Lebensdaten
1875 bis 1962
Geburtsort
Wien
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Violinist ; Komponist
Konfession
jüdisch,katholisch
Normdaten
GND: 119069261 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kreisler, Fritz
  • Krejsler, F.
  • Krejsler, Fric

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Zitierweise

Kreisler, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119069261.html [06.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Samuel Severin, aus Krakau, Dr. med., Arzt;
    M Anna Reches;
    B Hugo (1863–1929), Violinist;
    - 1901 Harriet, T d. Tabakhändlers George Lies in N. Y. u. d. Katharine Heckmann aus Bensheim.

  • Leben

    K. war dank seiner hohen Begabung nach erstem Violinunterricht bei seinem Vater und bei dem Konzertmeister des Wiener Ringtheaters Jacques Auber bereits mit 7 Jahren in das Wiener Konservatorium eingetreten, obgleich das offizielle Zulassungsalter doppelt so hoch war. Seine Lehrer waren vor allem Josef/Joseph Hellmesberger junior (Violine) und Bruckner (Komposition). Sich völlig auf das Violinstudium konzentrierend, machte er schnelle Fortschritte, konnte schon 1884 zum ersten Mal in einem Konzert des Instituts auftreten und wurde 1 Jahr später mit der goldenen Medaille des Konservatoriums ausgezeichnet. Zur – vor allem technischen – Vervollkommnung seiner Studien wurde der 10jährige 1885 nach Paris geschickt und arbeitete am dortigen Konservatorium 2 Jahre bei Josef/Joseph L. Massart (Violine) und Leo Delibes (Komposition). Nach Wien zurückgekehrt, erspielte er sich seine ersten öffentlichen Erfolge und machte 1888 mit Moritz/Moriz Rosenthal seine erste Amerika-Tournee. In der folgenden Zeit trat das Geigenspiel fast völlig zurück. K. begann, nachdem er das Abitur nachgeholt hatte, ein Medizinstudium an der Universität Wien, das er jedoch nach 2 Jahren wieder aufgab. Erst nach seiner Militärdienstzeit (1895–96) konzentrierte er sich wieder auf sein Instrument und konnte bereits am 23.1.1898 in einem Philharmonischen Konzert in Wien auftreten. Größte Erwartungen löste dann sein Berliner Debüt am 27.11.1899 mit Mendelssohns Violinkonzert in einem Nikisch-Konzert aus. Erfolgreiche Konzertreisen durch Europa und nach Übersee schlossen sich an. Die Philharmonische Gesellschaft London, wo er 1901 in einem Richter-Konzert debütiert hatte, verlieh K. 1904 die Goldmedaille. Durch den Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde K.s sich kontinuierlich erweiternde Konzerttätigkeil nur kurz unterbrochen: er kam als Infanterieoffizier an die Front, wurde aber durch eine Verwundung kriegsuntauglich und ging am 24.11.1914 nach New York, wo er bis 1924 blieb. Er eroberte sich von dort aus, nachdem er zunächst vor allem in den USA konzertierte, die Konzertpodien der Welt. Wegen der dominierenden Stellung, die Berlin im internationalen Musikleben der 20er Jahre innehatte, übersiedelte er 1925 dorthin. Er richtete eine Stiftung für die Violinklassen der Berliner Musikhochschule ein; 1929 wurde erstmalig ein Stipendium verliehen. 1933 übersiedelte K. nach Paris, erwarb 1938 die französisch Staatsbürgerschaft und wurde Kommandeur der Ehrenlegion. 1939 ließ er sich endgültig in Amerika nieder, wo er 1940 eingebürgeit wurde. „Fast ein halbes Jahrhundert war K.s Ruf, der größte Geiger seiner Zeit zu sein, so gut wie unangefochten“ (Hartnack). In seinem Spiel vereinigte er die Qualitäten der Wiener und französisch Geigenschulen. Das hervorstechendste Merkmal war die betörende Klangschönheit seiner diszipliniert sinnlichen Tongebung, durch deren Makellosigkeit er ebenso vorbildlich war wie durch seine differenzierte „ökonomische Bogentechnik“ und sein durchgehend angewandtes, auf Ysaye zurückgehendes Handgelenksvibrato. Seine Gestaltungsart zeichnete sich durch ein differenziertes Ausdrucksstreben aus, das, mit klassisch anmutender Artikulations- und Formklarheit gepaart, einen Eindruck harmonischer Ausgewogenheit beschwor.

    Seine eingängigen, formglatten Kompositionen zeigen eine leichte Hand und sicheres handwerkliches Können. Der Öffentlichkeit gegenüber konnte K. lange Zeit die Behauptung aufrecht erhalten, er sei lediglich Herausgeber dieser von ihm entdeckten unbekannten Handschriften von Meistern des 18. und 19. Jahrhundert Erst 1935 wurde die Wahrheit aufgedeckt, was zu einer heftigen Pressekampagne führte, obgleich die „Täuschung“, wie der Verleger zu berichten weiß, „aus Bescheidenheit des jungen Geigers (geschah), der nicht ein ganzes Programm eigener Kompositionen in seinen Konzerten zu spielen wagte“. Gerade diese berühmt gewordenen Geigenstücke entsprangen jenem starken, differenzierten Einfühlungsvermögen K.s, das auch seine Interpretationen in besonderem Maße auszeichnete. K.s Künstlertum verband sich mit starkem ethisch-moralischem Empfinden, das sich speziell auch in seinen zahlreichen humanitären und karitativen Handlungen und Stiftungen äußerte.

  • Werke

    Originalkompp. u. Transkriptionen f. Violine mit u. ohne Klavierbegleitung, 1 Streichquartett, Lieder, 2 Operetten, Kadenzen zu 4 Violinkonzerten v. Mozart u. zu d. Violinkonzerten v. Beethoven u. Brahms. - Schrr.:
    Four Weeks in the Trenches, the War Story of a Violinist, 1915.

  • Literatur

    L. P. Lochner, F. K., 1950 u. 1951, dt. v. H. R. v. Nack, 1957 (W-Verz., P);
    W. Strecker, in: Das Musikleben 8, 1955, S. 54-57;
    M. Pincherle, F. K., 1956 (P);
    ders., F. K., Tel que je l'ai connu, in: Musica-Disques, 1962, Nr. 97, S. 44-49;
    C. Flesch, Erinnerungen e. Geigers, 1961, S. 84-91;
    A. Geipel, Caprice viennois, in: Der Jungmusikhandel 11, 1960, S. 2;
    W. Carstrand, in: The Music Mgz. 164, 1962, H. 3, S. 11-13;
    S. Jones, What K. taught me, in: The Stradivari 72, 1962, S. 441-447;
    J. Szigeti, Memories of F. K., ebd. 73, 1962/63;
    P. Rytel, in: Ruch Muzyczny 6, 1962, Nr. 8. S. 6 f.;
    MGG VII (W);
    Riemann (W).|

  • Quellen

    Qu.: Akten im Archiv d. Hochschule f. Musik, Berlin.

  • Autor/in

    Thomas-M. Langner
  • Empfohlene Zitierweise

    Langner, Thomas-M., "Kreisler, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 738 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119069261.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA