen dafür, daß R., neben Michael und Friedrich Pacher der bedeutendste Südtiroler Maler, einer jüngeren Generation als diese angehört. Nicht auszuschließen ist, daß er seine künstlerische Ausbildung bei einem der beiden Pacher oder in deren Umkreis erhielt. Darüber hinaus verrät sein Werk wie auch immer vermittelte venezian. Einflüsse (Giovanni Bellini, Vittore Carpaccio). R.s Stil ist im Unterschied zu dem der beiden Pacher u. a. von weicheren, „wärmeren“ Farben geprägt. R. ist der vielleicht bedeutendste oberdt. Kolorist am Beginn des 16. Jh. genannt worden, von dem die Maler des sog. Donaustils (Cranach) wichtige Anregungen empfangen haben (Ausst.kat. Innsbruck 1950); ob tatsächlich ein direkter Bezug zum Donaustil gesehen werden darf, ist jedoch zweifelhaft.

    Einzelne Werke tragen die Signatur „M R“; demzufolge galt R. in der Forschung als der namentlich unbekannte „Meister M R“. Erst 1904 konnte dieser mit R. identifiziert werden (H. Semper, 1904/1911). Inwieweit die Einbürgerung in Salzburg im Zusammenhang mit dem großen, zwischen 1484 und 1498 ausgeführten Auftrag an Michael Pacher steht, den Hochaltar für die Salzburger Pfarrkirche St. Marien (heutige Franziskanerkirche) zu schaffen, läßt sich nicht beweisen. R. könnte, wie mehrfach angenommen wird, Mitarbeiter Pachers an diesem umfangreichen Altarwerk gewesen sein. 1520 wurde der Hochaltar in Heiligenblut am Großglockner, an dessen Ausführung R. beteiligt war, von einem anderen Maler, „Wolffgang Maller“, vollendet. Daraus mag gefolgert werden, daß R. zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war.

  • Werke

    durch Signaturen bzw. Quellen für R. nachzuweisen: Anbetung d. Hll. Drei Könige, 1489, f. d. Mentlbergische Hauskapelle auf d. Gallwiese b. Wilten (Innsbruck, Tiroler Landesmus. Ferdinandeum);
    Tafelbild f. d. Benediktinerklosterkirche v. St. Lambrecht, 1498/99 (verschollen, Teilstück evtl. Norfolk, Virginia, Chrysler Mus. of Art);
    Malereien (Restaurierung älterer Wandgemälde ?), Schloß Runkelstein, 1508;
    Altar mit Szenen aus d. Marienleben f. Kloster Neustift b. Brixen, 1511 (München, Alte Pinakothek;
    Innsbruck, Reliefs im Tiroler Landesmus. Ferdinandeum);
    Zuschreibungen:
    u. a. Perckhamer-Altar, um 1495-98 (Österr., Privatbes.);
    Tafelbild d. Anna Selbdritt, gestiftet 1499 v. Christoph v. Thurn f. d. Altar an seinem Grab im Kreuzgang d. Kollegiatskirche Unserer Lieben Frau zu Brixen (Brixen, Diözesanmus.);
    Tempelgang u. Heimsuchung, vielleicht Predellenflügel, Anf. 16. Jh. (Wien, Kunsthist. Mus.);
    Flügeltafeln d. Flügelaltars aus St. Peter in Salzburg, Anf. 16. Jh. (Wien, Österr. Gal.;
    Wien, Privatbes.);
    Votivaltar d. Rr. Florian Waldauf v. Waldenstein, um 1501-1505 (Hall i. T., Stadtmus., Waldaufstiftung;
    Wien, Österr. Gal.;
    Privatbes.);
    Jakobus-Stephanus-Altar, 1506, f. Kloster Neustift b. Brixen (München, Alte Pinakothek;
    Neustift, Stiftspinakothek);
    Heiligenbluter Altar, 1520 vollendet v. e. Maler Wolfgang, R.s Gemälde wohl um 1516/18 zu datieren (nach J. Höfler, 1998). – Diskussionsbedürftig bleibt d. Zuweisung v. acht bzw. zwölf Bildnissen, um 1512/20, an R. (L. Madersbacher, 2000).

  • Literatur

    H. Semper, Michael u. Friedrich Pacher, Ihr Kreis u. ihre Nachfolger, 1911 (Wiederabdr. mehrerer Aufsätze, u. a. v. „Brixner Malerschulen“, 1891 u. „Reisestudien über einige Werke tirol. Malerei“, 1904);
    Gotik in Tirol, Ausst.kat. Innsbruck 1950, S. 49 ff.;
    Altdt. Malerei, Kat. Alte Pinakothek München, II, bearb. v. C. A. zu Salm u. G. Goldberg, 1963, S. 174-78;
    F. Wilflingseder, Joseph Grünpeck u. M. R., in: Kunstjb. d. Stadt Linz, 1966, S. 44-57;
    V. Oberhammer, Der Perckhamer-Altar d. M. R., in: Pantheon 28, 1970, S. 373-400;
    L. Madersbacher, M. R. u. d. Meister d. Angrerbildnisses, Diss. Innsbruck 1994 (ungedr.);
    ders., M. R., in: Michael Pacher u. sein Kreis, Ausst.kat. Neustift (b. Brixen) 1998, S. 255-69;
    ders., Bildnis od. Maske? Die Ges. Brixens im Spiegel e. neuen Bildgattung, in: Circa 1500, Ausst.kat. Lienz – Brixen – Besenello 2000, S. 384-91;
    J. Höfler, Die Tafelmalerei d. Dürerzeit in Kärnten (1500–1530), 1998, S. 65-76;
    M. Koller, Heiligenblut am Grossglockner, Kärnten, Doppelflügelaltar v. 1520, in: Restauratorenbll. 19, 1998, S. 139;
    F. Zaisberger, Michael Pacher u. sein Salzburger Mäzen Virgil Hofer, in: Michael Pacher u. sein Kreis, Symposion Bruneck 1998, 1999, S. 120-25;
    ThB;
    Dict. of Art. |

  • Quellen

    Qu Archiv d. Stadt Salzburg; Stiftsarchiv St. Lambrecht; Österr. Staatsarchiv Wien, Abt. Finanz- u. Hofkammerarchiv sowie Haus-, Hof- u- Staatsarchiv; Tiroler Landesmus. Ferdinandeum, Innsbruck u. Stiftsarchiv Neustift.

  • Autor/in

    Gisela Goldberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Goldberg, Gisela, "Reichlich, Marx" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 316-317 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133841669.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA