Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Adelsfamilie
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 118749102 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rantzow, von
  • Rantzau, von
  • Rantzow, von

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Zitierweise

Rantzau, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118749102.html [25.06.2019].

CC0

  • Leben

    Die R. zählen zu den einflußreichsten Adelsfamilien in Holstein. Mit dem miles Johannes de Ranzow 1226/36 sind sie erstmals urkundlich erwähnt. Die Burg Rantzau bei Plön (Wagrien) wurde zum namengebenden Stammsitz der Familie. Die umfangreichen Besitzungen der weit verzweigten R. erreichten ihre größte Ausdehnung im ausgehenden Mittelalter und lagen v. a. in Südholstein um Breitenburg sowie südöstlich von Kiel. Die Stammreihe beginnt mit Rr. Johann (erw. 1315-26). Die R. stellten mehrere Landesräte, u. a. Claus (erw. 1387), sowie wichtige Berater für die dän. Könige Friedrich I., Christian III. und Friedrich II.

    Söhne des Amtmanns Hans ( um 1522), auf Neuhaus, Schmoel, Rantzau und Satjewitz, waren u. a. Balthasar (um 1497–1547, s. Biogr. Lex. Schleswig-Holstein IV, 1976; Gatz III), der 1536 zum Bischof von Lübeck gewählt wurde, der Landmarschall Melchior ( nach 1539, s. Biogr. Lex. Schleswig-Holstein VII, 1985) und der dän. Statthalter Breide ( 1562). Johann (1492–1565, s. ADB 27), Sohn des Amtmanns Heinrich ( 1495) auf Steinburg, unternahm 1516 eine Wallfahrt|über England nach Santiago de Compostela. Hzg. Friedrich I. von Oldenburg(-Schleswig-Holstein-Gottorf) bestellte ihn zum Hofmeister für seinen Sohn Christian (III.), der 1523 zum König von Dänemark gewählt wurde. Johann, der diesen bereits 1521 auf den Reichstag von Worms begleitet hatte und dort zum Anhänger Luthers wurde, blieb als Feldherr in dän. Diensten. 1533 unterzeichnete er als Landeshofmeister und Amtmann zu Steinburg die Union der Eibherzogtümer mit Dänemark. In der Grafenfehde 1534/36 errang er einen Sieg gegen die Reichsstadt Lübeck. Statthalter Kg. Christians III. im kgl. Anteil der Hzgt. Schleswig und Holstein, schloß er 1544 mit Ks. Karl V. den Friedensvertrag von Speyer, der den konfessionellen Status quo in Norddeutschland festschrieb und die Anerkennung Christians III. als König bewirkte. Als dän. Feldmarschall annektierte er 1559 Dithmarschen. Beteiligt an den Oldenburg. Erbteilungen, erwarb Johann ein größeres Territorium, besonders in der Störniederung, wo er die Breitenburg als neuen Herrensitz errichtete, und beeinflußte maßgeblich die politische Entwicklung in Norddeutschland. Erbe war sein ältester Sohn Heinrich (1526–98/99, Ranzovius, Ps. Christianus Cilicius Cimber, s. L). Dieser studierte in Wittenberg, wo er im Haus Luthers wohnte. 1556 wurde er Statthalter Kg. Christians III. in Schleswig und Holstein. Er betrieb die Eroberung von Dithmarschen, worüber er einen lat. Bericht verfaßte (Belli Dithmarsici vera descriptio, 1570). Der humanistisch gebildete Staatsmann förderte Wissenschaft und Kunst, stand in regem Kontakt u. a. mit Georg Rollenhagen, Nikolaus Reusner, David und Nathan Chytraeus, Justus Lipsius und Heinrich Meibom und sammelte auf Schloß Breitenburg, im 16. Jh. Hauptsitz der R., Kunstschätze und eine umfassende Bibliothek. Zum Teil in Zusammenarbeit mit den genannten Gelehrten entwickelte Heinrich ein humanistisches Programm (Hypotyposis Arcium, Palatiorum, Librorum, Pyramidum […] Epitaphorum, hg. v. P. Lindeberg, 1590, 31592) und verfaßte neben genealogischen Arbeiten (Genealogia Ranzoviana, 1586; Genealogia aliquot nobilium in Saxonia, hg. v. H. Henninges, 21590) auch astronomische, astrologische, medizinische und ökonomische Schriften sowie seinen „Commentarius bellicus“ (1590). Heinrich, der in den dän. Grafenstand erhoben wurde, ließ im Stil der Renaissance das Schloß Rantzau erbauen. Ein Konflikt mit der Königinwitwe Sophia hatte allerdings 1588 seine Absetzung als Statthalter zur Folge.

    Sein Enkel Heinrich (Hendrik) (1599–1674), Sohn des Franz, bereiste 1623 den Orient und Balkan. Seine „Denkwürdige Beschreibung“ (1704) hierüber wurde postum publiziert. Er verwaltete seine ausgedehnten Güter in Holstein und Dänemark und war dän. Rat.

    Gerhard (1558–1627, s. ADB 27), Sohn des Johann, folgte seinem Vater um 1600 als dän. Statthalter von Schleswig-Holstein. 1611-13 befehligte er das dän. Herr im Kalmarischen Krieg gegen Schweden. Das Amt des Statthalters erhielt 1648 sein Sohn Christian (1614–63, Reichsgf. 1650, Ps. Der Gezierte, s. ADB 27), seit 1661 mit dem Titel eines Oberstatthalters. Dieser wurde durch Wallenstein von seinen Gütern vertrieben, 1629 durch den Lübecker Frieden jedoch restituiert. In dän. Diensten stieg er zum Generalkriegskommissar auf und führte diplomatische Missionen aus. Literarisch war er seit 1638 in der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ aktiv. 1649 erwarb Christian das Amt Barmstädt und wurde 1650 in den Reichsgrafenstand erhoben. Als Oberstatthalter folgten ihm sein Sohn Detlef ( 1697) sowie seine Enkel Christian Detlef ( 1721, ermordet) und Wilhelm Adolf ( 1734). Nach deren kinderlosem Tod wurde die Reichsgfsch. Rantzau von der dän. Krone wieder eingezogen, woran auch ein langwährender Prozeß vor dem Reichskammergericht nichts mehr änderte.

    Daniel (1529–69 ⚔, s. ADB 27) studierte in Wittenberg, begleitete 1547 Hzg. Adolf von Holstein-Gottorf auf dem Feldzug Ks. Karls V. nach Italien und erhielt 1556 das verpfändete Hildesheimer Amt Peine. Im Krieg gegen Dithmarschen verwundet, bewährte er sich als Feldhauptmann Kg. Friedrichs II. von Dänemark im sog. „Dreikronekrieg“ gegen Schweden; er fiel jedoch vor der Festung Warburg. Mit seinem Neffen Daniel ( 1590) erlosch diese Linie.

    Josias (1609–50), Sohn des Breide (1563–1639), auf Bothkamp, kam 1635 im Gefolge des schwed. Reichskanzlers Oxenstierna nach Frankreich, wo er in die Armee Ludwigs XIII. eintrat und nach Kämpfen im Elsaß und in der Franche-Comté 1636 zum Feldmarschall avancierte. Nachdem es ihm als Generalleutnant nicht gelungen war, ein Armeekorps von 8000 Mann anzuwerben, kehrte er nach Holstein zurück, trat aber bald wieder in franz. Dienste. 1644/45 kämpfte er als Generalleutnant in Flandern und der Picardie und wurde 1645 zum Marschall von Frankreich ernannt. Nach dem Konkurs seiner Güter konvertierte Josias 1645 zum Katholizismus. 1646 erhielt er die Gouvernements der eroberten Plätze Dünkirchen, Bergues, Mardyck und Furnes/Veurne übertragen. 1647 führte er gemeinsam mit Marschall Gassion das Kommando über die Flandernarmee, wo er auch 1648 unter Condé diente. Wegen des Verdachts einer Zusammenarbeit mit der Fronde und einer geplanten Auslieferung seeflandr. Festungen wurde er 1649 in Saint-Germain-en-Laye verhaftet, doch im folgenden Jahr wieder freigelassen und in seinen Funktionen bestätigt. Gefördert von den Kardinalministern Richelieu und Mazarin, entsprach er dem Typus des wagemutigmartialischen Haudegens und Söldnerführers aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

    Auch Christoph (ca. 1623–96, Reichsgf. 1651, s. Biogr. Lex. Schleswig-Holstein III, 1974), auf Schmoel, konvertierte 1650 in Rom zum Katholizismus und war Reichshofrat. In einem der letzten Hexenprozesse in Schleswig-Holstein kam es noch 1686 zu mehreren Hinrichtungen. 1688 hob er als einer der ersten in Schleswig-Holstein auf seinen Gütern die Leibeigenschaft auf und reduzierte die Hofdienste und Abgaben. Seit 1688 lebte er in Köln und errichtete mehrere Stiftungen zugunsten der Jesuiten sowie armer Katholiken in den Niederlanden, Köln und Westfalen.

    Hans (1693–1769, Reichsgf. 1728, s. Biogr. Lex. Schleswig-Holstein III, 1974), auf Ascheberg, war 1746-49 Oberpräsident von Altona und wirkte als Agrarreformer.

    Schack Carl Reichsgf. (1717–89), dän. General, intrigierte 1770 mit Gf. Struensee gegen Andreas Gf. Bernstorff, wirkte jedoch 1772 auch mit an Struensees Sturz. Bald danach selbst gezwungen, Dänemark zu verlassen, starb er in der Verbannung in Avignon (s. Biogr. Lex. Schleswig-Holstein VI, 1982). Andreas Conrad Peter (1773–1845, ebd. VIII, 1987) war dän. Staatsmann.

    Christian Emil (1827–88, s. ADB 27), Sohn des Christian ( 1857), Gouverneur und Landdrost im Hzgt. Lauenburg sowie Klosterpropst zu Uetersen, leitete das Familienmajorat. Seit 1861 Mitglied der holstein. Stände, war er Landtagsmarschall und Vorsitzender des provinzialständischen Ausschusses.

    Marianne (1796–1855, s. U. Röper, M. v. R. u. d. Kunst d. Demut, 1997) gilt als eine der Begründerinnen einer weiblichen ev. Diakonie. Sie absolvierte zunächst eine Ausbildung in der Diakonissengemeinschaft Theodor Fliedners in Kaiserswerth, entwickelte dann aber eigene über die Pflege von Kranken und Alten hinausreichende Konzepte und wurde schließlich zur Oberin des neu gegründeten Diakonissinnenhauses „Bethanien“ in Berlin berufen.

    Kuno Gf. (1843–1917, s. Nassau Biogr.; Qu.slg. z. Gesch. d. dt. Soz.pol. 1867-1914, I/1, I/2 u. II/2), war Diplomat, Ulrich Gf. Brockdorff-R. (bis 1891 Gf. zu R., 1869-1928, s. NDB II; Ch. Scheidemann, U. Gf. B.-R., 1998; Biogr. Hdb. Ausw. Dienst), Zwillingsbruder des Ernst Gf. (1869–1930), Geh. Regierungsrat, war der erste Außenminister der Weimarer Republik, seit 1922 Botschafter in Moskau.

    Johann Albrecht (1900–93, Ps. Joachim v. Dissow, s. W. Weber, Biogr. Lex. z. Gesch.-wiss., 21987; Munzinger), 1923 bei F. Meinecke promoviert, wirkte 1954-76 als Professor für neuere Geschichte an der TU Berlin. Detlef Gf. (* 1930, s. Munzinger; SZ v. 1.6.1995), war im Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik Deutschland u. a. in Bonn, Manila (Philippinen), Washington D. C., in Brüssel bei der NATO, in Genf bei der UNO tätig. 1988/89 leitete er die dt. Delegation bei den KSZE-Folgekonferenzen und war 1990-95 Ständiger Vertreter bei der UNO in New York. Bis 1904 bestand ein Familienverband (Geschlechtsverein) der R.

  • Literatur

    ADB 27;
    Carl v. Rantzau, Das Haus R., Eine Fam.-chronik, 1865, S. 149-58;
    Danmarks Adels Aarbog 1930;
    Rößler-Franz;
    Lex. MA;
    Dansk Leks. 13, 1899, 19, 1940, XI, 1982;
    GHdA Gräfl. Häuser A VII, 1973, S. 335-51;
    zu Heinrich ( 1598):
    ADB 27;
    H. Fuhrmann, H. R.s röm. Korrespondenten, in: AKG 42, 1959, S. 63-89;
    R. Hansen, Krieg u. Frieden im Denken u. Handeln H. R.s, in: Krieg u. Frieden im Horizont d. Renaissancehumanismus, hg. v. F. J Worstbrock, 1986, S. 125-83;
    ders., in: Melanchton u. Europa, Melanchthon-Schrr. d. Stadt Bretten, VI/1, 2001, S. 39-62;
    W. Harms, Verbindungen v. Fama, Memoria, Vanitas u. Tod um H. R., in: FS f. Dieter Wuttke z. 60. Geb.tag, 1989, S. 337-46;
    W. Steinmetz. H. R. (1526-98), Ein Vertreter d. Humanismus in Nordeuropa […], Diss. Kiel 1990;
    H. R. (1526-1598), kgl. Statthalter in Schleswig u. Holstein, hg. v. M. Bejschowetz-Iserhoht u. a., 1999 (Ausst.kat. d. Landesarchivs Schleswig-Holstein);
    D. Lohmeier, H. R., Humanismus u. Renaissance in Schleswig-Holstein, 2000;
    Killy;
    zu Josias:
    Relation de tout ce qui s'est fait et passé à la vie et à la mort de M. le maréchal de R., 1650;
    J.-P. Camus. Harangue funèbre … de … J., comte de R. …, 1650;
    F. Hédelin, Panégyrique de J., comte de R., 1650 (auch dt. o. J., P);
    Pinard, Chronol. hist.-militaire, II, S. 558-63;
    Marquis de Quincy, Hist. militaire du règne de Louis le Grand, I, 1726;
    Richelieu, Lettres, instructions diplomatiques et papiers d'état, ed. Avenel, 8 Bde., 1853-77;
    Mazarin, Lettres, ed. Avenel/Chéruel, 9 Bde., 1872-1906;
    J. J. E. Roy, Le maréchal R. et notice sur la guerre de Trente Ans, 31889;
    Vicomte de Noailles, Le cardinal de Lavalette, lieutenant générat des armées du Roi 1635-1639, 1906;
    ders., Le maréchal de Guébriant 1602-1643, 1913 (P);
    H. Choppin, Le maréchal de Gassion 1609-1647, 1907;
    L. Lemaire, Dunkerque et la politique de Mazarin, I, in: Revue du Nord 5, 1919, S. 292-324;
    ders., La prétendue trahison du maréchal de R., gouverneur de Dunkerque, in: Annuaire-Bull. de la Soc. de l'Hist. de France, 1926, S. 274-98;
    J. Dupaquier, Le maréchal de R. 1609-1650, 1985 (P);
    Michaud 35;
    Nouvelle Biographie Générale 41. |

  • Quellen

    Qu Fam.- u. Herrschaftsarchiv d. Gf. zu R., Breitenburg (Kr. Steinburg).

  • Autor/in

    Bernhard Ebneth Text und Literaturverzeichnis zu Josias von Rantzau basieren auf einer Ausführung von Michael Hochedlinger, Wien.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ebneth, Bernhard, "Rantzau, von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 146-149 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118749102.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA