Lebensdaten
1889 bis 1984
Geburtsort
Rain/Lech
Sterbeort
Beatenberg (Kanton Bern)
Beruf/Funktion
Pianist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11636436X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Raucheisen, Michael
  • Rauchajzen, Michaėl'
  • Raucheisen, M.

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Zitierweise

Raucheisen, Michael, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11636436X.html [23.02.2018].

CC0

  • Genealogie

    V August (* 1864), aus R., Chorregent u. Glasermeister, seit 1902 in München, S d. Michael u. d. Marianne Färber;
    M Josepha (* 1832), aus Untermeitingen b. Schwabmünchen, T d. Ludwig Brugger u. d. Bonaventura Zerle;
    1) N. N. Schwelm, T e. Flügelfabr. in Berlin, 2) 1923/24 ( 1923/24) Marian Anderson (1897–1993, 2] Orpheus Fischer, Architekt), Sängerin (Alt) in Connecticut, zuletzt in New York, erhielt 1942 d. Bok-Preis d. Stadt Philadelphia u. richtete d. Marian-Anderson-Stipendienfonds z. Förderung begabter Sänger ein, 1958 US-Delegierte b. d. UNO, Dr. h. c. mult., 1963 Presidential Medal of Freedom, 1978 Congressional Gold Medal, 1986 National Medal of Arts (s. Munzinger; Internat. Nekr. 1993; ANB), T e. Stückeis- u. Kohlenhändlers in Philadelphia (Pennsylvania), u. e. Lehrerin u. Wäscherin, 3) 1933 Maria Ivogün (eigtl. Maria Kempner, 1891–1987, 1921, 1932 Karl Erb, 1877–1958, Sänger, s. Riemann mit Erg.bd.; MGG; MGG2; Kosch, Kath. Dtld.; Munzinger; New Grove, New Grove2), aus Budapest, Sängerin (Sopran), lehrte an d. Musikhochschule in Berlin (s. Riemann mit Erg.bd.; MGG; Munzinger; New Grove, New Grove2), T d. Paul (Pál) Kempner, k. u. k. Oberst, u. d. Ida v. Günther (1864–1930), aus Wien, Operettensängerin;
    1 S aus 1).

  • Leben

    R. studierte nach dem Besuch des Wilhelms-Gymnasiums in München an der dortigen Akademie der Tonkunst. Zu seinen Lehrern gehörten Felix Mottl (Dirigieren), Hans Bußmeyer (Klavier), Ludwig Maier (Orgel) und Ludwig Thuille (Komposition). 1907-11 wirkte er als Geiger im Orchester der Kgl. Hofoper München und spielte Bratsche im „Münchener Streichquartett“. 1907/08 stellvertretender Organist an der St.-Michaels-Hofkirche, gründete er 1912 die „Musikalischen Morgenaufführungen“ im Münchener Volkstheater, in denen er bis 1920 in Programmen, die jeweils einem Komponisten gewidmet waren, als Klaviersolist und Liedbegleiter auftrat. 1920-15 lebte R. in Berlin, von längeren Aufenthalten in Kanada und New York abgesehen (1923-24). Hier festigte er seinen bereits in München erworbenen Ruf eines der führenden Klavierbegleiter seiner Zeit. Von Amerika aus unternahm er 1924 eine Ostasientournee mit dem Geiger Fritz Kreisler (1875–1962); Konzertreisen durch die meisten europ. Länder schlossen sich an. R. arbeitete in dieser Zeit mit den bedeutendsten in- und ausländischen Instrumentalisten und Sängern. 1942 gründete er mit dem Geiger Vaša Přihoda (1900-1960) und dem Cellisten Paul Grümmer (1879–1965) das „Meistertrio“.

    R. setzte sich früh für das noch junge Medium Schallplatte ein und wirkte insbesondere bei Einspielungen der „Hugo Wolf Society“ mit. 1940-45 war er Künstlerischer Leiter der Abteilungen Kammermusik und Lied beim Reichssender Berlin. In dieser Zeit erarbeitete er für die Reichsrundfunkgesellschaft eine – unvollständig gebliebene – Edition „Lied der Welt“ mit den führenden Interpreten der Zeit, u. a. Elisabeth Schwarzkopf, Erna Berger, Tiana Lemnitz, Maria Müller, Maria Ivogün sowie Julius Patzak, Hans Hotter, Josef Greindl, Karl Schmitt-Walter, Gerhard Hüsch, Heinrich Schlusnus und Peter Anders. Das dt. Lied stand dabei im Zentrum, Komponisten der jüngeren Moderne wurden berücksichtigt, Werke jüd. Komponisten oder Lieder auf Texte jüd. Dichter jedoch ausgespart.

    Nach Kriegsende wirkte R. zunächst v. a. in München, bevor er 1950 eine Professur an der Berliner Hochschule für Musik übernahm. 1958 beendete er diese Tätigkeit und seine künstlerische Laufbahn und siedelte|nach Immensee, später nach Thun (Schweiz) über.

    R. vereinigte in seinem Spiel alle an einen Begleiter gestellten Ansprüche in höchstem Maße. Auf der Basis von virtuosem technischen Können sowie überragenden Fähigkeiten im Prima Vista-Spiel und im Transponieren entwickelte er als Liedbegleiter einen spontanen, dabei den kompositorischen und lyrischen Gehalt des Werkes erfassenden Zugang zur Musik. Er gehörte zu den Pianisten, die die Entwicklung des Klavierbegleiters zum gleichberechtigten musikalischen Partner entscheidend prägten.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmedaille (1970) u. Ehrenbürger (1984) d. Stadt Rain.

  • Werke

    Diskogr. u. a. Lied der Welt;
    d. erhaltenen Aufnahmen wurden in 11 Folgen auf Langspielplatten b. Acanta 1983-86 veröff., mit Beil. v. Ch. Zimmermann. – Schrr.: Der Künstler u. d. Konzertraum, in: Dt. Tonkünstler-Ztg. 34, 1938;
    Begleiten – eine Kunst zweiten Ranges?, in: Neues Musikbl. 19, 1940, Nr. 57. |

  • Nachlaß

    Nachlaß (Privatbes.) zahlr. Bearb. u. Kadenzen f. Koloratursopran (Ms.).

  • Literatur

    F. Leider, Das war mein Teil, 1959;
    J. Müller-Marein u. H. Reinhardt, Das musikal. Selbstportrait – v. Komponisten, Dirigenten, Instrumentalisten, Sängerinnen u. Sängern unserer Zeit, 1963;
    H. J. Mann, „Der Begleiter aller Begleiter … Prof. M. R. …, in: Beil. d. Rainer Anzeigenbl., Nr. 7, April 1984;
    SZ v. 1.6.1984;
    H. H. Stuckenschmidt, in: FAZ v. 2.6.1984;
    Spiegel v. 4.6.1984;
    Munzinger;
    Riemann mit Erg.bd.;
    MGG;
    New Grove.

  • Autor

    Stephan Hörner
  • Empfohlene Zitierweise

    Hörner, Stephan, "Raucheisen, Michael" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 199-200 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11636436X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA